ETHeritage
Highlights aus den Sammlungen und Archiven der ETH-Bibliothek

29.08.2014

Licht, Farbe und etwas Magie…

Filed under: *Bestände,Graphische Sammlung,Kunstgeschichte,Philosophie, Theologie — Tags: — Konstanze Forst-Battaglia @ 7:00

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Annelies Štrba, Madonna 31, 2014, Pigmentdruck auf Leinwand

 

Die Schweizer Künstlerin Annelies Štrba (*1947) wurde bereits in frühester Kindheit in den Bann der Muttergottes-Darstellungen gezogen. Obwohl sie selbst nie religiös erzogen wurde, waren es immer kleine Kirchen und Kapellen, die eine besondere Anziehungskraft auf sie ausübten. Stunden verbrachte sie dort und bewunderte sie: Madonna. Ihre Eltern sollten nie davon erfahren. Dieses Geheimnis gehörte nur ihr.

Annelies wurde erwachsen und lernte den Schweizer Schmuckkünstler Bernhard Schobinger kennen. Gemeinsam bekamen sie drei Kinder: Linda, Sonja und Samuel. Das Familienleben gestaltete sich zeitweise recht turbulent: Zwischen Künstlerwelten und Punkszene zu Hause, fand sie jedoch in der Fotografie eine Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, die Zeit zu entschleunigen, Momente festzuhalten, für sich zu sein, vielleicht sogar Vergangenes in die Gegenwart zurückzuholen. Ihre Kinder standen dabei immer Zentrum. Sie sind die Hauptprotagonisten ihrer ersten Schaffenszeit und sollten für ihren gesamten künstlerischen Werdegang wesentlich bleiben.

Vor etwa sieben Jahren wurde Annelies Štrba von einer Lungenentzündung eingeholt. Eine Kur in Seelisberg sollte ihr dabei helfen ihren Körper wieder in Einklang zu bringen. Von ihrem Zimmer aus hatte sie stets freien Blick auf die dortige Kirche. Täglich ging sie hin und besuchte sie: die Madonnen. Fand die Künstlerin damals wieder zu sich? Waren es die beruhigenden Kindheitserinnerungen, die beim Anblick der Mariendarstellungen wachgerufen wurden? Annelies Štrba wurde gesund, doch ihre neu entdeckte Faszination für Madonna blieb. Wo auch immer sie nun hinkommt, fotografiert sie Madonnen in Kirchen, Kapellen, Museen und unterzieht sie anschliessend einer geheimnisvoll anmutenden Verwandlung. Dabei greift Štrba nicht zu Farbe und Pinsel, sondern bedient sich des Computers als unentbehrliches Zauberwerkzeug bei der Erschaffung ihrer „Lichtmalereien.“ Ihre Arbeiten sind das Ergebnis eines freudvollen Experimentierens mit Verfremdungen, Verzerrungen und dem Vordringen in ungewöhnliche, neuartige Farbwelten. Wenngleich die Madonnen losgelöst von ihrem eigentlichen religiösen Kontext erscheinen, ist die Künstlerin stets darum bemüht deren transzendente Aura zu bewahren. Für Štrba ist Maria Urbild aller Frauen und Mütter, Symbol für das Weibliche schlechthin; sie ist Ikone im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Die Madonnen von Annelies Štrba sind bis 19. Oktober 2014 im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Annelies Štrba. Madonnen“ in der Graphischen Sammlung der ETH zu bewundern.

 

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26.08.2014

Vom Joghurt zur Kunst

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 6:00

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Produktionsstrasse in der ehemaligen Toni-Molkerei, September 1966 (Com_L15-0575-0122)

Während viele von uns in den Sommerferien weilten, fand im Toni-Areal in Zürich-West eine riesige Umzugsaktion statt. Die Zürcher Hochschule der Künste ZHdK zügelte aus 35 Standorten ins Toni-Areal, wo am 16. September mit Beginn des Herbstsemesters der Betrieb neu aufgenommen wird. Am 25. Oktober soll dann das neue Domizil mit einem grossen Fest eingeweiht werden.

Die 1977 erbaute ehemalige Verbandsmolkerei und spätere Toni- Joghurtfabrik wurde vom Architekturbüro EM2N unter grossem Aufwand umgebaut und beherbergt neben Unterrichts- und Ausstellungsräumen auch Konzertsäle, ein Kino und eine Bibliothek. Wo früher Lebensmitteltechnologen auf dem Fliessband vorbeifahrende Milchflaschen betrachteten, wird zukünftig Videokunst, Malerei und Musik kreiert. Da auch Joghurt etwas mit Kultur und Fermentierung zu tun hat, steht die neue Brutstätte der Kultur im quirligen Zürich-West sicher am richtigen Ort. Wir wünschen der ZHdK auf jeden Fall gutes Gedeihen in den neuen Räumen.

Link:

ZHdK auf dem Toni-Areal

 

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24.08.2014

“Home is where you feel at home. I’m still looking.” Zum 30. Todestag von Truman Capote (30.9.1924-25.8.1984)

Filed under: Bildarchiv,Linguistik, Literatur — Roland Lüthi @ 6:00

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Truman Capote bei der Ankunft in Zürich Kloten, vermutlich 1956 (Com_L05-0048-0027)

Der viel- und weitgereiste amerikanische Schriftsteller Truman Capote weilte in den 50er und 60er- Jahren mehrfach in der Schweiz. Das obige Bild zeigt ihn bei der Ankunft in Zürich Kloten, vermutlich im Jahr 1956. Der Fotograf der Agentur Comet dachte damals leider nicht an das Archivpersonal, welches seine Fotos in der fernen Zukunft verwalten würde. So steht denn auf dem Umschlag mit den Negativen lediglich: „Truman Capote in Klosters + Zürich/Gerber/Negativ-Kartei Nr. L5/48“. Wir wissen nun wenigstens den Namen des Fotografen (Hans Gerber) und können aufgrund der Nummerierung der Negativtasche das Jahr 1956 als ungefähres Entstehungsjahr des Bildes festlegen, allein der genaue Zweck von Capotes Reise nach Zürich bleibt im Verborgenen.

In der umfangreichen Capote-Biographie von Gerald Clarke findet sich zwar kein konkreter Hinweis auf einen Aufenthalt Capotes in Klosters im Jahr 1956, wohl aber die Erwähnung mehrerer Besuche bei Charles Chaplin und Oona o‘ Neill in Verbier zwischen 1953 und 1973. Das fragliche Jahr 1956 war für Capote besonders reich mit Reisen befrachtet. So reiste er am 19. Dezember 1955 von Berlin über Leningrad nach Moskau, wo er am 10. Januar 1956 der Premiere von George Gershwins Porgy and Bess beiwohnte. Ende Februar kehrte er zurück nach New York, hätte also vorher gut einen Abstecher nach Zürich und Klosters machen können. Aus New York reiste er alsbald wieder ab und begab sich nach Venedig, wo er bei Peggy Guggenheim logierte. Schon Anfang Mai war er wieder in Manhattan und bereits Mitte Juni verlegte er seinen Haushalt vorübergehend ans Meer nach Stonington (CT). Das Jahr endete mit einer längeren Reise nach Japan, Hongkong, Thailand und Kambodscha.

Literatur:

Gerald Clarke: Truman Capote; Eine Biographie (München, 1990)

 

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22.08.2014

„Swissair Luftbilder“ – Bilderwelten No. 4 zeigt die Schweiz von oben

Filed under: *Bestände,Bildarchiv — Tags: , — Michael Gasser @ 7:00

Cover "Swissair Luftbilder"

In der Schweiz verhalf der Flugpionier Walter Mittelholzer (1894–1937) dem Luftbild zum Durchbruch. Machte der gelernte Fotograf als Mitglied der kleinen Schweizer Fliegertruppe im Ersten Weltkrieg noch Luftaufnahmen zu Aufklärungszwecken, entstand daraus nach dem Krieg ein Geschäftsmodell. Die Bilder von Ortschaften, Landstrichen oder einzelnen Gebäuden aus der damals ungewohnten Vogelperspektive verkauften sich gut. Als 1931 aus der Fusion von Mittelholzers Ad Astra Aero AG und der Balair die Swissair entstand, vermarktete ab 1934 die Tochterfirma Swissair Photo AG jahrzehntelang Luftaufnahmen.

