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31.10.2008

Eidgenössisches Turnfest 1963

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Tags: — Nicole Graf @ 15:05

Turnfest

Luzern (Kanton Luzern). Eidgenössisches Turnfest 1963. Schwarz-weiss Fotonegativ 13 x 18 cm. 63/1047

Das Luftbild zeigt die Allgemeine Übung am 66. Eidgenössischen Turnfest in Luzern vom 27.–30. Juni 1963. Die Allgemeinen Übungen waren bis 1984 das Massenereignis der Eidgenössischen Turnfeste. Ursprünglich turnte ein Vorturner ad hoc Übungen vor, freiwillig wurde mehr schlecht als recht nachgeturnt. Ab 1865 wurde zu Musik geturnt, damals waren nur gerade 250 Turner daran beteiligt, im Jubiläumsjahr 1932 waren es bereits 16‘000. Seit 1991 sind Grossraumvorführungen an die Stelle der Allgemeinen Übungen getreten.

Am 66. Eidgenössischen Turnfest haben rund 31‘500 Turner teilgenommen, am Frauenturntag 17‘000 Frauen. Wegen Regenschauer musste die Allgemeine Übung der Frauen abgesagt werden, die Männer hatten eine Woche später besseres Wetter. Das Turnfest findet alle sechs Jahre statt, das 75. Turnfest ist geplant für 2013 in Biel.

Die Wurzeln der nationalen Turnfeste und des Schweizerischen Turnvereins liegen bei den Akademien in Zürich, Bern sowie der Universität Basel, die ab 1816 Turnvereine gründeten. Diese Turnvereine standen allmählich auch Nichtakademikern offen. Die 1830er-Jahre waren eine Zeit nationalstaatlicher Ideen und nationaler Vereinigungen: so fand 1832 das erste Schweizerische Turnfest in Aarau statt, ein Jahr später wurde der Schweizerische Turnverein gegründet.

Eidgenössische Turnfeste waren, wie alle Eidgenössischen im 19. Jahrhundert, Feste des männlichen liberalen Bürgertums. Seit 1932 wurden die Schweizerischen Frauenturntage jeweils eine Woche vor dem Fest der Männer abgehalten, dies blieb bis 1991 so. Während die Männer damals die Frauen in ihr Fest integrieren wollten, forderten die Frauen mit „Rücksicht auf die Psyche der Frauen“ ein eigenes Fest. Ein Jahr nach Einführung des Frauenstimmrechts (1972) kam es zum „Experiment mit Wettkämpfen“ bei den Frauen: Erstmals gab es nämlich bei Gymnastik, Spielen, Stafettenläufen und Leichtathletik auch Ranglisten und Preise.

Das Luftbild ist Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo des Bildarchivs der ETH-Bibliothek. Es ist – wie andere Bilder der Comet Photo AG – in digitaler Form über Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Das abgebildete Luftbild ist unter der Signatur Com_F63-01047 zu finden.

24.10.2008

Beziehungen gekonnt genutzt. Brief Richard Wagners an Gottfried Semper. Zürich, 14.8.1854 (Hs 09:6)

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände — Tags: — Michael Gasser @ 7:44

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Vor- und Rückseite des Briefs von Richard Wagner an Gottfried Semper. Zürich, 14.8.1854 (Hs 09:6)

Richard Wagner kannte Gottfried Semper aus ihrer gemeinsamen Zeit in Dresden. Der Komponist inszenierte mit grossem Erfolg seine Werke in dem 1841 fertig gestellten königlichen Hoftheater, mit dem Semper seinen internationalen Ruf als herausragender Baumeister begründet hatte. Nach der Niederschlagung der Dresdner Maikämpfe von 1849, an denen sich Wagner und Semper beteiligt hatten, mussten allerdings beide die Stadt verlassen. Wagner ging nach Zürich, Semper via Paris nach London. Aus Zürich erreichte Semper im August 1854 der abgebildete Brief Wagners:

Lieber Freund!
Soeben frägt man bei mir an, ob Sie an der neu zu errichtenden eidgenössischen polytechnischen Schule die Stelle als Professor der Baukunst annehmen würden? Ich konnte, da Sie in London gut versorgt wären, wenig Hoffnung machen, versprach aber, Ihnen die Anfrage mitzutheilen, wozu mich noch die Versicherung meines Freundes, Regierungsrath Sulzer bestimmte, der mir sagte, dass die Ihnen angetragene Stelle besondere Vortheile böte: ausser 4000 fr Gehalt fielen nicht unbedeutende Collegien-Gelder, vor allem aber würden Sie dadurch zur obersten Autorität in Bauwerken für die ganze Schweiz, was Ihnen Aufträge und Einkünfte von nicht geringer Bedeutung einbringen würde. – Hätte es nun mit Ihrer Londoner Stellung irgend einen geheimen Hacken, der Ihnen dieselbe verleide, so zögen Sie am Ende das Schweizer Anerbieten doch in Betracht.
Ich melde Ihnen daher alles – zwar mit wenig Hoffnung – aber mit dem sehr eigensüchtigen Wunsche, dass es Ihnen in London nicht gefiele: denn Sie hier zu haben sollte mich ungeheuer freuen.
Ich lebe sehr – arbeitsam: mit der Musik zum Rheingold bin ich fertig, die Walküre ist angefangen. Ohne Ihre Hülfe kann ich dereinst an keine Aufführung denken.
Schreiben Sie mir doch ja, damit man auch etwas von Ihnen erfährt.
Ihr Richard Wagner

Dieser Brief ist ein prominentes Beispiel für den Einsatz von Netzwerken bei der Besetzung der Professuren des neu gegründeten Polytechnikums. Auf Basis der gesetzlichen Grundlagen machten sich 1854/55 der erste Polytechnikumsdirektor, Joseph Wolfgang von Deschwanden, und der fünfköpfige Schulrat an den konkreten Aufbau der neuen Schule. Es mussten Räumlichkeiten bereit gestellt, Professoren angestellt, Reglemente und Lehrpläne ausgearbeitet werden. Um sich als frisch gegründete Lehranstalt erfolgreich in der internationalen Bildungslandschaft zu positionieren, wurde dabei bewusst versucht, sich auf verschiedenen Ebenen einen Konkurrenzvorteil zu verschaffen. Wichtiger Bestandteil dieser Anstrengungen war die Berufung von bekannten Persönlichkeiten als Professoren.

Die Stellen wurden zwar offiziell ausgeschrieben, wichtiger für deren Besetzung war aber der diskrete Einsatz von Beziehungen. In den frühen Schulratsprotokollen finden sich viele Spuren dieser Berufungspolitik. Deschwanden und die Mitglieder des Schulrats, dem u.a. auch Alfred Escher angehörte, nutzten ihre vielfältigen Beziehungen im In- und Ausland, um mit geeigneten Kandidaten in Kontakt zu treten. So wurde etwa am 24.8.1854 der Zürcher Architekt Johann Jakob Breitinger angefragt, ob er dank seiner “Connexionen” in Erfahrung bringe könne, ob Gottfried Semper bereit wäre, aus seinem Londoner Exil als Architekturprofessor nach Zürich zu kommen. Der Brief Wagners an Semper zeigt aber, dass auch Beziehungen ins Spiel gebracht wurden, die in den offiziellen Akten des Schulrats nicht greifbar werden. Im Falle Gottfried Sempers führten die vielfältig genutzten Verbindungen zum Ziel: Er nahm mit dem Schulrat Verhandlungen auf und wurde schliesslich am 7. Februar 1855 vom Bundesrat zum Professor ernannt.

Links:
Der Nachlass Sempers befindet sich im Archiv gta. Ergänzende Dokumente finden sich in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek.

17.10.2008

Franz Schmid: Malerischer Plan der Stadt Zürich (Zürich, 1846)

Filed under: Architektur,Kartensammlung — Tags: — Rudolf Mumenthaler @ 7:26

malerischer Plan

Ausschnitt aus: Malerischer Plan der Stadt Zürich und ihrer Umgebungen / dessiné par F. Schmid ; gravé par Appert. Zürich : Matthieu, 1979. Originalausgabe: Zürich, Leuthold [1846].

Die Kunsthandlung Hans Felix Leuthold gab 1846 den von Franz Schmid gezeichneten “malerischen Plan der Stadt Zürich und ihrer Umgebungen” heraus. Schmid (1796-1851) stammte aus Schwyz und war einer der bedeutendsten Panoramenzeichner seiner Epoche. Nach einer Lehre als Landschaftszeichner in Neuchâtel machte er sich als begabter Künstler einen Namen. Zu seinen Hauptwerken zählen ein 360° Rundpanorama von Zürich (1825/26) sowie eine Panorama-Ansicht der Stadt Zürich vom Hotel Baur (1839), die als Werbeprospekt des Hotels unter dem Titel “Panorama du lac de Zurich dessiné depuis l’Hôtel Baur” veröffentlicht wurde.
Die Ansicht von Zürich zeigt eine Stadt im Umbruch. Die alten Festungswerke und Schanzen sind verschwunden. Bereits sind die aufgeschütteten Quais auf der rechten Limmatseite zu sehen oder der 1840 fertig erstellte Hafen. Auch neuere öffentliche Gebäude, wie das Kantonsspital, das Pfrundhaus St. Leonhard, die Blinden- und Taubstummenanstalt oder die Kantonsschule sind zu sehen. Der Hauptbahnhof der Schweizerischen Nordbahngesellschaft wurde noch im letzten Moment – er wurde erst 1847 fertig gebaut – in die Kupferplatte eingefügt. Auf dem gezeigten Ausschnitt fällt jedoch besonders auf, dass die Anhöhe Rämi-Tanne-Strasse noch weitgehend unbebaut ist. Hier, also im Grünen über der Innenstadt, sollte dann 15 Jahre später das Hauptgebäude des Polytechnikums erbaut werden. Bei der Gründung 1855 war das Polytechnikum noch in der Hochschule am Fröschengraben (heute: Bahnhofstrasse) untergebracht.

Ein Nachdruck des Plans ist 1979 im Verlag Mathieu herausgegeben worden und befindet sich unter der Signatur Signatur:  K 801009  in der Kartensammlung. Er kann via NEBIS http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000467126 bestellt werden.

10.10.2008

Heinrich Siegfried: Vue générale de Zurich prise au dessus de l’Observatoire. [Zürich, ca. 1870].

Filed under: Architektur,Bildarchiv,Geographie und Karten — Tags: — Rudolf Mumenthaler @ 7:34

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Ansicht von Zürich von der Eidgenössischen Sternwarte aus gesehen .

Die Ansicht zeigt das neu errichtete Polytechnikum aus einer ungewohnten Perspektive. Der Zeichner und Aquatintastecher Heinrich Siegfried (31.12.1814-22.7.1889) stammte aus Wipkingen-Zürich. Nach einer Lehre beim Verlag Dickenmann widmete er sich dem Zeichnen nach der Natur und unternahm dafür ausgedehnte Wanderungen. Später verlegte er sich auf die Kupferstecherei und fertigte zahlreiche Platten in Aquatinta an, meist Ansichten aus verschiedenen Teilen der Schweiz. 1860 und 1875 stach er zwei grosse Platten “Zürich von der Weid aus”, die im Verlag H. Appenzeller gedruckt wurden. (Quelle: Schweizerisches Künstler-Lexikon, 3. Band, Frauenfeld 1913, S.153.) Die vorliegende Ansicht dürfte aus derselben Zeit stammen.

Der Stich zeigt im Vordergrund prominent das Gebäude des Polytechnikums. Es wurde 1859-64 nach Plänen von Gottfried Semper durch den Zürcher Kantonsbaumeister Johann Caspar Wolff erbaut. Aufgenommen wurde die Zeichnung von der Eidgenössischen Sternwarte aus, ebenfalls einem Semper-Bau, der 1864 eröffnet worden war. Die ungewohnte Perspektive aus Osten verdeutlicht, dass das Polytechnikum praktisch im Grünen erbaut wurde. Dem Haupttrakt vorgelagert ist das Chemiegebäude. Noch fehlt das Kollegiengebäude der Universität auf dem Bild, das erst 1914 errichtet wurde. Zuvor war die Universität noch im Südflügel des Polytechnikums untergebracht. Der gesamte Ostflügel wurde dann beim Umbau durch Gustav Gull (1915-1924) komplett umgestaltet: das Chemiegebäude wurde entfernt, die heute markante Kuppel und das Auditorium Maximum mit dem neuen Eingangsbereich wurden geschaffen. Zudem wurden zwei Seitenflügel in Richtung Rämistrasse gebaut.

Links:

Die “Vue générale de Zurich prise de l’Observatoire” ist Bestandteil der Ansichtensammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek. Sie ist – wie zahlreiche weitere Ansichten des ETH-Hauptgebäudes auch – in digitaler Form über Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Die abgebildete kolorierte Version ist unter der Signatur Ans_03501 zu finden. Eine andere, unkolorierte,  Version des Stichs ist unter der Signatur Ans_02748 zu finden.

03.10.2008

Johann Bayer, Uranometria: omnium asterismorum continens schemata (Augsburg, 1603)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Tags: — Roland Lüthi @ 9:19

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 Tabula Secunda: Ursa Major [Sternbild Grosser Bär]

Der Himmelsatlas des deutschen Astronomen und Juristen Johann Bayer (1572-1625) setzte neue Massstäbe in der Geschichte der Himmelskartographie. Die Karten zeigen die präzisen Positionen der Fixsterne und sind zugleich von einer aussergewöhnlichen Schönheit. Der Atlas enthält 51 doppelseitige Himmelskarten (49 Konstellationen und zwei Hemisphären). Die Uranometria ist der erste Himmelsatlas, in dem die Sternbilder über dem Südpol verzeichnet sind: Paradiesvogel, Pfau, Tukan, Kranich, Phönix, Kleine Wasserschlange, Chamäleon, Fliege, Fliegender Fisch, Schwertfisch, Südliches Dreieck und Indianer.

Die grosse Leistung Bayers lag in der Vereinheitlichung der bislang uneinheitlichen und verwirrenden Bezeichnungsweise der einzelnen Fixsterne. Er löste das Problem, indem er die 1’300 Sterne aus Tycho Brahes Sternenkatalog mit den 24 Buchstaben des griechischen Alphabets versah. Die Reihenfolge orientierte sich dabei im Wesentlichen an der Helligkeit der Sterne. Eine Sternbezeichnung nach Bayer enthält einen griechischen Vor- und einen lateinischen Familiennamen (z.B. “Alpha Centauri”). Jüngere Sternkataloge haben die Bayer-Klassifikation wieder fallen gelassen und sind zur blossen Nummerierung der Sterne übergegangen. Dennoch greifen Astronomen noch heute gerne auf Bayers Bezeichnungen zurück.

Links:

Uranometria (Augsburg 1606) im Bibliothekskatalog NEBIS

Die Ausgabe von Ulm 1723 im Bibliothekskatalog NEBIS

Einzelne Bilder aus der Uranometria in E-Pics Alte Drucke

Digitalisierte Ausgabe bei Linda Hall Library

01.10.2008

Charles Lasteyrie du Saillant: Collection de machines, d’instrumens, ustensiles, constructions, appareils, etc. (Paris, 1820-1821)

Filed under: Agrar- und Forstwissenschaften,Alte Drucke — Tags: — Roland Lüthi @ 6:44

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 Lithographie aus Tome 2, Animaux, Planche 3

Der vollständige Titel dieses zweibändigen Drucks lautet Collection de machines, d’instrumens, ustensiles, constructions, appareils, etc. employés dans l’économie rurale, domestique et industrielle d’après les dessins faits dans diverses parties de l’Europe par le comte de Lasteyrie. Die Länge des Titels ist zugleich Programm dieser umfangreichen Kollektion von Landwirtschaftlichen Geräten. Der Verwendungszweck vieler der abgebildeten Gegenstände erschliesst sich für den landwirtschaftlichen Laien wie bei der oben abgebildeten Schneckenzucht oftmals erst durch die Lektüre der Bildlegende. So lauten die Legenden zum obigen Bild: Fig. I. Limaçonnière (Schneckenzucht); Fig. 2. Parc de Moutons dressé avec des filets (Schafgehege); Fig. 3. und 4. Huche à conserver le poisson (Kasten für die Konservierung von Fischen); Fig. 5. und 6. Limaçonnière construite dans la terre (in die Erde eingelassene Schneckenzucht).

Charles Philibert Lasteyrie du Saillant (1759-1849) war ein französischer Ökonom und Lithograph, den seine zahlreichen Reisen unter anderem auch in die Schweiz führten. Er war begeistert von der noch jungen Technik der Lithographie. Im Wald von Montmorency fand er einen feinkörnigen Kalkstein, den er mit Erfolg für seine Lithographien verwendete. 1816 eröffnete Lasteyrie in Paris das erste Lithographenatelier in Frankreich, wo er neben eigenen Projekten Bilder von Carle Vernet und die ersten Werke von Nicolas-Toussaint Charlet druckte.

Links:

Collection de machines ist in NEBIS bestellbar und kann im Lesesaal der Spezialsammlungen betrachtet werden.

Der Druck ist online via Conservatoire numérique des Arts & Métiers. Bemerkenswert daran ist die Verlinkung durch die Bibliotheque Nationale de France (BNF): Wer das Werk auf deren Plattform für digitalisierte Drucke Gallica sucht, wird an das Conservatoire numérique des Arts & Métiers weitergeleitet, wo der Druck digital vorliegt. Es wäre sehr erfreulich, wenn auch andere Bibliotheken ihre Digitalisate so untereinander verlinken würden.

Bilder aus Collection des machines sind in E-Pics Alte Drucke vorhanden.

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