ETHeritage
Highlights aus den Sammlungen und Archiven der ETH-Bibliothek

18.04.2014

Wilder Westgeologe – Zum 190. Geburtstag von Jules Marcou (1824 – 1898)

Filed under: Geographie und Karten,Geologie,Geschichte,Hochschularchiv ETHZ,Paläontologie — Tags: — Yvonne Voegeli @ 7:00

Wann immer die Anfänge der heutigen ETH erzählt werden, konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf ein paar ausländische politische Flüchtlinge sowie wenige einheimische Staatsmänner und Forscher. Einer fehlt regelmässig im Erinnerungsreigen der mehr oder minder Berühmten, keineswegs ein unscheinbares Mauerblümchen, im Gegenteil: Jules Marcou, Pionier der nordamerikanischen Geologie.

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Jules Marcou, Foto : Pach Bro’s, New York USA, 1883 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_09635)

Marcou wurde am 20. April 1824 als jüngstes von drei Kindern eines öffentlichen Angestellten und dessen Frau in Salins im französischen Jura geboren. Er besuchte 1842-1843 höhere Schulen in Besançon und Paris, scheiterte bei der Abschlussprüfung und verzichtete krankheitshalber auf einen weiteren Versuch, publizierte aber eine Arbeit über ein mathematisches Thema. Zurück in Salins lernte er 1844 den Arzt Claude-Marie Germain kennen, Amateurgeologe und Fossiliensammler, der ihn auf seine Exkursionen im Jura mitnahm und in die Grundlagen der Geologie einführte. Nach umfassender Lektüre von Fachliteratur entwickelte Marcou ein eigenes System der zeitlichen Abfolge von Gesteinsschichten, mit dem er die Sammlung seines Mentors ordnete. Dieser machte ihn mit dem aus Porrentruy im Schweizer Jura stammenden Naturforscher Jules Thurmann bekannt, der seinerseits Marcou dem renommierten Paläontologen und Glaziologen Louis Agassiz in Neuchâtel vorstellte. In dessen neugegründetem Fachorgan konnte Marcou 1845 seine erste geologische Arbeit publizieren. 1846 referierte Marcou in Paris vor der Société Géologique de France über seine „Recherches géologiques sur le Jura salinois“. Er erhielt eine Assistenzstelle für Naturgeschichte an der Sorbonne, wechselte in den „Jardin des Plantes“ und wurde hier im Januar 1848 auf Empfehlung von Agassiz zum Forschungsreisenden für eine dreijährige Expedition in Nordamerika ernannt.

Nach einmonatiger Schiffsreise anfangs Mai in New York gelandet, zog Marcou weiter nach Boston und Cambridge zu Agassiz, der da seit 1846 als Professor für Zoologie und Geologie wirkte. Er schloss sich einer Exkursion seines Förderers und dessen Studenten zu den grossen Seen an, erkundete danach allein den Nordosten der USA, die Niagarafälle und den Osten Kanadas. 1850 heiratete er Jane Belknap. eine reiche Erbin, mit der er im Laufe der Jahre drei Kinder hatte. Durch die Heirat materiell abgesichert kündigte er die Stelle beim „Jardin des Plantes“, konnte künftig unabhängig von offiziellen Institutionen forschen und seine Ergebnisse bei Bedarf auch ohne das Entgegenkommen wissenschaftlicher Organe publizieren. Auf der Basis seiner Exkursionen und vorhandener Publikationen anderer Geologen veröffentlichte er 1853 in Boston die erste geologische Übersichtskarte über die Vereinigten Staaten.

Im selben Jahr nahm Marcou das Angebot an, als Geologe an der staatlichen Expedition nach Westen entlang dem 35. nördlichen Breitengrad zur Planung einer künftigen transkontinentalen Eisenbahnlinie teilzunehmen. Nach 4000 Kilometern in 10 Monaten erreichte der Tross Ende März 1854 die Pazifikküste bei Los Angeles. Damit war Marcou der erste Geologe, der den ganzen Kontinent von Osten nach Westen durchquert hatte. Er reiste weiter in den Norden, besuchte dort – in der Ära des Goldrauschs – die Goldminen, schiffte sich ein nach Süden, überquerte mit Maultier und Bahn die Landenge von Panama und gelangte per Schiff zurück nach Boston im Mai 1854. Da er sich in den Tropen Panamas eine hartnäckige Krankheit zugezogen hatte,  reiste er mit der Familie zur Erholung nach Europa ins heimatliche Salins.

Im Bulletin der Société Géologique de France veröffentlichte er 1855 eine neue geologische Karte zusammen mit einem Geländeprofil vom Tal des Mississippi bis zum Pazifik, mit Begleittext und Zeichnungen von Fossilienfunden. Weiter skizzierte er in den Annales des Mines eine Klassifikation der Bergketten, die er bereist hatte. Während bisher angenommen worden war, die westlichen Gebiete Nordamerikas bestünden aus erdgeschichtlich jungen Gesteinsformationen, hatte Marcou Formationen aus verschiedenen, auch älteren Erdzeitaltern vorgefunden und zudem jurassische Ablagerungen, die ihn an diejenigen seiner Heimat erinnerten. Die geologische Vergleichbarkeit der „neuen“ Welt mit der „alten“ war eine Sensation, die den Nationalstolz mancher amerikanischer Geologen irritierte. In den USA erschien erst 1856 eine von Marcou nicht autorisierte Edition der Rohfassung seines Expeditionsberichts an die staatlichen Stellen mit Eingriffen von fremder Hand.