Der neu erschienene Band „Swissair Luftbilder“ gibt Einblick in den rund 135‘000 Aufnahmen umfassenden Bestand an Luftaufnahmen der Swissair, der seit 2012 vom Bildarchiv der ETH-Bibliothek betreut wird. Im einleitenden Text gibt der Historiker Ruedi Weidmann nicht nur einen Überblick über die Entwicklung der Luftbildfotografie. Er geht auch der spannenden Frage nach, welchen Einfluss die Perspektive der abstrahierenden, Luftbild gestützten Vermessung auf markante Prozesse wie Flurbereinigung, Siedlungswachstum und Infrastrukturbau ausübten, welche die Schweiz vor allem in den Nachkriegsjahrzehnten deutlich prägten. Die Luftbildfotografie dokumentiert nicht nur Wandel, sie ist über ihre Vermessungen selbst daran beteiligt.

Die faszinierenden Luftaufnahmen im umfangreichen Bildteil illustrieren die ganze zeitliche und thematische Breite des Swissair-Luftbildbestand. Senkrecht- und Schrägaufnahmen in Schwarz-Weiss und in Farbe laden zum Entdeckungsflug über die Schweiz ein.

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Bremgarten (AG) an der Reuss, 1919 (Bildarchiv, LBS_MH01-000231-01, Ausschnitt)

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Cupfinal am Ostermontag 1973 im Wankdorfstadion in Bern. (Bildarchiv, LBS_R1-734409, Ausschnitt)

Die Publikation „Swissair Luftbilder“ ist im Buchhandel erhältlich oder kann direkt beim Verlag Scheidegger & Spiess bestellt werden.

Ausstellungshinweis

Das Museum im Bellpark in Kriens zeigt unter dem Titel “Switzairland. Ein Porträt aus der Vogelperspektive” (24.8. bis 2.11.2014) ebenfalls Aufnahmen aus dem Bestand des Swissair-Luftbilder.

Link
Über die Plattform BildarchivOnline sind zahlreiche Luftbilder aus dem Bestand öffentlich zugänglich.

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15.08.2014

Aus der Geschichte der Dampfmaschine

Filed under: *Bestände,Alte und Seltene Drucke,Mechanik und Maschinenbau — Martin Bosshard @ 10:00

Früher benutzte man zum Ziehen und Stossen der Wagen Pferde und sogar die Menschen selbst. Bereits in der Antike wurde beobachtet, dass der Deckel eines Kochgefässes bei Erhitzung des Inhalts vom dabei entstehenden Wasserdampf angehoben wird. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Gelehrte des Altertums mit diesem Phänomen beschäftigten. Erste diesbezügliche Experimente wurden etwa im ersten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung durchgeführt. Bei einem dieser Versuche wurde eine mit Wasser gefüllte und mit düsenförmigen Austrittsöffnungen versehene Kugel erhitzt, was zur Folge hatte, dass sich die Kugel zu drehen begann. Diese Erfindung fand unter dem Begriff „Heronsball“, nach dem Erfinder Heron von Alexandria, Eingang in die Geschichtsbücher. Was aus heutiger Sicht verwundert, dass noch einmal rund 1‘600 Jahre vergehen mussten, ehe sich weitere Wissenschaftler mit dem Dampf und seinen nutzbaren Eigenschaften auseinandersetzen sollten.

Als dann im Zuge der Industrialisierung und der damit verbundenen beschleunigten Entwicklung von Technik, Produktivität und Wissenschaften in England die Dampfmaschine erfunden wurde, wurde diese innerhalb kurzer Zeit zur wichtigsten Arbeitsmaschine in verschiedensten Bereichen und schliesslich zum Motor der Fortbewegung, sei es auf dem Wasser (Schiffahrt) oder auf dem Land (Eisenbahn). Die erste Dampfmaschine, deren Einsatz in Bergwerken zum Abpumpen von Wasser sich rentierte, war eine Erfindung aus dem Jahre 1712. Ihr Konstrukteur war der Engländer Thomas Newcomen.

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Abb.: Elemente einer frühen Dampfmaschine aus Rar 4755 “Bernoulli, Anfangsgründe der Dampfmaschinenlehre für Techniker und Freunde der Mechanik”

Einer der ersten Wissenschaftler, welcher sich theoretisch mit der Dampfmaschine befasste, war Christoph Bernoulli, Professor für industrielle Wissenschaften in Basel und ein Vordenker seiner Zeit. Als Anhänger der Ideen der französischen Revolution übertrug er seinen unbedingten Fortschrittsglauben auf die Technik. Sein 1833 erschienenes Grundlagenwerk zur Dampfmaschinenkunde richtet sich an Techniker, denen Bernoulli vor allem die Praxis nahe bringt. Dies macht das Werk aus einer Zeit, deren Bücher eher theoretisch als praktisch geprägt waren, zu einer Ausnahmeerscheinung und wird zum Standardwerk für alle, die mit Dampfmaschinen zu tun haben.

Allein die Vorbemerkung des Verfassers unterstreicht die Leidenschaft, mit welcher sich dieser dem Thema widmete: „Das Vergnügen, das ich mehr und mehr bei einem nähern Studium der Dampfmaschine fand, und die Wahrnehmung, dass es unserer Literatur noch an einem umfassenden Werke über diese merkwürdigste aller Maschinen fehle, bewogen mich vor neun Jahren, eine Darstellung derselben unter dem Titel „Anfangsgründe der Dampfmaschinenlehre für Techniker und Freunde der Mechanik“ herauszugeben, und dieses kleine Werk wurde so wohlwollend beurtheilt und aufgenommen, dass ich mich vor mehreren Jahren schon zur Veranstaltung einer neuen Auflage aufgefordert sah.“ In der Einleitung betont Bernoulli die Bedeutung der Erfindung der Dampfmaschine für die ganze Menschheit, dass mit deren Einführung eine neue Zeitrechnung beginne und dass die Folgen für die ganze menschliche Gesellschaft und Zivilisation unabsehbar seien. Wie recht er doch hatte!

 

Links:

http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-21478

Literaturhinweise:

- Christoph Bernoulli, Anfangsgründe der Dampfmaschinenlehre für Techniker und Freunde der Mechanik, Basel, Neukirch,

1824

- Christoph Bernoulli, Bernoullis Dampfmaschinenlehre, 8. Aufl., Stuttgart, Bergsträsser, 1900

 

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08.08.2014

Von der ETH auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Teil I: Die Studenten

Die Schweiz ist keine Insel, weder heute noch vor 100 Jahren. Als im Sommer 1914 in Europa der Krieg ausbrach, der als Erster Weltkrieg in die Geschichte eingehen würde, war davon auch die ETH Zürich betroffen. Über 180 ausländische Studenten unterbrachen ihr Studium, um in den Streitkräften ihrer Heimatländer Kriegsdienst zu leisten. In den folgenden Kriegsjahren erhöhte sich diese Zahl nochmals auf rund 250 ETH-Studenten. Von den Studierenden mit Schweizer Bürgerrecht mussten zwischen 1914 und 1918 fast 600 ihr Studium zurückstellen, um Dienst bei der Grenzbesetzung zu leisten.

Bald waren auch unter den kämpfenden ETH-Studenten Opfer zu beklagen.

