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27.02.2009

Otto Betschmann: Skitourenkarte Oberengadin Albula-Bernina (Zürich, 193?)

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Nicole Graf @ 16:01

Ausschnitt aus: Skitourenkarte Oberengadin Albula-Bernina : Aerovue / Bearb. O. Betschmann. 1:50 000. Zürich : Conzett & Huber, [193?]

Otto Betschmann (1884-1959), Maler und Grafiker, erstellte in den 1920er- und 1930er-Jahren zahlreiche Vogelschaubilder und sogenannte Aerovue-Karten. Aerovue-Karten verwenden eine schräge Parallelprojektion, die Ebenen wie eine normale orthogonale Kartenprojektion im Grundriss darstellt, Erhebungen im Gelände werden jedoch in seitlicher Ansicht gezeigt. Betschmann liess sein Konstruktionsverfahren patentieren. Für die Konstruktion seiner Karten entwickelte die Zürcher Firma Coradi einen modifizierten Pantographen, mit dem Höhenlinien umprojiziert werden konnten.

Als Grundlage für seine Karten verwendete Betschmann den Siegfriedatlas, den er mit seiner Methode umprojizierte und kopierte. Im Vergleich zum Siegfriedatlas sind seine Karten deutlich plastischer wegen der dreidimensionalen Konstruktion, der naturähnlichen Farbgebung und der Schattierungen, und sie sind für Ungeübte leichter lesbar als die üblichen Vertikalprojektionskarten.

Der Verlag Conzett & Huber in Zürich produzierte insgesamt nur sechs Aerovue-Karten, die er im Tiefdruck vielfarbig vervielfältigen liess. Fünf der sechs Karten sind im Massstab 1:50 000 und südorientiert. Dank der Südorientierung können Berghänge in einer natürlichen Morgenbeleuchtung gezeigt werden. Die Karten sind mit einem Format von 95 x 74 cm relativ gross. Vermutlich wurde das aufwändige Verfahren der Aerovue-Karten durch die ersten Blätter der neuen Landeskarte verdrängt, die ab 1938 in einer modernen Grafik und mit einer neuen plastischen Geländeschattierung erschienen.

Neueste Softwareentwicklungen erlauben es heute, aus digitalen Höhenmodellen innert Sekunden Karten in Betschmanns Projektion zu erstellen. Es ist durchaus denkbar, dass Betschmanns Idee in Zukunft wieder vermehrt zum Zug kommen könnte.

Die Karte befindet sich unter der Signatur K 610049 in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek und kann via NEBIS bestellt werden und im Lesesaal der Spezialsammlungen konsultiert werden. In der Kartensammlung befinden sich insgesamt 10 Karten von Otto Betschmann.

23.02.2009

Nachricht von neuen Sternen: Galileo Galileis Sidereus Nuncius (Venedig, 1610)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Tags: — Roland Lüthi @ 10:35

 

Plejaden

Mit Sidereus Nuncius (deutsch: “Sternenbote”) publizierte der italienische Mathematiker, Physiker und Astronom Galileo Galilei (1564-1642) eine lebhafte Beschreibung seiner Beobachtung von Himmelskörpern. Er berichtete, dass die Mondoberfläche keineswegs wie bisher angenommen eine glatte Kugel, sondern reich an Bergen und Kratern sei. Diese Beobachtungen widersprachen der aristotelischen Vorstellung, die alle Himmelskörper als vollkommene Kugeln ansah. Ebenfalls gegen die bisherigen Vorstellungen sprachen Galileis Beobachtungen der Jupitermonde. Diese zeigten, dass die Erde nicht das einzige Zentrum der Rotation im Weltall sein konnte. Beide Entdeckungen waren somit gewichtige Argumente gegen das vorherrschende geozentrische Weltbild und machten Galilei mit einem Schlag berühmt.

Galilei begann die Schilderung seiner neuen Beobachtungen mit der Beschreibung der Herstellung des Fernrohrs, das er neu entwickelt hatte. Teleskope wurden seit dem Herbst 1608 hergestellt, und als Galilei davon hörte, fing er an verbesserte Modelle mit einer stärkeren Vergrösserung zu entwickeln. Seine Instrumente waren noch weit entfernt von der heutigen Präzision, was auch in den Abbildungen des Sidereus Nuntius deutlich wird. Vergleicht man diese mit fotografischen Darstellungen desselben Himmelsausschnittes, stellt man kaum eine Ähnlichkeit fest. Trotz dieser Ungenauigkeiten trugen Galileis Beobachtungen wesentlich zu einer Revolution unseres Weltbildes bei.

Links:

Galileis Siderus Nuncius von 1610 (Signatur Rar 4342: 1) ist zusammengebunden mit fünf weiteren Werken zur Astronomie des 17. Jahrhunderts und online via e-rara.ch.

Ausstellung “Galileo Galilei” in der Haupthalle der ETH Zürich vom 18. Januar bis 3. Februar 1999 und an der ETH-Bibliothek von Januar bis Mai 1999.