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Aus: Jules Marcou, Résumé explicatif d’une carte géologiques des Etats-Unis et des provinces anglaises de l’Amérique du Nord, avec un profil géologique allant de la vallée du Mississippi aux côtes du Pacifique, et une planche de fossiles, Bull. Soc. Géol. France, 1855 (2), XII, pp. 813-936, 1 carte. (ETH-Bibliothek, Signatur: P 81457 SER.2: 12 (1854/1855) )

Inzwischen war in der Schweiz 1854 das Eidgenössische Polytechnikum gegründet worden. Dessen Leitung hatte grösste Mühe, mit knappem Budget die vorgesehenen Professuren für Geologie, Paläontologie und Mineralogie adäquat zu besetzen und dabei gleichzeitig die innenpolitisch gebotene Vertretung der zweiten Landessprache Französisch zu berücksichtigen. Da erhielt Bernhard Studer, Schulratsmitglied und Mineralogieprofessor in Bern, von seinem Kollegen Elie de Beaumont, Geologe und ständiger Sekretär der Académie des Sciences, aus Paris im November 1855 den Hinweis auf Marcou. Studer nahm sofort mit diesem Kontakt auf und schrieb am 3. Dezember an seinen Zürcher Freund Arnold Escher, der ebenfalls für eine der zu besetzenden Professuren vorgesehen war:

„Das Ding scheint sich mir am Ende noch gut genug zu gestalten. Marcou von Elie de B. empfohlen, erbietet sich für Fr. 2000 J. Paläontologie zu übernehmen und allenfalls auch einen französischen Cours über Geologie zu lesen, so dass noch Fr. 2 bis 3000 für einen deutschen Mineralogen bleiben, […] sei so gut einstweilen deinen Mund zu halten, sonst könnte die Sache wieder ins Wasser fallen […].“

Offiziell wurde Studer vom Schulratspräsidenten erst am 10. Dezember 1855 beordert, „sich zu vergewissern, ob Herr Marcou in Salins die Lehrstelle für Paläontologie provisorisch zu übernehmen geneigt wäre“. (SR2, Präsidialverfügungen 1855, Nr. 390, 10. Dezember 1855).

Der Umworbene war trotz angeschlagener Gesundheit geneigt, wohl nicht zuletzt deshalb, weil er als weitgehend autodidaktischer Privatgelehrter ohne jegliche Studienabschlüsse endlich eine akademisch anerkannte Position in der Wissenschaftswelt erhielt. Im März 1856 wurde er zum Professor für Paläontologie und Geländegeologie gewählt. Am 30. April hielt er die Eröffnungslektion seines Kurses über Paläontologie, die er drucken liess. Darin erklärt er die Geologie zur Grundlage des technischen und kulturellen Fortschritts, zählt zahlreiche Namen schweizerischer Naturforscher mit ihren Verdiensten von den Anfängen bis in die damals jüngste Gegenwart auf, macht auf die notwendige Aufteilung des Forschungsgebietes in Spezialdisziplinen aufmerksam, kommt schliesslich auf die Paläontologie und deren Spezialisten zu sprechen mit detaillierten Literaturangaben.

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Jules Marcou, Ecole Polytechnique Fédérale, Cours de Géologie paléontologique, Leçon d’ouverture, Zurich 1856. Widmungsexemplar für Oswald Heer, Professor an der ETH und Universität Zürich. (Sammelband ETH-Bibliothek, Signatur: 81797).

Damit hatte er sich offenbar zu viel zugemutet, denn schon eine Woche später wurden ihm 14 Tage Krankheitsurlaub gewährt. Im folgenden Wintersemester 1856/57 behandelte er Geschichte, Konstruktion und Kolorieren geologischer Karten und Schnitte. Doch am 22. Januar 1857 ersuchte er wieder um Urlaub auf unbestimmte Zeit wegen seines schlechten Gesundheitszustands infolge der Strapazen seiner vielen Reisen. Als seinen Stellvertreter schlug er den frisch habilitierten, zweisprachigen Charles Mayer vor, der auch französische Vorlesungen halten könne. Obwohl reglementarisch eine Stellvertretung zu Lasten des Polytechnikums gegangen wäre, bot Marcou an, ¾ seines Gehaltes an Mayer abzutreten. Das für die Lehranstalt vorteilhafte Arrangement, ersparte es ihr doch die Mühe der kurzfristigen Suche einer geeigneten Ersatzkraft und die zusätzlichen Kosten, wurde am 5. Februar bewilligt. Die finanzielle Umsetzung klappte allerdings nicht. Wie aus dem Brief Marcous an Mayer vom 22. September 1857 hervorgeht, hatten weder er noch Mayer bis dahin Geld vom Polytechnikum erhalten, so dass Marcou nach Reklamation beim Schulrat kurzerhand seinen Bankier in Paris anwies, Mayer den ihm zustehenden Betrag zukommen zu lassen.

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Jules Marcou an Charles Mayer, Zürich 22. September 1857  über die bis dahin vom Polytechnikum noch nicht bezahlte Entschädigung an Mayer für die Stellvertretung des erkrankten Marcou

Marcou hatte im Sommer 1857 seine Lehrtätigkeit vermutlich wieder aufgenommen. Wohl gestützt auf die Bewilligung für unbefristeten Urlaub Anfang Jahr oder in der Annahme, wenn er denn seinen Stellvertreter aus eigener Tasche bezahlen müsse, sei eine Information der Obrigkeit nicht dringlich, hatte Marcou im Wintersemester 1857/58 seine Veranstaltungen zunächst stillschweigend wiederum an Mayer abgetreten. Nach Ansicht des für Unterrichtsbelange zuständigen Direktors Joseph Wolfgang von Deschwanden war aber dazu eine neue offizielle Bewilligung nötig. Daher erneuerte Marcou „auf Einladung des Schulrates“ am 11. November 1857 sein Gesuch um unbefristeten Urlaub, der ihm wieder unter denselben Bedingungen wie beim letzten Mal gewährt wurde.

Im Sommer 1858 las Marcou über die Paläontologie der Juragebirge, wofür sich bei Semesterbeginn nur gerade ein Student interessierte. Marcou schrieb deshalb an Direktor von Deschwanden, dieser möge weiteren Interessenten die genauen Unterrichtszeiten und Lokalitäten anzeigen, denn mangels eines eigenen Gebäudes – Sempers Repräsentationsbau war erst ab 1864 bezugsbereit – fanden die Vorlesungen des Polytechnikums an verschiedenen über die Stadt verstreuten Orten statt. Ob die Resonanz der Veranstaltung sich danach verbesserte oder nicht, ist unbekannt. Marcou reichte jedenfalls am 21. Juni 1858 noch mitten im laufenden Semester sein Entlassungsgesuch ein mit der Begründung, dass eine Kehlkopfentzündung ihm langes Sprechen vor Publikum verunmögliche. Nach Behandlung des Gesuches durch den Schulrat und den Bundesrat im August wurde Marcou auf Ende September verabschiedet.

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Jules Marcou 1972, Foto: A. Sonrel, Boston USA. Herkunft: Bibliothèque National de France BNF. Fundort: http://www.christianboyer.com/philatelie/SocietesArticles.htm, Le Timbrophile, n°7, 15 mai 1865, pages 55 et 56.

Die Polytechnikums-Festschrift von 1905, die erste und letzte, die Marcou nicht nur im Personenregister oder gar nicht erwähnt, verdächtigt ihn, der Lehrtätigkeit überdrüssig gewesen zu sein und die Krankheit nur vorgeschoben zu haben, um sich wieder mehr der Forschung widmen zu können. Marcou bemerkte allerdings 14 Jahre nach seinem Rücktritt in einem Brief vom 2. Mai 1872 an Arnold Escher , er habe lange Zeit an einer Kehlkopfkrankheit gelitten, was der Hauptgrund für seine Demission gewesen sei. Die Krankheit war somit keine Ausrede gewesen, doch konzentrierte Marcou die ihm verbleibende Energie tatsächlich wieder ganz auf die Forschung, insbesondere auch auf die Verteidigung seines wissenschaftlichen Rufs.

Unterdessen hatten sich nämlich einige etablierte amerikanische Geologen gegen ihn formiert. Sie bezweifelten seine Neuentdeckungen, bestritten die Zuschreibungen der von ihm gesammelten Gesteinsproben und erklärten seine Übersichtskarte für unbrauchbar. Marcou konterte scharf. In einem offenen Brief widersprach er seinen Widersachern Punkt für Punkt und meinte unverblümt:

„[…] I profess the doctrine that geologists must see with their own eyes in order to decide the difficult questions of the science […]. Finally, I maintain all the observations contained in my preliminary report […] as exact, notwithstanding all the objections advanced against them. From your experience of the Indian Country, you will probably agree with me, that it is much easier to make objections from a comfortable room in a large town, than to observe in the wilderness of the Rocky Mountains; and you will permit me to suggest, that it would be better for the Science if my adversaries would go themselves on the field and follow my route near the 35th parallel, instead of making a show of their powers of argument in Silliman’s Journal, or at the meetings of scientific associations.”

Der Redaktor des Silliman Journal (American Journal of Science) suggerierte darauf, Marcou schmücke sich mit einem nicht existenten staatlichen Titel (sei also ein Hochstapler), seine Entdeckungen seien entweder nicht neu oder dann komplett falsch, und stellte Marcous wissenschaftliche Kompetenz überhaupt in Frage. Nun sah Marcous einflussreicher und wissenschaftlich hoch angesehener Gönner Agassiz sich genötigt, in die Debatte einzugreifen. Unter Androhung künftig nicht mehr mit dem Journal zusammenzuarbeiten, zwang er den widerspenstigen Redaktor, einen öffentlichen Antwortbrief ohne die redaktionell vorgeschlagenen Abschwächungen zu drucken. Darin wies Agassiz die Kritiker seines Schützlings in die Schranken mit dem Hinweis, dieser sei einer der weltbesten Kenner jurassischer Gebirgsformationen und ihm allein käme die Priorität neuer geologischer Entdeckungen in den westlichen amerikanischen Gebieten zu. Damit war der Streit nicht beigelegt. Marcou und seine Feinde liessen bis an ihr Lebensende keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig aufs heftigste zu attackieren.

1860 kehrte Marcou in die USA zurück, unterstützte Agassiz ehrenamtlich beim Aufbau des neuen Naturhistorischen Museums in Cambridge und verlegte sein Forschungsfeld in die Appalachen. 1861 veröffentlichte er eine geologische Weltkarte, die er 1873 revidierte. 1864-1875 lebte er wieder in Frankreich, erhielt 1871 das Ritterkreuz der Ehrenlegion, kehrte 1875 in die USA zurück und nahm an seiner letzten staatlichen Expedition in den Süden Kaliforniens teil. Retour in Frankreich 1878-1881 kritisierte er als einer der ersten das Panama-Kanalprojekt ohne Schleusen von Ferdinand de Lesseps aus geologischen sowie humanitären Gründen als nicht durchführbar und als Betrug an den Geldgebern. 1889 scheiterte das Projekt tatsächlich. 1881 reiste Marcou endgültig in die USA, schrieb unter anderem in den 1890er Jahren eine zweibändige Biografie über Agassiz und starb am 17. April 1898 an Lungenentzündung in Cambridge. Mit der Schweiz war er zeitlebens weiter verbunden geblieben, wie eine Reihe von Briefen an verschiedene alte Freunde und neue Kollegen belegt. Mit ihrem herzlichen Ton voll warmer Anteilnahme am Alltag der Empfänger und von gemeinsamen Bekannten kontrastieren sie auffallend zu Marcous verletzenden Streitschriften an die Adresse seiner Gegner.

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Vergrösserung des Emblems aus dem Briefkopf  des Schreibens von Jules Marcou an Arnold Escher, Cambridge/Mass. 13.12.1871 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 4:1050): Zwischen den Initialen J und M Marcous gekreuzte Werkzeuge, der Geologenhammer für die Feldforschung, die gespitzte Schreibfeder zum Notieren der Ergebnisse, auch interpretierbar als Giftpfeil gegen Gegner. Unter den Werkzeugen ein Erdkreis mit Kartennetz, Marcous Forschungsgebiet.

 

Hinweise:

Marcou, Jules: American Geology. Letter on some point of the geology of Texas, New Mexico, Kansas, and Nebraska; adressed to Messrs. F.B. Meek and F.V. Hayden, Zurich 1858 (Sammelband ETH-Bibliothek, Signatur: 81797). Daraus Zitate, pp. 10 und 13f.

Marcou, Jules: Replay to the Criticisms of James D. Dana, including Dana’s two articles with a letter of Louis Agassiz, Zurich 1859 (Sammelband ETH-Bibliothek, Signatur: 81499).

Im Hochschularchiv der ETH an der ETH-Bibliothek wird das historische Schulratsarchiv aufbewahrt mit den Unterlagen zu Marcous Professur. Weiter sind in verschiedenen wissenschaftlichen Nachlässen von Professoren Briefe von Marcou zu finden.

Durand-Delga, Michel/Richard Moreau: Un savant dérangeant: Jules Marcou (1824-1898), géologue français d’amerique. In : Travaux du comité français d’histoire de la géologie (COFRHIGEO), troisième série, t. VIII, 1994, no 6 (séance du 30 novembre 1994), pp. 55-82.

Durand-Delga, Michel/Richard Moreau: Jules Marcou, précurseur français de la géologie nord-américaine. In : La Vie des Sciences, 13 (+), 1996, pp. 59-83.

 

 

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11.04.2014

Zum 125. Geburtstag von Charles Chaplin am 16. April

Filed under: *Bestände,Bildarchiv — Roland Lüthi @ 7:00

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Charles Chaplin, 16.4.1961 in Corsier (Com_C10-78-001)

Das Bild aus dem Bestand der Fotoagentur Comet zeigt Charles Chaplin bei seinem 72. Geburtstag am 16. April 1961 im Park des Manoir de Ban in Corsier bei Vevey. Der gebürtige Brite und längere Zeit in den USA lebende Filmstar und Produzent hatte das stattliche Anwesen 1953 erworben und lebte dort mit seiner Familie bis zu seinem Tod im Jahr 1977. In seinen Memoiren, die er in den frühen 60er Jahren verfasste, betonte er mehrmals, dass er sich in der Schweiz sehr wohl fühlte:

Friends have asked me if I miss the United States – New York? In candour I do not. America has changed, so has New York.The gigantic scale of industrial institutions, of press, television and commercial advertising has completely divorced me from the American way of life. I want the other side of the coin, a simpler personal sense of living… (My autobiography, S. 523).

With such happiness, I sometimes sit out on our terrace at sunset and look over a vast green lawn to the lake in the distance, and beyond the lake to the reassuring mountains, and in this mood think of nothing and enjoy their magnificent serenity (My autobiography, S. 528).

2015 soll im Manoir de Ban ein Chaplin-Museum eröffnet werden. Dieses wird neben der Ausstellung von Briefen, Bildern, Filmmaterial und Objekten auch ein Kulturzentrum mit Wechselausstellungen und ein Kino beherbergen.

Literatur:

Charles Chaplin: My autobiography (London: The Bodley Head, 1964)

Link:

http://www.manoirdeban.com/

 

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04.04.2014

Panorama des Ober-Engadins von 1833

Filed under: Geographie und Karten,Karten — Tags: , , — Susanne Zollinger @ 10:00

Panorama des Inn-Thales, Ober-Engadin

 Abb. Ausschnitt aus: Panorama des Inn-Thales, Ober-Engadin / nach der Natur gezeichnet auf der Höhe Muottas des Mittelberges bey Samaden von E. E. Schaffner, 1833

Auf das wunderbare Panorama von E. E. Schaffner Bezug nehmend, verfassen Arnold Escher von der Linth und Bernhard Studer in der Einleitung ihres Berichts zur  ‘Geologische Beschreibung von Mittel-Bündten‘ um 1830 folgenden Abschnitt:

Es fühlt sich der Reisende, der, aus den heissen Seitenthälern der Lombardie, die Höhe der Engadinerpässe erreicht, wunderbar ergriffen, wenn hier, wo er nur die schmale Scheidecke zwischen zwei Abhängen zu überschreiten gedachte, sogleich nun die Hochebene des Oberengadins vor ihm sich ausbreitet, mit ihrer Reihe von See’n, ihren Wiesen mit alpinischer Flora bewachsen, ihren städtischen, von Reichthum und Luxus zeugenden Dörfern; und er das schöne Thal umschlossen sieht von Gebirgen, an denen der sparsame Wald nur wenig sich über den Thalboden zu erheben vermag, und nicht weit unter den Schneelehnen der höheren Felsgräte zurückbleibt.

In der Tat ist der Betrachter überwältigt vom Anblick der lieblichen Landschaft und des stattlichen Dorfs Samedan inmitten des grossartigen Bergpanoramas – und erschrickt sogleich, wenn er sich vorstellt, wie sich die Landschaft, von Muottas Muragl aus gesehen, heute präsentiert. Durch Anklicken des Bildes lässt sich das vollständige Panorama mit seiner 360 Grad Rundumsicht auf e-rara, der Plattform für digitalisierte Schweizer Drucke des 15. bis 19. Jahrhunderts der Schweizer Bibliotheken, betrachten.

Mit ihrem Detailreichtum sind Panoramen eindrückliche Zeugen der Veränderung unseres Siedlungsraumes und unserer Kulturlandschaft. Das Kartenzentrum Zürich lädt am 6. Mai 2014 zu einer Abendführung zum Thema Panoramen ein. Lassen Sie sich überraschen und tauchen Sie ein in die Welt dieses faszinierenden Mediums.

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02.04.2014

Ein Schuss, ein Schrei – April statt May

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Nein, der Schriftsteller Karl May studierte nicht am Eidgenössischen Polytechnikum, der heutigen ETH Zürich, jedenfalls nicht nachweislich. Der Blog-Eintrag „Ein Schuss ein Schrei – Stud. Ing. Karl May“ war ein Scherz zum 1. April.

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Studentendossier von August Aeppli, Seite 2 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK1/1/1)

Das angebliche Aktenstück ist eine Bildmontage unter Verwendung des Studentendossiers von August Aeppli (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK1/1/1) und der Unterschrift aus einer Kopie aus dem Jahr 1965 des Briefes aus Zürich vom 20. März 1876 von Charles/Karl Mayer-Eymar (1826-1907), Professor für Paläontologie an der Universität Zürich und Privatdozent am Eidgenössischen Polytechnikum, an Bernhard Studer (1794-1887), Mineralogieprofessor an der Universität Bern (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 277: 1075). Das Original des Briefes liegt übrigens in der Burgerbibliothek Bern.

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Charles/Karl Mayer-Eymar an Bernhard Studer, Zürich, 20. März 1876, letzte Seite (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 277:1075).

Das Erinnerungsbild des 3. Kurses der Ingenieurschule am Eidgenössischen Polytechnikum aus dem Jahr 1862 ist dagegen echt. Allerdings zeigt der Ausschnitt nicht Karl May, sondern eine nicht identifizierte Person.

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Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs, 1862 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv,  Portr_10676-FL)

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01.04.2014

Ein Schuss, ein Schrei – Stud. Ing. Karl May

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Karl May am Eidgenössischen Polytechnikum 1860/61 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK/1/1/0)

Vor zwei Jahren wurde der 100. Todestag des Abenteuerromanautors Karl May (1842-1912) in den Medien ausgiebig begangen. Ein deutscher Finanzpolitiker, begeisterter Leser von Mays Wildwestgeschichten, wollte gar die Kavallerie ins Nachbarland der Alpenindianer reiten lassen, um dort frei nach der Erzählung „Der Schatz im Silbersee“ vor dem Fiskus versteckte Vermögen germanischer Bleichgesichter auszuheben.

„Der Schatz im Silbersee“, als Buch erstmals 1894 vor 110 Jahren erschienen, spielt wie weitere Wildwestwerke vor dem Hintergrund der verkehrstechnischen Erschliessung des nordamerikanischen Kontinents mit Bahnlinien. Schienenbau und Überfälle von Eingeborenen auf das „Feuerross“ oder von weissen Banditen auf Dampfeisenbahnzüge sind wiederkehrende Handlungsmotive. Im ersten Band der „Winnetou“ Trilogie wird ein aus Deutschland eingewanderter Hauslehrer, der spätere Old Shatterhand, aufgrund seiner Vorkenntnisse nach gründlicher Prüfung von der Atlantic and Pacific Railroad Company als Vermessungsingenieur angestellt.

Woher hatte Karl May sein technisches Wissen? Ein Hinweis findet sich in den Akten der Studierenden der ETH Zürich. Ein Einschreibebogen belegt, dass Karl May im Wintersemester 1860/61 am Eidgenössischen Polytechnikum den mathematischen Vorkurs besuchte. Einige Semester später ist er abgelichtet auf der Erinnerungsfotografie des 3. Kurses der Ingenieurschule von 1862 im Kreise seiner Kommilitonen und Professoren, vor der Kulisse des kurz zuvor erbauten Wipkinger Eisenbahnviadukts und der dahinter liegenden Stadt Zürich mit dem See und den Voralpen in der Ferne.

Zürich, ETH Zürich, Ingenieurschule, 3. Kurs

Ausschnitt aus: Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs 1862

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Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs, 1862 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv,  Portr_10676-FL)

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28.03.2014

Eine Postkarte aus Japan zur Kirschbaumblüte (Hanami)

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Tokyo, Ueno park, Cherry Blossom

 (Fel_043408-RE) Tokyo, Ueno park, Cherry Blossom

Japaner lieben die Kirschenblüte. Das sieht man auch an der grossen Zahl Cherry Blossom-Postkarten, die in der Postkartensammlung Adolf Feller im Bildarchiv vorhanden sind. Die abgebildete Karte wurde am 19.4.1923 von G. Otomune an Adolf Feller gesandt.

Die Japanische Blütenkirsche beginnt je nach Region in den ersten wärmeren Apriltagen zu blühen. Die Blüte dauert nur wenige Tage und die Menschen begeben sich für Spaziergänge, Picknicks, Parties und Festivals unter die Blütenpracht. Laut Hans Spörry, über den hier bereits berichtet wurde, gibt es ein zum Anlass passendes Sprichwort: „Selbst die Katze und der Schöpflöffel sind ausgegangen“, „neko mo shakushi mo (猫もしゃくしも)“  – siehe Hans Spörry: Die Verwendung des Bambus in Japan und Katalog der Spörry’schen Bambus-Sammlung (Zürich, 1903, S. 64).

Links:

Die Wanderung der Kirschenblüte von Süden nach Norden wird jedes Jahr mit Spannung erwartet und dokumentiert: http://www.jnto.go.jp/sakura/eng/index.php

Postkartensammlung Adolf Feller: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2010/01/22/die-postkartensammlung-von-adolf-feller/

Beitrag zu Hans Spörry vom 7.3.2014: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2014/03/07/ein-schweizer-im-kimono/

 

 

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21.03.2014

Von der ETH zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs: Die Zürcher Studienjahre des späteren serbischen Ministerpräsidenten Nikola Pašić

Als der 23-jährige Nikola Pašić im Jahr 1868 aus Belgrad in Zürich eintraf, wäre er am liebsten gleich wieder abgereist. Mit einem Stipendium der serbischen Regierung sollte er sich am Polytechnikum zum Bauingenieur ausbilden lassen, doch Pašić hatte Mühe mit dem Schweizerdeutschen und hätte seine rudimentären Deutschkenntnisse lieber im benachbarten Süddeutschland aufgebessert, was das zuständige Ministerium jedoch ablehnte. So blieb er in Zürich und begann sein Studium an der späteren ETH.

In Zürich gab es damals bereits eine grosse Kolonie russischer Studierender (Männer und Frauen), zu der sich nun auch serbische Studierende gesellten. Pašić war ein aktiver Teil dieses radikalen, revolutionären, im weitesten Sinn sozialistischen Milieus. Eine besonders enge Freundschaft verband ihn mit Svetozar Marković (1846-1875), der ebenfalls an der ETH studierte (wenn auch nur als Fachhörer) und sich als erster Serbe publizistisch mit dem Thema Sozialismus auseinandersetze. Pašić organisierte in Zürich regelmässige Treffen der serbischen Studierenden und hielt in dieser Runde selbst Referate zu so verschiedenartigen Themen wie Bewusstsein, Ehrlichkeit oder die Schädlichkeit des Fluchens. Zudem arbeitete Pašić  in einer Druckerei, die sozialistische Propaganda-Broschüren herstellte, die dann nach Serbien geschmuggelt wurden.

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Der langjährige serbische Ministerpräsident Nikola Pašić
(Wikicommons, Petrović: Serbia, Her People, History, and Aspirations, London 1915)

Nach sechs Semestern Bauingenieur-Studium verliess Pašić die ETH ohne einen regulären Studienabschluss. Nach einem kurzen Praktikum beim Bau der Eisenbahnlinie Wien-Budapest, wandte er sich endgültig der Politik zu. Nach 30 turbulenten Jahren gelang es ihm 1903, nach dem Putsch im Zusammenhang mit dem Mord am serbischen König, sich permanent an der Spitze des serbischen Staates zu etablieren. Er war Parteipräsident der Radikalen Volkspartei (Bauernpartei) und amtierte bis zu seinem Tod 1926 immer wieder als Ministerpräsident oder Aussenminister (oder gleich beides).

Mit Beginn der Ära Pašić verschlechterten sich die Beziehungen zum Nachbarn Österreich-Ungarn zusehends, während sich die Kontakte zu Russland verfestigten. Innenpolitisch wurde Pašić immer stärker in einen Machtkampf gegen eine Gruppe von Offizieren verwickelt, die mit terroristischen Mitteln die Schaffung eines  „Großserbien“ zu beschleunigen versuchten. Im Frühjahr 1914 verdichteten sich die Pläne dieser (mehr oder weniger geheimen) Organisationen, einen Mordanschlag auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand zu verüben. Pašić selbst wusste wohl mehr über diese Attentatspläne, als ihm lieb war.

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Die „Princip-Brücke“ in Sarajevo in einer Aufnahme von 1936, heute wieder „Lateiner-Brücke“.
In der Nähe der Brücke gab Gavrilo Princip die tödlichen Pistolenschüsse auf Thronfolger Franz Ferdinand ab.
(ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia 247-09656, Fotograf: Leo Wehrli)

Nach der Ermordung des Thronfolger-Ehepaares in Sarajevo am 28. Juni 1914 unterliess Pašić eine Untersuchung der Verbindungen der Attentäter zur serbischen Staats- und Militärführung. Seine ablehnende Antwort auf das österreichisch-ungarische Ultimatum war zwar diplomatisch formuliert, bedeutete jedoch einen weiteren Schritt in Richtung Krieg. Wie für viele andere serbische Nationalisten stand auch für Pašić fest, dass letztendlich nur ein Krieg die Träume von „Großserbien“ verwirklichen konnte.

Pašić gehört somit zu den Hauptakteuren der europäischen Krise im Sommer 1914 und damit auch zu den „Schlafwandlern“, die „wachsam, aber blind“ (Christopher Clark) den Ersten Weltkrieg auslösten.

Gedenktafel Pasic

Gedenktafel am Seilergraben Nr. 9 in Zürich,
wo Pašić während seiner Studienzeit am Polytechnikum gewohnt hatte.
(Hochschularchiv der ETH Zürich, 2014, Lisa Oberli)

In Zürich erinnert noch heute eine Gedenktafel an Nikola Pašić und seine Studienzeit in Zürich. Gestiftet hatte die Tafel 1939 der schweizerisch-jugoslawische Verein, unterstützt von ETH-Professoren, allen voran Leopold Ružička (1887-1976), der noch im selben Jahr den Nobelpreis für Chemie entgegennehmen konnte.

 

 

Im Hochschularchiv der ETH Zürich findet sich die Matrikel von Nikola Pašić.

Im Stadtarchiv Zürich finden sich Informationen zur Gedenktafel am Seilergraben.

Sofija Skorić: „The Populism of Nikola Pašić: The Zürich Period.” East European Quarterly, 14, 4, 1980, S. 469-485.

Žarko Milošević: Mladi Pašić. Beograd 1994

Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. München 2013

 

 

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14.03.2014

Bilderrätsel

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Unbekannt

Das Bild stammt aus dem Bestand des Swissair Archivs und wurde vermutlich in den fünfziger Jahren gemacht, könnte aber auch älter sein. Es handelt sich um ein Glasplattennegativ von 13 x 18 cm. Das abgebildete mobile Objekt hat wahrscheinlich etwas mit der Luftfahrt zu tun. Was könnte es sein? Wie immer freuen wir uns auf Hinweise aus der Leserschaft.

Übrigens immer noch ungelöst ist das Bilderrätsel vom 28.06.2013: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2013/06/28/bilderratsel-3/

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07.03.2014

Ein Schweizer im Kimono

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Spörry, Hans (1858-1925)

 Hans Spörry im Kimono, Shibu-Onsen, 28.09.1896 (Portr_16315)

Der Zürcher Kaufmann, Sammler und Schriftsteller Hans Spörry (1858-1925) weilte von 1890 bis 1896 im Auftrag der Seidenfirma Ziegler & Merian in Japan. Auf Wunsch seines Bekannten Carl Schröter, Professor für Botanik am Eidgenössischen Polytechnikum, sammelte Spörry Gegenstände des Japanischen Alltags und konzentrierte sich dabei vor allem auf Objekte aus Bambus. Aus dieser eingehenden Beschäftigung mit dem vielseitigen Naturmaterial ging schliesslich die Publikation Die Verwendung des Bambus in Japan und Katalog der Spörry’schen Bambus-Sammlung (Zürich, 1903) hervor. Darin eingebunden finden sich zwei Originalfotografien, die oben abgebildete und eine weitere mit seinem Porträt.

Das Bild von Spörry im Kimono wurde im beliebten Thermalkurort Shibu-Onsen aufgenommen. Offenbar schätzte der Schweizer die Japanischen Bäder, die mit 40 bis 42 Grad Celsius eher warm sind. Auch schien er trotz seiner Arbeit als Seideninspektor und Sammler genug Musse zu haben, ausgedehnte Ausflüge zu unternehmen: „Im Osten ist man so vernünftig nicht im Büro zu sitzen, wenn keine Arbeit vorhanden ist. Beinah jeder hat die Freiheit, diese Unterbrüche nach seinem Belieben auszunützen […] (Mein Lebenslauf, II, S. 155).“

Literatur:

Hans Spörry:Die Verwendung des Bambus in Japan und Katalog der Spörry’schen Bambus-Sammlung (Zürich, 1903)

Hans Spörry:Mein Lebenslauf (Zürich,1924-1925)

 

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28.02.2014

„Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“ – das Frobenische Druckersignet

Filed under: *Bestände,Alte und Seltene Drucke,Geistes- und Sozialwissenschaften — Martin Bosshard @ 10:00

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Abb.: Druckermarke von Johann Froben (Frobenius)

Sie fungierten als eine Art Urhebernachweis und sollten die Druckschriften gegen den unrechtmässigen Nachdruck durch Dritte schützen: Die Druckermarken oder auch Druckersignete genannt. Diese wurden von den ersten Verlegern von Druckerzeugnissen den Büchern beigefügt, um deren Herkunft eindeutig zu kennzeichnen. Da es aber im 15. und 16. Jahrhundert kein verbindliches Urheberrecht gab, entwickelten sich die Marken immer mehr zu einem wichtigen Bestandteil der Buchdekoration. Und dazu stellten sie auch eine Art Schlüssel zum Buch dar, indem sie dem Kenner eine Form von Qualitätsraster ermöglichten. Denn die Signete standen weniger für ihre künstlerische Qualität (auch wenn das hier gezeigte Beispiel von Hans Holbein d.J. stammt), als vielmehr für die Qualität der Verlagsprodukte. Ob man sich also für ein Buch eines gewissen Verlegers entschied, hing auch vom Sinngehalt seiner Druckermarke ab. Zudem zeigte sie auch die Position eines Verlegers im Umkreis seiner Konkurrenten sowie seine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Gelehrtenkreis auf.

Seit dem Jahr 1515 benutzte Johann Froben diese Druckermarke mit einem Schlangenheroldstab des Merkurs bzw. Hermes‘ mit der thronenden Taube, den zwei sich empor schlängelnden Schlangen und den den Stab umfassenden Händen nach dem aus dem Matthäusevangelium stammenden Bibelspruch „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“. Was aber konnte ihn dazu bewogen haben, Holbein mit gerade diesem sowohl antiken als auch biblischen Motiv zur Gestaltung seines Signets zu beauftragen? Froben war für seine sorgfältig editierten Ausgaben sowohl der antiken Klassiker, als auch des Neuen Testaments bekannt. Ab 1513 konzentrierte er sich ganz auf das wissenschaftliche Terrain und entwickelte sich zum bedeutendsten Drucker Basels und wurde zum Mittelpunkt des deutschen Humanismus. Er editierte auch die Texte von Erasmus von Rotterdam, mit dem er sich anfreundete. Diese inhaltliche Ausrichtung, verbunden mit der Qualität seiner Arbeit im sogenannten „schwarzen Gewerbe“, wurde international geschätzt. Trotzdem ist von seinem Sohn überliefert, dass der Vater nach seinem Tod der Familie „mehr Ruhm als Geld“ hinterlassen hat. Vielleicht erklärt diese Tatsache doch ein Hang eher zum Mystisch-Religiösen und somit den Bibelspruch als Auslöser seiner Wahl des Motivs für die Druckermarke.  „Seid klug wie die Schlangen“, also listig und schlau, vielleicht auch vorsichtig im Sinn von „auf der Hut sein“ und gleichzeitig „ohne Falsch wie die Tauben“, will heissen: arglos und vertrauensvoll.  Vertrauen in die Qualität von Frobens Arbeit?! Vorsicht in der Wahl des Verlegers und Druckers?! Ausserdem war 1519 bei Froben die lateinisch-griechische Ausgabe des Neuen Testaments in der Edition von Erasmus von Rotterdam herausgekommen. Andererseits spielte die Antike in Frobens Druckerleben doch eine wesentliche Rolle und der Heroldstab mit den hinaufzüngelnden Schlangen symbolisiert bei den Alten Griechen den Handel. Gewiss ist, dass das  Signet wohlüberlegt und raffiniert ausgewählt worden war, wenn man davon ausgeht, dass die Druckermarken quasi erste Schlüssel zum Buch darstellen!

Die hier gezeigte Abbildung stammt aus Rar 3119 und ist digital einsehbar. Weitere Werke des 16. Jahrhunderts aus der Frobenischen Druckerei finden sich im Wissensportal via Plattform e-rara.ch.

Literaturhinweise:

Reske, Christoph: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts. Harrassowitz Verlag, 2007

Wendland, Henning: Signete – Deutsche Drucker- und Verlegerzeichen 1457-1600. Schlütersche Verlagsgesellschaft, 1984

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