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Brief von Hugo Honda, k.u.k. Konsularsekretär an den Rektor der ETH Zürich, Basel, 14.11.1914.
Honda war ein Onkel des ETH-Doktoranden Herbert von Wayer
(Hochschularchiv der ETH Zürich, Doktorandenmatrikel Nr. 119, Wayer)

Am 1. Oktober 1914 wurde Herbert von Wayer, Offizier in der k.u.k. Armee, im Kampf zwischen Österreich-Ungarn und Serbien schwer verwundet. Er wurde nach Tuzla (Bosnien-Herzegowina) in ein Militärspital gebracht, wo er am 20. Oktober im Alter von 24 Jahren verstarb.

Sein Onkel schrieb an den Rektor der ETH Zürich:

Im Namen meiner Cousine, Frau v. Wayer, sowie im eigenen, danke ich Ihnen hochgeehrter Herr, für die trostreichen Worte, welche Sie aus Anlass des Todes Herberts an uns zu richten die Güte hatten.

Er starb sanft und gottergeben und gedachte in einem Briefe, den er kurz vor seinem Tode an seine Mutter schrieb, auch seiner ehemaligen Lehrer und der Stätte an der er so viel Wissen gesammelt. Auch des Landes, dessen Gastfreundschaft er und wir alle genossen, gedachte er noch. Und vor dem Abmarsch aufs Schlachtfeld rief er seiner Mutter noch zu: ,… und grüsse mir die schöne Schweiz‘!

Der ETH-Doktorand Herbert von Wayer stammte aus Pola (Pula, heute Kroatien) und hatte in Triest (heute Italien) die Matura gemacht. 1908 kam er nach Zürich ans Polytechnikum, wo er im Sommer 1912 sein Diplom als Fachlehrer in mathematisch-physikalischer Richtung erhielt. Sein Studium hatte er mehrmals unterbrochen, um in Österreich-Ungarn seine Militärdienstpflicht zu leisten. Wayer blieb als Doktorand an der ETH und wurde Assistent für Geometrie bei Prof. Marcel Grossmann. Sein Doktorvater war allerdings mit Wayer unzufrieden und verlangte eine Überarbeitung der Dissertation, was Wayer mit seiner Kündigung quittierte. Die Doktorarbeit wurde nie fertig gestellt.

 Todesanzeige

Sammel-Todesanzeige der ETH für gefallene Studenten, Tagblatt der Stadt Zürich und Amtsblatt, 20. Oktober 1915, S. 7

ETH-Studenten kämpften an jeder Front auf dem europäischen Kontinent, in den Reihen der Mittelmächte wie auch der Entente. Sie kämpften also auch gegeneinander. Insgesamt fielen 15 Studenten und Doktoranden der ETH Zürich auf den Schlachtfeldern Europas, darunter auch ein Student aus England und einer aus Australien. Alle diese jungen Männer starben im Alter zwischen 21 und 24 Jahren.

In Zürich merkte man davon nicht viel. Die Namen der gefallenen Studenten wurden zwar am Schwarzen Brett im ETH-Hauptgebäude und in den jährlichen Studentenverzeichnissen veröffentlicht. Eine Todesanzeige schaltete die ETH nur gerade einmal, im Oktober 1915, und noch dazu als Sammel-Todesanzeige im Amtsblatt – wohl einiges billiger als eine Todesanzeige in der NZZ.

Matrikel Kis

Das Rektorat der ETH Zürich kennzeichnete die Matrikel von verstorbenen Studenten jeweils
mit einem handgemalten schwarzen Kreuz.  Ausschnitt aus der Studentenmatrikel von Karl Kis.
(Hochschularchiv der ETH Zürich, Studentenmatrikel, EZ-REK 1/1/14‘161)

 

Die traurige Bilanz der im Ersten Weltkrieg gefallenen ETH-Studenten:

Herbert von Wayer 1890-1914 Mathematik-Physik Österreich-Ungarn, auf dem Balkan gefallen
Jules Exner 1893-1915 Maschineningenieurwissenschaften Frankreich, an der Westfront gefallen
Paul Schlumberger 1892-1915 Chemie Deutschland (Elsass), an der Westfront gefallen
Eugen Lassovszky 1894-1915 Maschineningenieurwissenschaften Österreich-Ungarn, in Galizien gefallen
Gerhard Thalmann 1894-1915 Chemie Österreich-Ungarn
Thomas Dibbs 1892-1915 Maschineningenieurwissenschaften Australien, in Flandern gefallen
Paul Gégauff 1893-1915 Maschineningenieurwissenschaften Deutschland (Elsass), in der Champagne gefallen
Henri Mongin 1891-1915 Maschineningenieurwissenschaften Frankreich, an der Westfront gefallen
Milosch Komadinitisch 1891-1915 Ingenieurwissenschaften Serbien, auf dem Balkan gefallen
Eberto Sarra 1894-1916 Maschineningenieurwissenschaften Italien, am Isonzo gefallen
Karl Kis 1896-1916 Maschineningenieurwissenschaften Österreich-Ungarn
Alexander Jennings 1894-1917 Maschineningenieurwissenschaften England
Hugo Dietsche 1894-1917 Chemie Deutschland
Hans Müller 1894-1918 Architektur Deutschland
Raoul Simonini 1894-1918 Ingenieurwissenschaften Italien

 

Quellen im Hochschularchiv der ETH Zürich

Auf die Einträge zu Herbert von Weyer in den Protokollen des Schweizerischen Schulrats kann online zugegriffen werden. Die Namen der gefallenen Studenten wurden jeweils einmal im Jahr im Vorlesungsverzeichnis abgedruckt. Dieses ist ebenfalls online zugänglich (Suchbegriff „Polyprogramme“). Die Studenten- und Doktorandenmatrikel aus dieser Zeit können im Hochschularchiv der ETH Zürich eingesehen werden.

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01.08.2014

Panorama vom Rigi Berg

Filed under: Geographie und Karten — Tags: , , — Susanne Zollinger @ 10:00

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Abb.: [Panorama vom Rigi Berg], gezeichnet von H. Keller, 1815, Vertikalpanorama
teilweise koloriert, Bergsturz von Goldau von 1806 mit brauner Farbe hervorgehoben
(Durch Anklicken wird eine zoombare Version der Karte in e-rara angezeigt)

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Abb.: Panorama, gezeichnet auf dem Signal des Rigi Kulm von Hch. Keller, 1822, zirkumpolare Rundkarte

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Abb.: [Panorama vom Rigi Berg], Hch. Keller, [1823], zirkumpolare Rundkarte

Im 19. Jahrhundert wurden die Schweizer Alpen und im Besonderen einfach zugängliche Aussichtsberge wie die Rigi zu Sehnsuchtsorten für aristokratische und vermögende bürgerliche Reisende aus ganz Europa [1]. War das Reisen zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch ein langwieriges und anstrengendes Unternehmen, das vor allem junge Aristokraten aus England anzog [2], erleichterte ab etwa 1830 der Ausbau des Eisenbahnnetzes, das Aufkommen von Reiseführern und die Verbesserung der touristischen Infrastruktur das Reisen erheblich und führte zu einem Aufschwung des Tourismus.

Als Souvenirs solcher Reisen waren Panoramen beliebt, die die grandiose Aussicht auf den Gipfeln der Reiseberge illustrierten. Die Aussicht von der Rigi wurde zu einem häufig abgebildeten Motiv. Der Berg inspirierte auch Heinrich Keller (1778-1882) aus Zürich, der das Motiv ab 1804 immer wieder zeichnete und im eigenen Verlag publizierte. Er variierte dabei die Darstellungsart und stellte die Fernsicht von der Rigi auch als zirkumpolare Rundkarte oder Horizontalpanorama [3] dar.