Literatur:

Hans Blumenberg: Die Genesis der kopernikanischen Welt

Paul Feyerabend: Wider den Methodenzwang

13.02.2009

Johannes Hevelius: Prodromus astronomiae (Danzig, 1690)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Tags: — Roland Lüthi @ 7:28

Kupferstich Fig. V: Sternbilder Pegasus, Andromeda, Cassiopeia und Piscis

Über das Observatorium des polnischen Astronomen und Instrumentenbauers Johannes Hevelius (1611-1687) und sein dem Mond gewidmetes Hauptwerk Selenographia  wurde in diesem Weblog bereits berichtet. Mit dem 1690 posthum erschienenen Werk Prodromus astronomiae unternahm Hevelius eine Darstellung des gesamten gestirnten Himmels.

Hevelius’ Katalog von 1564 Sternen war bereits etwas umfangreicher als derjenige von Johann Bayers Uranometria (1603), die hier ebenfalls bereits vorgestellt wurde. Die Leistungen von Hevelius lagen in der Einführung einer Reihe neuer Konstellationen (Lacerta, Leo Minor, Vulpecula, Canes Venatici, Lynx, Sextans Uraniae, Sagitta und Scutum Sobiescanum), sowie in der verbesserten Darstellung des südlichen Sternhimmels. Wie schon bei Selenographia zeichnete und stach Hevelius die Platten selbst und druckte sie im eigenen Haus.

Die Rezeption von Prodromus astronomiae wurde getrübt durch eine Debatte um die Arbeitsweise von Hevelius. Dieser argumentierte während seiner ganzen Karriere, dass trotz der technischen Fortschritte im Instrumentenbau das menschliche Auge den neu entwickelten Visieren und anderen Hilfsmitteln überlegen sei. Die Kontroverse über den Gebrauch von Hilfsmitteln entbrannte in den 1660er-Jahren und dauerte zwanzig Jahre. Sie ist dokumentiert in zahlreichen Briefen, die zwischen Hevelius und seinen Kollegen – vornehmlich Mitgliedern der Royal Society – ausgetauscht wurden.

Links:

Prodromus astronomiae (Rar 9629 GF) im Bibliothekskatalog NEBIS. Das Werk ist zusammengebunden mit Firmamentum sobiescia und Catalogus stellarum fixarum.

Weitere Werke von Astronomen des 15. Bis 18. Jahrhunderts, darunter auch Venus in Sole visus von Hevelius, sind online bei der Rare Book Collection des Vienna University Observatory: http://www.univie.ac.at/hwastro/

06.02.2009

Oswald Heer – der Entdecker der fossilen Schweizer Flora

Filed under: Archive und Nachlässe,Botanik — Tags: — Ursula Steinhauser @ 14:48

Oswald Heers Zeichnung verschiedener Typen von Ahornsamen (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 204:188)

Oswald Heer (1809-1883) studierte zuerst Theologie, widmete sich aber anschliessend den Naturwissenschaften und gilt heute als einer der Begründer der Paläontologie und der Archäo- bzw. Paläobotanik. An der ETH, wie auch an der Universität Zürich wirkte er als Professor für Botanik. Zu seinen wichtigsten Werken gehört unter anderen die Flora tertiaria Helvetiae. In ihr beschrieb er 720 bis dahin unbekannte fossile Pflanzen auf schweizerischem Gebiet. Damit war der Grundstein für seinen guten internationalen Ruf als Paläobotaniker gelegt.
Von den fossilen Pflanzen zeichnete Heer sehr viele selbst und wurde erst in der Endphase von einem wissenschaftlichen Zeichner unterstützt. Heer arbeitete sehr genau und selbstkritisch und war immer offen gegenüber begründeter Kritik. Einen grossen Teil der Zeichnungen zur Flora tertiaria Helvetiae finden sich in den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH Bibliothek.
In seinem Werk beschrieb Heer unter anderem insgesamt 35 Ahornarten (vgl. Abb. oben). Da ein Bestimmungswerk noch fehlte, versuchte Heer möglichst viele Typen herauszuarbeiten und präsentierte – dem Zeitgeist entsprechend – eine artenreiche Flora.
Aus heutiger Sicht sind natürlich einige seiner Erkenntnisse (z.B. der Artenreichtum beim Ahorn) überholt, dies schmälert seine Leistung aber in keiner Weise (nach wie vor findet seine Arbeit Eingang in die heutige Forschung).

Links:

Die Originalzeichnungen zur Flora tertiaria Helvetia befinden sich in den Archiven und Nachlässen der ETH Bibliothek Zürich.
Die Flora tertiaria Helvetia kann im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt und im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden.
Das Nachlassverzeichnis von Oswald Heer kann online eingesehen werden.
Ein Portrait des Monats von Oswald Heer findet sich auf der Homepage der ETH Bibliothek Zürich.

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