
Rigi, Ausschnitt aus der Landeskarte der Schweiz 1:25’000, Blatt 1151 (2002)
Die Landeskarte der Schweiz ist das amtliche Kartenwerk der Schweiz und wird vom Bundesamt für Landestopografie swisstopo produziert und herausgegeben. 1938 wurde mit der Ausgabe von neuen Karten begonnen, welche die alten Dufour- und Siegfriedkarten ablösen sollten. Sie erschienen in unterschiedlichen Massstäben (1:25‘000 bis 1:1 Mio.), mit jedem Massstab wird jeweils die ganze Schweiz abgedeckt. Für die Schweizerkarten gilt der Repère Pierre du Niton im Hafen von Genf als Ausgangspunkt für die Höhenmessung.
1979 wurde mit der Ausgabe der letzten 25’000er-Karte das Werk vollendet. Die ganze Schweiz wird ungefähr im Sechsjahresrhythmus mit Flugkameras abgelichtet. Die Fotos ergeben in Verbindung mit Satellitenbildern, Messungen vor Ort und Daten kantonaler Vermessungsstellen jeweils ein aktuelles Bild des Raumes. Bisher haben daraus dann Kartografen sogleich Landkarten gezeichnet, die seit einigen Jahren auch elektronisch verfügbar gemacht werden.
Nicht nur der Internet-Atlas Google-Earth oder die GPS-Geräte sind grundlegende Veränderungen im Landkarten- und Vermessungswesen. Seit Mitte 2008 wird für die Nachführung der Schweizer Landeskarten ein computergestütztes, dreidimensionales Topografisches Landschaftsmodell (TLM) als Grundlage eingesetzt. Mit dem neuen TLM als Basis bleiben alle Daten für die Nutzung im Rahmen von professionellen Geografischen Informationssystemen (GIS) erhalten, und es können mit einer farbigen Brille und einem speziellen Monitor zudem dreidimensionale Darstellungen für Planungsarbeiten genutzt werden. Weil der „Umweg” über den Kartografen mit dem neuen TLM entfällt, können die für professionelle Anwender wichtigen GIS-Angebote in Zukunft gesamtschweizerisch ungefähr alle drei Jahre aktualisiert vorgelegt werden (bisher alle sechs Jahre).
Diese Neuerung ist bedeutender als die auf 2001 hin erfolgte endgültige Umstellung von der Schichtgravur auf Glas zur Landkartenzeichnung mit Computern. Die Schweiz spielt damit weltweit eine Pionierrolle.
Sämtliche Landeskarten der Schweiz 1:25’000 bis 1:1 Mio. können an der ETH-Bibliothek ausgeliehen werden. Die Auswahl kann über Indexblätter vorgenommen werden, die Bestellung erfolgt im NEBIS-Katalog. Die Faltkarten haben eine Ausleihfrist von 14 Tagen.

Streiff-Becker, Rudolf. Panorama, Seegfrörni 1929. Schwarz-weiss Abzug 9 x 30 cm (Ans 972).
Vergangenen Montag ist das vorläufige Ende der kleinen Seegfrörni der laufenden Wintersaison eingezogen. Kleinseen wie der Katzensee in Zürich Nord waren genau zwei Tage zur Begehung freigegeben. Die tiefen Temperaturen vom 2. bis 18. Januar 2009 haben die Hoffnung auf ein Zugefrieren geweckt. Auch wenn dies in den ersten Januartagen nicht immer so wahrgenommen wurde, die Winter in den letzten Jahren sind immer wärmer geworden. Die Chancen für das Zufrieren von Seen stehen und standen nicht gut.
Zum letzten Mal gefror der Zürichsee im Winter 1963. Zuvor geschah dies in den Jahren 1829/30, 1880, 1891, 1895, 1907 und 1929. Für das Entstehen einer solchen Seegfrörni braucht es günstige klimatische Bedingungen. So sollte der Prozess der Abkühlung möglichst früh beginnen. Die Seegfrörni wird zudem durch kalte und kräftige Winde und durch klare Nächte gefördert. Ein See muss auf 4 Grad Celsius abkühlen, bevor er gefrieren kann. Erst wenn diese Temperatur über einen längeren Zeitraum erreicht ist, kann der See von oben her zufrieren. Wasser hat dann nämlich seine grösste Dichte und sinkt auf den Grund ab. Während kleinere Seen in kalten Wintern öfters gefrieren, kommt es bei grösseren Seen wie dem Zürichsee nur selten zu einer Seegfrörni. Im Winter 1962/63 war es so kalt, dass sogar der Bodensee gefror.