Quellen:
[1,2] Stichwörter Tourismus, Schweizerreisen in: Historisches Lexikon der Schweiz, 28.07.2014, http://www.hls-dhs-dss.ch/index.php
[3] Formen und Funktion älterer Panoramen, Bruno Weber, in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Band 42 (1985), auf: retro.seals..ch, ETH-Bibliothek, http://dx.doi.org/10.5169/seals-168632

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25.07.2014

Urlaubsgesuch am Vorabend der deutschen Kriegserklärung 1914

Filed under: *Bestände,Chemie und Pharmazie,Physik — Tags: , — Christian John Huber @ 10:02

Hierdurch erlaube ich mir, um Urlaub für das Wintersemester 1914/15 zu bitten. Ich gedenke auf Aufforderung von Herrn Geheimrat Haber, dem Leiter des Kaiser Wilhelm Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Dahlem b. Berlin, als wissenschaftlicher Gast in seinem Institut zu arbeiten.

Diese Zeilen stammen vom Physikochemiker und späteren Nobelpreisträger Otto Stern. Er richtet sie 1914 an den Präsidenten des Schweizerischen Schulrats. Stern ist zu diesem Zeitpunkt Privatdozent an der ETH Zürich. An und für sich ist ein Urlaubsgesuch wegen einer Einladung als wissenschaftlicher Gast im akademischen Umfeld nichts Aussergewöhnliches. Einzig die Wortwahl fällt auf. Stern schreibt von einer “Aufforderung” des Leiters, als wissenschaftlicher Gast in seinem Institut zu arbeiten, und nicht wie zu erwarten wäre, von einem Angebot. Die Einbettung des Briefs in den welthistorischen Kontext führt zu weiteren Fragen.

SR3:1914,883

Otto Stern an den Präsidenten des Schweizerischen Schulrats, 31.7.1914 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, SR3: 1914, 883).

Das Schreiben entsteht am 31. Juli 1914 in Berlin-Charlottenburg. Drei Tage zuvor hat Oesterreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärt. Deutschland befindet sich noch nicht im Krieg, ist jedoch vertraglich an Oesterreich-Ungarn gebunden und erklärt am darauf folgenden Tag Russland den Krieg. Die Juli-Krise beginnt sich zu einem ganz Europa umspannenden Krieg auszuweiten. Beim erwähnten Haber handelt es sich um den Chemiker Fritz Haber. Es ist davon auszugehen, dass Haber einen Tag vor dem offiziellen Kriegsbeitritt Deutschlands mit der bevorstehenden Kriegserklärung rechnete. Haber meldet sich sogleich zum Kriegsdienst und wird Leiter der Zentralstelle für Chemie beim preussischen Kriegsministerium. Er entwickelt für Deutschland Gaskampfstoffe, für deren Einsatz er sich entschieden stark macht. Haber gilt deshalb als “Vater des Gaskriegs”.

Hat Stern den Begriff “Aufforderung” im Schreiben an den Schulratspräsidenten mit Bedacht gewählt? Ist er von Haber unter Druck gesetzt worden? Ein Einsatz als wissenschaftlicher Gast in Habers Institut wird in Sterns Biographien nirgends erwähnt. Auch in einem 1961 geführten Interview, das Stern dem Physiker Res Jost an der ETH Zürich gibt, erwähnt er die Episode mit keinem Wort. Es ist trotzdem davon auszugehen, dass der bevorstehende Eintritt Deutschlands in den Ersten Weltkrieg die eigentliche Motivation für Otto Sterns Urlaubsgesuch darstellt. Das nächste Schreiben Sterns, das in den Akten des Schweizerischen Schulrats vermerkt ist, stammt vom 16. November 1915. Es handelt sich um das Rücktrittsschreiben. Diesmal wird der Krieg als Grund angeführt:

Hiermit bitte ich um meine Entlassung aus der Stellung als Privatdozent für physikalische Chemie an der Eidg. techn. Hochschule, da ich mich inzwischen als Privatdozent für theoretische Physik an der Universität Frankfurt a. Main habilitiert habe. Hierbei war für mich hauptsächlich der Wunsch massgebend, besonders bei den augenblicklichen Zeitverhältnissen eine Stellung in meinem Vaterlande zu haben.

 ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, SR3: 1915, 1244. Otto Stern an den Präsidenten des Schweizerischen Schulrats, 16.11.1914.

Stern befindet sich gerade auf Heimurlaub von der Ostfront und bittet “auch die Verspätung dieser Mitteilung mit durch den Krieg verursachten Umständen gütigst entschuldigen zu wollen”. In oben erwähntem Interview berichtet Otto Stern auch aus seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Tape D83:1, 8:00-10:00. Otto Stern, Gespräche mit Res Jost, 25.11.1961 und 2.12.1961):

Hinweise

Horst Schmidt-Böcking, Karin Reich. Otto Stern: Physiker, Querdenker, Nobelpreisträger. Frankfurt am Main 2011.

ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 1008:8. Otto Stern, Gespräche mit Res Jost über Albert Einstein und den eigenen Werdegang am 25. November und 2. Dezember 1961 in der Pension Tiefenau in Zürich. Abschrift der Tonaufzeichnung.

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18.07.2014

Heile Bergwelt

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 10:03

Japanische Reiseleiterin und japanische Reisegruppe, 1981

Japanische Reisegruppe auf dem Jungfraujoch, 01.06.1981 (Com_LC0751-049-003-004)

Das Jungfraujoch gehört neben Paris, London und Berlin zum Pflichtprogramm für europareisende Japaner. Pro Jahr fahren etwa 130‘000 japanische Touristen mit der Jungfraubahn auf den Gipfel, um dort durchschnittlich eine Stunde zu verweilen. Ebenso wie die meisten Japaner von Heidi fasziniert sind, fühlen sie sich auch von den Schweizer Bergen stark angezogen. Beides sind Mythen, die eng verbunden sind, und die Sehnsucht nach einer heilen präindustriellen Welt zu befriedigen vermögen.

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11.07.2014

Heidiland Schweiz

Filed under: Bildarchiv,Linguistik, Literatur — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Johanna Spyri Museum, Japaner besuchen das Museum

Junge Japanerinnen im Johanna Spyri Museum, Hirzel, 20.08.1976 (Com_L25-0576-0118)

Die Schweizer Romanfigur Heidi ist in Japan schon seit der ersten Übersetzung von Johanna Spyris Roman ins Japanische im Jahr 1920 bekannt, drang aber vor allem durch die Trickfilmserie „Alpenmädchen Heidi“(アルプスの少女ハイジ, Arupusu no shōjo Haiji, 1974) ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung. Laut David Zoppetti gibt es drei Gründe, weshalb die Japaner von Heidi fasziniert sind:

Zum einen die Erinnerung an gemütliche Tage, als sich Japan zu einer wirtschaftlichen Supermacht entwickelte und Kinder sich mit ihren Müttern (die Väter waren arbeiten …) sowie den Grosseltern an einer bewegenden und friedlichen Zeichentrickserie erfreuen konnten. Eine weitere Faszination rührt aus den Alpenlandschaften, also der Vorstellung, dass irgendwo in weiter Ferne eine Welt existiert, in der die Luft rein ist, die Natur wunderschön und üppig ist […]. Dann wäre als Drittes noch das „kawaii“-Phänomen (zu Deutsch etwa „hübsch“ oder „niedlich“). Für eine grosse Mehrheit der japanischen Frauen und Kinder sind irgendwelche Dinge nur attraktiv, wenn sie „kawaii“ sind (David Zoppetti, Heidi-Magazin Nr. 1, 2008).

„Kawaii!“ oder “oh how cute!”  dürften denn auch diese jungen Besucherinnen im Bild ausgerufen haben, als sie im Jahr 1976 das Johanna Spyri-Museum in Hirzel besuchten.

Literatur:

Ernst Halter (Hrsg.): Heidi. Karrieren einer Figur. Offizin, Zürich 2001

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