Logo Ethbib Spezialsammlungen Digital

24.12.2008

Johannes Hevelius: Selenographia (Danzig, 1647)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Tags: — Roland Lüthi @ 16:56

Fig. F: Johannes Hevelius bei der Arbeit in seinem Observatorium

Das Observatorium des polnischen Astronomen und Instrumentenbauers Johannes Hevelius (1611-1687) gehörte seinerzeit zu den besten Europas. Es war über die Dächer von drei nebeneinanderstehenden Gebäuden verteilt und mit mehreren Teleskopen bestückt. Das grösste davon hatte eine Länge von 45 Metern und war an einem 27 Meter hohen Mast aufgehängt. Das Observatorium beherbergte auch eine Druckpresse für die Herstellung von Kupferdrucken. Die meisten Platten für seine Publikationen stach Hevelius direkt während der Himmelsbeobachtung.

Selenographia sive Lunae descriptio gilt als Hauptwerk von Hevelius. Nach der Erfindung der ersten Teleskope im frühen 17. Jahrhundert war der Mond als erdnaher Himmelskörper ein beliebtes Studienobjekt für viele Astronomen. Mit Selenographia verfolgte Hevelius als erster das Projekt einer auf eigenen Beobachtungen basierenden genauen Kartographierung des Mondes. Das Buch enthält 133 Kupferstiche mit Ansichten des Mondes und Darstellungen der verwendeten astronomischen Geräte.

Die Selenographia wurde sowohl hinsichtlich des Druckbildes wie auch der Kupferstiche für die Gestaltung naturwissenschaftlicher Werke in den kommenden Jahrzehnten vorbildhaft. So orientierte sich u.a. Newtons Philosophiae naturalis principia mathematica an Hevelius’ Werk über den Mond.

Links:

Selenographia ist online via e-rara.ch.

Eine Rekonstruktion von Hevelius’ Observatorium ist hier zu finden (Website des Henry Buhl Jr. Planetarium in Pittsburgh, USA).

19.12.2008

Hermann Siegfried: Topographischer Atlas der Schweiz 1:25 000 & 1:50 000. Blatt 43, Kloten (1949)

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Carol Ribi @ 17:58

Flughafen Zürich, Ausschnitt aus der Siegfriedkarte, Blatt 43 (1949)

Das allgemein wachsende Bedürfnis bei Baubehörden, Industrie, Tourismus u.a. nach genauem Kartenmaterial hatte zur Folge, dass um 1867 unzählige Karten von Teilgebieten der Schweiz in grösserem Massstab als die Dufourkarte publiziert wurden. Auf Drängen des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) wurden vom Topographischen Büro unter der Leitung Hermann Siegfrieds die Originalaufnahmen-Blätter der Dufourkarte nach Revision und Ergänzung der noch fehlenden Kantone als neues Kartenwerk vollständig herausgegeben.

Das Kartenwerk Topographischer Atlas der Schweiz, auch Siegfriedkarte genannt, erfasste nach einheitlichen, 1868 vom Bund erlassenen Richtlinien die ganze Schweiz in zwei Massstäben 1:25 000 (Jura und Mittelland, Teile des Kt. Tessin) und 1:50 000 (Alpengebiete). 1901 wurde das Kartenwerk vollendet und umfasste 603 Einzelblätter, welche teils in Stein graviert, teils in Kupfer gestochen und in drei Farben gedruckt wurden. In den nach 1940 erschienenen Zusammensetzungen wurde der Wald grün, die Rebberge rot eingefärbt. Durch fortlaufende Neuausgaben bis Mitte der 40er-Jahre stieg der Umfang auf 4‘500 Blätter an.

Der Ausschnitt aus dem Blatt Kloten, das letzte erschienene Blatt 43 der Siegfriedkarte, zeigt Kloten nach dem Bau des Flughafens 1948.

Die Siegfriedkarte ist vor allem wegen der konsequent eingeführten Höhenlinien und Felszeichnungen sowie der dargestellten Hochgebirgstopographie bekannt. In unregelmässigen Perioden wurden die Blätter im Feld überprüft und nachgeführt. Dabei zeigten sich immer mehr Ungenauigkeiten, was zur Forderung nach neuen Landeskarten führte. Dieser Forderung wurde mit dem Kartengesetz 1935 stattgegeben. Die Siegfriedkarte wurde 1962 vollständig von der Landeskarte abgelöst.

In der Kartensammlung der ETH-Bibliothek befindet sich das Kartenwerk in verschiedenen Ausgaben: auf Papier beinahe vollständig, auf CD-Rom vollständig.

15.12.2008

Foto-Edition ETH-Bibliothek, Serie 1: Sport der 1950er-Jahre (Fotoarchiv Comet)

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Nicole Graf @ 9:00

Ballon-Wettfliegen, Zürich 1952. Schwarz-weiss Fotonegativ 5 x 11 cm. 8/265/2

 Ballon-Wettfliegen, Zürich 1959. Schwarz-weiss Negativ 5 x 11 cm. 8/265/2

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek verfolgt mit der neuen Foto-Edition das Ziel, fotografische Schätze aus seiner umfangreichen Sammlung als klassische Barytabzüge zu veröffentlichen. In Zusammenarbeit mit Hebtings Fotolabor sind pro Jahr ein bis zwei Editionen geplant.

Die Serie 1 umfasst 12 Schwarzweiss-Aufnahmen aus dem Archiv der Comet-Photo AG zum Thema Sport der 1950er Jahre. Die Sujets umfassen Klassiker wie den Grand Prix in Bern oder heute weniger bekannte Sportveranstaltungen wie das Wettfischen oder das Strassen-Omnium (Radrennen) in Zürich.

Die Foto-Edition ist limitiert auf 50 Exemplare pro Motiv. Die Fotografien sind klassische Handabzüge nach Originalnegativen auf Barytpapier, auf der Rückseite gestempelt, nummeriert und signiert.

Der Preis pro Originalabzug beträgt im Passepartout SFr. 370.- oder im Halbe-Magnetrahmen SFr. 540.-. Die Bilder können einzeln oder als ganze Serie in einer Sammler-Leinenkassette (SFr. 4’300.-) im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek (im Hauptgebäude der ETH Zürich) direkt bezogen werden.

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage der ETH-Bibliothek.

05.12.2008

Bibliothèque portative du voyageur (Paris, 1801-1806)

Filed under: Alte Drucke,Geistes- und Sozialwissenschaften,Linguistik, Literatur — Tags: — Roland Lüthi @ 7:28

rar7058_ruecken_4.jpg

Buchrücken der Bibliothèque portative

rar7058_weiss_3.jpg

Die geöffnete Bibliothèque portative

Die frühe Reisebibliothek in Buchform enthält 18 Miniaturbände von 92 mal 68 mm, die in einem tragbaren, mit Leder überzogenen Holzkasten wohlgeordnet untergebracht sind. Der Kasten sieht aus wie ein gewöhnliches altes Buch mit Ledereinband und kann mittels eines Druckknopfs im “Buchschnitt” geöffnet werden. Komplette Sets der Bibliothèque portative sollen angeblich bis zu 49 oder gar 63 Bände enthalten haben, sind aber äusserst rar.

Gedruckt wurde die Bibliothèque portative  in der auf Miniaturbücher spezialisierten Werkstatt von B. Fournier und Sohn in Paris. Die wenigen heute noch vorhandenen Exemplare lassen darauf schliessen, dass die Kunden in der Druckerei die Wahl der Autoren und den Umfang der Bibliothek selbst bestimmen konnten.

Die Sammlung Alte Drucke verdankt die Reisebibliothek dem grosszügigen Legat des deutschen Bankiers Dr. Max Doerner (1884-1959). Mit dieser Schenkung gelangten in den 60er Jahren rund 700 Bände Militaria, historische und kunsthistorische Werke, Werke zur Topographie und Geographie, sowie Werke der schönen Literatur in den Besitz der Sammlung.

Die 18 Bände unseres Exemplars setzen sich wie folgt zusammen: Bernis, Cardinal François-Joachim de Pierres de: Oeuvres; Montesquieu, Charles de Secondat: Considération sur les Causes de la Grandeur des Romains et de leur Décadence; Bernard, Pierre-Joseph: Oeuvres; Nevers, Gérard de: Histoires du petit Jehan de Saintré; Longus: Les Amours Pastorales de Daphnis et Chloé; Grécourt, Jean-Baptiste Joseph Willart: Oeuvres; Saint-Réal, Cesar de: Conjuration des Espagnols contre Venise; Piron, Alexis: Oeuvres choisies (2 Bände); Hamilton, Anthony: Mémoires du Comte de Grammont (2 Bände); Voltaire, François-Marie Arouet: Théatre (5 Bände) und La Pucelle D’ Orléans, sowie Gresset, Jean-Baptiste-Louis: Oeuvres Choisies.

Die Geschichte der Miniaturbücher geht weit zurück, so sind sie bereits unter den mittelalterlichen Handschriften anzutreffen. Das älteste gedruckte Miniaturbuch ist wohl ein Officium Beatae Virginis Mariae, das 1486 von Matthias Moravus in Neapel gedruckt wurde, und das 76 mal 51 mm misst.

Reisebibliotheken in Buchform waren vor allem im 17. und 18. Jahrhundert populär. In Frankreich besass Napoleon mehrere Exemplare, die er auf seine Feldzüge mitnahm.

Links:

Die Bibliothèque portative du voyageur kann im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt und im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden. 

Bilder der Bibliothèque portative können in E-Pics Alte Drucke näher betrachtet werden.

Materialien zum Donator Max Doerner finden sich in den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek. Das Nachlassverzeichnis ist über die E-Collection zugänglich: http://e-collection.ethbib.ethz.ch/eserv/eth:22283/eth-22283-01.pdf (PDF-Datei).

01.12.2008

Conrad Meyer: Planisphaerium Coeleste. Zürich 1681.

Filed under: Astronomie,Bestände — Tags: — Rudolf Mumenthaler @ 8:28

planisphaerium

Planisphaerium Coeleste. Cura Philomusi sculpsit Conrad Meyer. Tiguri 1681. Ans 2775:85 plan

Conrad Meyer (1618-1689) war ein bekannter Zürcher Kunstmaler und Kupferstecher. Nach seinen Lehrjahren, u.a. bei Matthäus Merian, betätigte er sich in seiner Heimatstadt mit Erfolg als Porträt- und Landschaftsmaler. Das Hauptgewicht seiner Arbeiten verlegte er dann auf die Kupferstecherei, wobei gegen tausend Radierungen auf ihn zurückgehen, u.a. die ersten Neujahrsblätter der Stadtbibliothek Zürich im Jahre 1645. Zudem besorgte er den Stich der Schweizerkarte von Johann Conrad Gyger (1657) und des vorliegenden Planisphaerium Coeleste (1681). Dieses gelangte über die Sammlung der Eidgenössischen Sternwarte in den Besitz der ETH-Bibliothek. Rudolf Wolf beschreibt das Werk in seinem Verzeichniss der Sammlungen der Zürcher-Sternwarte von 1878:

“Dieses in stereographischer Projection verzeichnete und von dem geschickten Maler und Kupferstecher Conrad Meyer von Zürich (1618-1689) gestochene, einen Fuss im Durchmesser haltende Sternkarte ist nicht nur für die Zeit ihres Entstehens [eine] recht schöne und sorgfältige Arbeit, sondern gewinnt auch noch dadurch an Interesse, dass die Cometen von 1577, 1585, 1596 etc., sowie die neuen Sterne von 1572, 1600 und 1604 in dieselbe eingetragen sind.”

Wolf, Verzeichniss S.5.

In Bildarchiv Online findet sich eine vergrösserbare Version des digitalisierten Bildes.

Powered by WordPress