
Le Mouvement, Fig. 165 – Mouvements des Pattes d’une Crevette
Tanzende Crevetten sind in der Arbeit des französischen Physiologen und Erfinders Etienne-Jules Marey (1830-1904) ebenso anzutreffen, wie sich räkelnde Seesterne und sanft dahinschwebende Seepferdchen. Diese Bilder machen die Lektüre von Mareys wissenschaftlichen Publikationen zu einem ästhetischen Erlebnis.
Marey forschte auf den Gebieten von Kreislaufphysiologie, Bewegung von Körpern und Aeronautik. Um Bewegungsabläufe festzuhalten, bediente er sich der von ihm erfundenen graphischen Methode und später der Fotografie und Kinematografie. Als Erfinder der Chronofotografie entwickelte er neue Gerätschaften wie etwa das “fotografische Gewehr”, welches das Fotografieren von im Raum bewegten Objekten erlaubte.
In Le Mouvement präsentierte Marey Erkenntnisse, die er seit den 1860er Jahren in seinen Studien über die Bewegungsabläufe bei Mensch und Tier gewonnen hatte. Darin abgebildet findet sich eine Vielzahl von kuriosen Apparaturen, die er entwickelte, um Bewegungen aufzuzeichnen, zu messen und zu analysieren. Marey betrat dadurch nicht nur wissenschaftliches Neuland, sondern schuf eine radikal neue Ikonografie, die bei der künstlerischen Avantgarde des zwanzigsten Jahrhunderts ein grosses Echo fand.
Die in der Sammlung vorhandene Erstausgabe des Drucks ist auf dem vorderen Deckblatt vom Autor signiert.
Links:
Einzelbilder aus Le Mouvement sind in E-Pics Alte Drucke vorhanden.
Marey auf Wikipedia
Marey’s Flip Book
Literatur:
Die wichtigsten Texte Mareys sind in der ETH-Bibliothek vorhanden und über NEBIS bestellbar. Viele davon sind bereits online zugänglich, zum Beispiel bei Gallica oder über das Max Planck Institute for the History of Science, Berlin.

Brief von Albert Einstein an Conrad Habicht. Bern, 18. Mai 1905 (Hs 1457:20). Albert Einstein kündigt in einem Brief an seinen Freund Conrad Habicht vom Mai 1905 mehrere Arbeiten an, die nächstens veröffentlicht werden sollen:
„… Ich verspreche Ihnen vier Arbeiten dafür, von denen ich die erste in Bälde schicken könnte, da ich die Freiexemplare baldigst erhalten werde. Sie handelt über die Strahlung und die energetischen Eigenschaften des Lichtes und ist sehr revolutionär, wie Sie sehen werden, wenn Sie mir ihre Arbeit vorher schicken. Die zweite Arbeit ist eine Bestimmung der wahren Atomgrösse aus der Diffusion und inneren Reibung der verdünnten flüssigen Lösungen neutraler Stoffe. Die dritte beweist, dass unter Voraussetzung der molekularen Theorie der Wärme in Flüssigkeiten suspendirte Körper von der Grössenordnung 1/1000 mm bereits eine wahrnehmbare ungeordnete Bewegung ausführen müssen, welche durch die Wärmebewegung erzeugt ist; [...] Die vierte Arbeit liegt erst im Konzept vor und ist eine Elektrodynamik bewegter Körper unter Benützung einer Modifikation der Lehre von Raum und Zeit;…“
Das Jahr 1905 wurde für Einstein zum „annus mirabilis“. Er schrieb insgesamt fünf bedeutende Arbeiten zu drei Themenkreisen, namentlich über die Realität und Grösse der Atome, über Lichtquanten und die Spezielle Relativitätstheorie. Vier der Arbeiten erwähnt er in seinem Brief an Conrad Habicht. Die zündende Idee zur Speziellen Relativitätstheorie kam Einstein im Mai 1905 in einem Gespräch mit Michele Besso in Bern. In den folgenden sechs Wochen verfasste er jenen Aufsatz, der drei Monate später in den „Annalen der Physik“ unter dem unauffälligen Titel „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ erschien und die Physik sowie die gängigen Vorstellungen von Raum und Zeit revolutionieren sollte.
Der Brief (Pdf) ist online veröffentlicht und Bestandteil des Angebots Einstein Online. Im Rahmen des Jubiläums zu 100 Jahren Relatvitätstheorie hat die ETH-Bibliothek alle Originaldokumente von Albert Einstein aus Korrespondenzen und dem Schulratsarchiv der ETH Zürich digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht.