Der Bronzekopf Ernst Eglis ist das Werk eines unbekannten türkischen Studenten von Rudolf Belling an der Bildhauerabteilung der Akademie der schönen Künste in Istanbul.
Büste Ernst Egli (1893-1974) © Foto: ETH Zürich Sammlung der Kulturgüter
Die Regierung der 1923 gegründeten türkischen Republik holte in den den folgenden Jahren gezielt ausländische Fachkräfte aus Wissenschaft und Kultur ins Land, um es von einem religiös geprägten Sultanat in einen säkularen europäischen Staat umzuformen. So wurde der in Wien aufgewachsene und ausgebildete Schweizer Ernst Egli als Chefarchitekt des türkischen Unterrichtsministeriums nach Ankara berufen zum Bau moderner Schulen und Unitversitäten. Zusätzlich reorganisierte er von 1930-35 als Leiter und Professor der Architekturfakultät an der Akademie der schönen Künste in Istanbul die Architekturausbildung. Damit wurde er zu einem der Begründer moderner türkischer Staatsarchitektur.
Der abstrakte Berliner Bildhauer Rudolf Belling (1886-1972) emigrierte aus Nazideutschland nach Istanbul, wo er ab 1937 an der Akademie der schönen Künste das Studium der Bildhauerei auf klassischer antiker Grundlage neu einrichtete und eine Generation von Bildhauern für den staatlichen Repräsentationsbedarf heranzog.
Gemäss den unpublizierten Erinnerungen Eglis lernten Architekt und Bildhauer sich im Zeitraum 1938 bis 1940 kennen. Die Erinnerungen erwähnen Belling später nicht mehr. Da Belling im April 1940 eine Ausstellung der Arbeiten seiner Schüler in Istanbul präsentierte und Egli im Herbst desselben Jahres in die Schweiz übersiedelte, ist die Porträtplastik wohl entsprechend dem bellingschen Lehrplan im dritten Studienjahr des ersten Ausbildungszyklus entstanden, etwa 1939/40. Die Skulptur gelangte zusammen mit dem wissenschaftlichen Nachlass Eglis, der an der ETH Zürich Städtebau gelehrt und sowohl in der Schweiz als auch erneut im vorderen Orient als Stadtplaner gewirkt hatte, 1975 in die ETH-Bibliothek.
Link:
Die Porträtplastik und der Nachlass Ernst Eglis befinden sich in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek Zürich.
Zürich und Umgebung, Ausschnitt aus der Dufourkarte, 1926
Die sogenannte „Dufourkarte“ (vermessen und herausgegeben auf Befehl der eidgenössischen Behörden, aufgenommen unter Aufsicht des Generals G.H. Dufour, Erstausgabe 1845–1865, Nachführung bis 1939) dokumentiert die Siedlungs- und Landschaftsentwicklung der modernen Schweiz im 19. Jahrhundert. Jahrhundertwerke wie das Linthwerk waren bereits abgeschlossen, andere noch nicht verwirklicht wie die Stauseen in den Alpentälern und die Flusskorrekturen von Aare und Rhein. Auf dem gezeigten Ausschnitt sieht man, wie zwischen der Stadt Zürich und den heutigen Aussenquartiere noch kilometerweit unbesiedelte Flächen liegen.
Auf der Basis der eidgenössischen und kantonalen Aufnahmen entstand die Dufourkarte, das erste amtliche Kartenwerk der Schweiz. Die Originalaufnahmen wurden im Massstab 1:25 000 (im Flachland) und 1:50 000 (im Gebirge) erstellt. Die Publikation erfolgte jedoch im Massstab 1:100 000, wobei das Gebiet der Schweiz auf 25 Blätter verteilt wurde. Karten im Massstab der Originalaufnahmen wurden ab 1870 unter der Bezeichnung „Siegfriedkarte“ herausgegeben. Die Dufourkarte wurde im Kupferstichverfahren hergestellt, zuerst erfolgte der Druck einfarbig, später 2- und 3-farbig.
Das meist hügelige und gebirgige Gelände wird auf der Dufourkarte mit Schattenschraffen dargestellt, wodurch es besonders plastisch erscheint. Diese so genannte „Schweizer Manier“ erntete viel Lob und brachte dem Topographischen Bureau mehrere internationale Auszeichnungen ein.
In der Kartensammlung der ETH-Bibliothek befindet das Kartenwerk in verschiedenen Ausgaben.
Das Kartenwerk kann via NEBIS recherchiert und im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden.

Lewis M. Rutherfurd: The Moon, New York, March 6, 1865. Albuminabzug, 53x43cm (Ans 2775:18 plan)
Lewis Morris Rutherfurd (1816-1892) – zum Teil findet sich auch die Schreibweise Louis M. Rutherford – war Anwalt, Astronom und Pionier der Astrofotografie. Er galt als praktisch veranlagter Wissenschaftler, der vor allem an neuen Instrumenten und ihrer Anwendung interessiert war, sich aber kaum durch Publikationen hervortat. Die neuen Geräte, u.a. ein Spektroskop, konstruierte er selbst oder liess sie unter seiner Aufsicht herstellen. Er konstruierte unter anderem das erste Teleskop für Astrofotografie, wobei er einen 29cm-Refraktor von Henry Fitz, einem befreundeten Hersteller von Teleskopen, einsetzte. Um die gewünschte Qualität der Bilder zu erreichen, waren verschiedene Verbesserungen und technische Innovationen nötig. Wegen der langen Belichtungszeit musste das Teleskop samt fotografischem Medium der Bewegung des Mondes nachgeführt werden. Zudem setzte Rutherfurd ein neues Trägermedium (Kolloidemulsion) für die Fotografien ein. Im Dezember 1864 war das erste fotografische Teleskop einsatzbereit. Das neue Verfahren ermöglichte Bilder des Mondes von bisher unerreichter Qualität. 1874 erhielt Rutherfurd die Rumford-Medaille der American Academy of Arts and Sciences für seine Verbesserungen der Prozesse und Methoden der astronomischen Fotografie.
Die Bilder von Mond, Sonne und Sternen entstanden im privaten Observatorium, das Rutherfurd im Garten seines Hauses in New York errichtet hatte. Die Aufnahme vom 6. März 1865 gilt als das beste Mondbild. Das Originalnegativ hatte einen Durchmesser von 1.7 Zoll und liess eine Vergrösserung bis auf 21 Zoll zu. Abzüge der Fotografie wurden kommerziell vermarktet. Seine Originalbilder vermachte Rutherfurd der Columbia University. Das Exemplar der ETH-Bibliothek gelangte mit der Sammlung Sternwarte in ihren Besitz. Rudolf Wolf schreibt in seinem Verzeichniss der Sammlungen der Zürcher-Sternwarte von 1878:
“Photographie des Mondes von Louis M. Rutherford. Von dem Verfertiger durch Vermittlung von Herrn Professor Clausius im Jahre 1865 geschenkt. Diese wundervolle Abbildung stellt den Mond nach einer von Herrn Rutherford 1865 III 8, also etwa am 12. Tage seines Alters, zu New-York gemachten, und sodann bis auf 53cm Durchmesser vergrösserten Aufnahme dar.” Wolf, Verzeichniss, S. 21
Ein zoombares Bild befindet sich im Bildarchiv Online. Einen ausführlichen Artikel über Rutherfurd hat Deborah Jean Warner geschrieben: Lewis M. Rutherfurd: Pioneer Astronomical Photographer and Spectroscopist. In: Technology and Culture, Vol. 12, No. 2 (Apr., 1971), pp. 190-216.


Seiten 130/131 und Seiten 132/133 mit der Beschreibung Konstantinopels (Istanbul). Seiten 131 und 132 wurden manuell ergänzt.
Tomaso Porcacchis L’isole piu famose del mondo ist eine unter vielen geographischen Beschreibungen des 16. Jahrhunderts und gehört zur Gattung der Isolarien (Inselbücher). Der Druck wäre wohl kaum erwähnenswert, wenn da nicht die Kuriosität der fehlenden und minutiös ersetzten Seiten wäre. Einer der Vorbesitzer hat sich offenbar über den Verlust einer Buchseite mit der Beschreibung Konstantinopels mitsamt Plan hinweggetröstet, indem er diese mit demselben Papier ersetzt und die fehlende Passage aus einem intakten Exemplar abgezeichnet und abgeschrieben hat. Erstaunlich dabei ist die Präzision, mit welcher der unbekannte “Restaurator” zu Werk gegangen ist.
Über den italienischen Historiker, Philologen und Geographen Tomaso Porcacchi (1530-1585) ist wenig bekannt. Ab 1572 publizierte er L’isole piu famose del mondo. Darin beschreibt Porcacchi neben den grossen europäischen Inseln wie Irland und Grossbritannien auch die kleinen Inseln in Mittelmeer und Ägäis, sowie die Inseln Amerikas und Asiens. Die zahlreichen Kupferstiche, die mit Schiffen und Seeungeheuern angereichert sind, stammen von Girolamo Porro. Die Stiche zirkulieren mittlerweile vor allem als lose Blätter im Antiquariatshandel (darunter wohl auch unser Plan von Konstantinopel). Sie sind sehr selten.
Links:
L’isole piu famose del mondo ist bestellbar über NEBIS (Einsicht im Lesesaal Spezialsammlungen).
Die entsprechende Passage über Konstantinopel kann in E-Pics Alte Drucke näher betrachtet werden.