Das Panoramabild in Schwarz-weiss zeigt Schlittschuhläufer auf dem zugefrorenen Zürichsee während der Seegfrörni von 1929.
Links: Weitere Bilder der Seegfrörni des Zürichsees aus den Jahren 1891, 1929 und 1963 können im BildarchivOnline mit dem Stichwort „Seegfrörni” recherchiert und näher betrachtet werden.

Ausschnitt aus dem Vertragsentwurf zum prüfungsfreien Übertritt für Maturanden, der 1860 verschiedenen Kantonen zugestellt worden war (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, SR2, 1860, Trakt. 33)
Die aktuelle Diskussion um Fragen des Übertritts von Schülerinnen und Schülern kantonaler Mittelschulen an die ETH Zürich hat eine lange Geschichte. Seit der Gründung des Polytechnikums im Jahre 1855 sorgten die nationalen Normierungsbestrebungen der ETH hinsichtlich Rekrutierung und Selektion ihrer Studierenden immer wieder für Spannungen.
Ein frühes Beispiel sind die Bemühungen des Polytechnikums, in den 1860er Jahren mit ausgewählten Kantonen Verträge abzuschliessen, um Maturanden den prüfungsfreien Übertritt an die Hochschule zu ermöglichen. Diese Verträge waren – zusammen mit Eintrittsprüfungen und dem umstrittenen Vorkurs – Teil einer Strategie, Instrumente zur Regulierung der Schülerzahlen zu schaffen. Vertragsschulen mussten dabei allerdings detaillierte Vorgaben betreffend Inhalt und Terminplan ihrer Maturitätsprüfungen akzeptieren. Während für einige Kantonsschulen (z.B. Frauenfeld, Aarau, Genf) entsprechende Verträge zustande kamen, erteilten daher andere Kantone deutliche Absagen. So begründete etwa der Schulrat des Kantons St. Gallen seine abschlägige Antwort mit dem Hinweis, dass die Ausbildung nicht einseitig auf die Bedürfnisse einzelner Hochschulen ausgerichtet werden könne:
“Vor allem musste bei uns der Umstand ins Gewicht fallen, dass weitaus die geringste Anzahl der die technische Abtheilung der Kantonsschule Besuchenden an ein Polytechnikum übergehen. Daraus ergibt sich für uns die Nothwendigkeit, den technischen Unterricht unserer Anstalt so zu organisieren, dass er möglichst ein abgeschlossenes Ganzes bildet.” (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, SR 3, 1860, 334)
Individuelle Vereinbarungen wurden mit der eidgenössischen Regelung hinfällig, dass eine bestandene Matura generell den prüfungsfreien Zugang zu Universitäten und Hochschulen ermöglicht. Geblieben ist, dass der Spielraum an der Schnittstelle zwischen der spezifischen Bildungspolitik einer nationalen Hochschule und verschiedenster kantonaler Interessen immer wieder neu ausgehandelt werden muss.
Links: Zu den Vertragsschulen siehe Gugerli, David et al. Die Zukunftsmaschine. Konjunkturen der ETH Zürich 1855-2005, Zürich 2005, S. 62 ff. Quellenmaterial zur Geschichte der Hochschule findet sich in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek.
Band 1, Pl. 66, S. 182: Polléar [Ganesha]
Pierre Sonnerat (1748-1814) war ein französischer Naturforscher und Entdecker, der mehrere Reisen nach Südostasien unternahm. Von 1769 bis 1772 bereiste er die Philippinen und Molukken, von 1774 bis 1781 Indien und China. Seine Eindrücke publizierte er in Voyage à la Nouvelle-Guinée (1776) und dem hier vorliegenden zweibändigen Werk Voyage aux Indes orientales et à la Chine (1782). Die zahlreichen darin enthaltenen Illustrationen von Handwerk, Festlichkeiten, Riten, Götterbildern, Tieren und Pflanzen gehen auf Sonnerats eigene Zeichnungen zurück.
Anders als viele seiner europäischen Zeitgenossen bewunderte und achtete Sonnerat die reiche Kultur der Bewohner Asiens und wendete sich gegen den vorherrschenden Rassismus. Während er dem Niveau der Wissenschaft und Kultur der Chinesen zwar kritisch gegenüberstand, sah er im alten Indien nicht nur den Ursprung der Menschheit und der Kultur, sondern auch die Wiege aller Religionen. In Voyage aux Indes orientales et à la Chine legte Sonnerat einen umfangreichen Abriss der indischen Mythologie vor. In der Vielzahl der hinduistischen Götter sah er den Ausgangspunkt für die spätere Götterwelt der Ägypter, Griechen und Römer.
Die obige Abbildung zeigt den elefantenköpfigen Gott Ganesha. Dieser wird im Hinduismus als Beschützer des Heims und der Ehe verehrt. Er wird auch angebetet, wenn man Glück für den Weg oder eine Unternehmung braucht. Ganesha steht für Beginn und Veränderung, verbunden mit Schutz und Gelassenheit; er verkörpert Weisheit und Intelligenz. Zu seinen Angelegenheiten gehören die Poesie, Musik und Tanz, und er ist der Herr über die Wissenschaften.
Links:
Voyage aux Indes orientales et à la Chine kann im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt und im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden.
Wikisource Frankreich listet unter der Suche “Sonnerat Pierre” eine ganze Reihe seiner Werke online: http://fr.wikisource.org/wiki/Sp%C3%A9cial:Recherche?search=Sonnerat+Pierre. Für die Illustrationen aus Voyage aux Indes orientales et à la Chine wird auf Gallica verwiesen: http://fr.wikisource.org/wiki/Pierre_Sonnerat . Leider sind die Illustrationen in Gallica nur schwarzweiss.

Lageplan zum Vorprojekt für das Atomkraftwerk FHK an der ETH Zürich, 13.2.1957 (ARK-ETH01:1)
Seit 1930 werden die Gebäude der ETH Zürich durch ein Fernheizkraftwerk mit Wärme und Heisswasser versorgt. Als die Anlage 1956 an ihre Grenzen stiess, wurde die Suche nach einer neuen leistungsfähigeren Lösung lanciert. Der Direktor des Kraftwerks und ordentliche Professor für angewandte Elektrotechnik, Bruno Bauer, sprach sich für einen Atomreaktor aus. Zusammen mit namhaften Partnern aus der Privatwirtschaft wie die BBC (heute ABB), die Gebrüder Sulzer AG, oder die Escher Wyss AG wurde ein Konsortium gebildet. Geplant war der Bau eines kleinen Versuchskraftwerks in einer Kaverne an der Clausiusstrasse, direkt neben dem ETH Hauptgebäude. Weder der Schweizerische Schulrat noch der Zürcher Regierungsrat oder der Stadtrat äusserten Sicherheitsbedenken wegen eines Reaktors mitten in der Stadt. Alle drei Räte unterstützten die Pläne.
1959 reichte das Konsortium ein Gesuch um Bundessubventionen ein. Zeitgleich buhlten 2 weitere Projekte für Versuchsatomkraftwerke um die finanzielle Unterstützung des Bundes. Die Energie Nucléaire S. A. (Enusa) plante einen Westschweizer Reaktor und wurde von der Maschinenindustrie und den Elektrizitätsgesellschaften der Romandie unterstützt. Die ebenfalls als Aktiengesellschaft organisierte Suisatom wurde von den führenden Elektrizitätsgesellschaften der Schweiz finanziert. Die BBC sollte die Projektierung und Bauleitung übernehmen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Projekten ging es der Suisatom nicht um die Entwicklung eines eigenen Reaktors, sondern um die Erfahrungen im Betrieb eines bereits erprobten Reaktors.
In gut schweizerischer Manier suchte der Bundesrat einen Kompromiss und beschloss bloss 1 Projekt zu unterstützen. Dieses Projekt sollte Elemente aller 3 Eingaben enthalten. So wurde der Versuchsreaktor wie von der Enusa vorgesehen in Lucens (VD) nach den Plänen des ETH-Fernheizreaktors gebaut und nach dem Konzept der Suisatom betrieben.
Nach grossen Verzögerungen und obgleich viele Teilhaber – u.a. die Gebrüder Sulzer AG und die BBC – das Projekt verlassen hatten, wurde der Reaktor im Frühjahr 1968 dem Betrieb übergeben. Bereits im folgenden Januar kam es zu einem Kontrollverlust. Probleme mit dem Kühlsystem hatten zu einer partiellen Kernschmelze geführt. Damit war der schweizerische Traum vom selbst entwickelten Reaktor ausgeträumt.
Link: Die Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek besitzen mit dem Archiv zur Geschichte der Kernenergie in der Schweiz eine weltweit wohl einzigartige Sammlung von Akten und Medien zur Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie.