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14.06.2013

„Prima di essere ingegneri voi siete uomini“ – „Bevor ihr Ingenieure seid, seid ihr vor allem Menschen“

Dieses Zitat steht auf einer steinernen Tafel im Andenken an Francesco de Sanctis (1817-1883), welche sich im Hauptgebäude der ETH Zürich in der Nähe des Auditorium Maximum befindet. Der italienische Geistes- und Literaturwissenschaftler hatte von 1856-1860 die erste Professur für Italienische Literatur an der ETH inne. Die Gastprofessur für italienische Literatur- und Kulturwissenschaft trägt noch heute seinen Namen (Cattedra de Sanctis).

„in questo politecnico rivelo … enthüllte er in glanzvoller Weise den jungen Leuten die Schönheit der grossen poetischen Werke und der sich in ihr spiegelnden reinen und würdevollen Gedankenwelten …“

Fotografie der Gedenktafel von Franceso de Sanctis, ETH-Bibliothek, Bildarchiv, doi: 10.3932/ethz-a-000045371

Die Gedenktafel enthüllt indes auch folgendes: De Sanctis ist als Flüchtling nach Zürich gekommen („esule in libera terra“). 1848 in Italien zum Minister des öffentlichen Unterrichts berufen, musste der liberal gesinnte de Sanctis 1850 zur Zeit der Reaktion für drei Jahre in Neapel ins Gefängnis. Diese Jahre nutzte er, um sich profunde Kenntnisse der deutschen Sprache anzueignen. Er übersetzte Gedichte von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang Goethe und Hegels Wissenschaft der Logik (dt. 1812/1816) ins Italienische. Nach seiner Entlassung ging er trotz behördlicher Weisung nicht in die USA, sondern tauchte unter und verblieb schliesslich in Turin.

Mit Hilfe des italienischen Kunsthistorikers und Politikers Gianlorenzo Morelli (1816-1891) versuchte nun der Schweizer Geologe Arnold Escher von der Linth (1807-1872) – seinerseits ab 1856 ebenfalls Professor am Polytechnikum – den berühmten italienischen Literaturkritiker ins liberale Zürich an die neu gegründete Ingenieurschule zu holen. Dies nicht ohne Schwierigkeiten, wie untenstehender Brief Morellis, der fliessend Deutsch sprach, an Arnold Escher von der Linth aufzeigt:

„[..] Seit Empfang Ihres Briefes, (d. 11ten Novb.) schrieb ich bereits zum viertenmal nach Turin. Da ich auf meine drei ersten an De Sanctis gerichteten Briefe keine Antwort erhielt, obwohl ich darin natürliche[r]weise auf eine solche drang, so mußte ich auf den Verdacht gerathen, daß entweder De Sanctis meine oder ich seine Briefe nicht empfangen habe. An mich gerichtete Schreiben haben sehr oft die Ehre gehabt erbrochen zu werden, u. da De Sanctis als polit. Flüchtling u. freisinniger Schriftsteller nicht eben bey allen Regirungen des civilsierten Europa wohl angeschrieben seyn müs[s]te, so dürfte meine Vermuthung, daß meine Briefe an ihn an irgend einem Ha(c)ken unterwegs stecken geblieben seyen, nicht als zu kühn betrachtet werden. […]“

Seite 1 aus dem Brief von Gianlorenzo Morelli an Arnold Escher von der Linth, 30. Nov. 1855, ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 4:1262, doi: 10.7891/e-manuscripta-10242

„Wie ich de Sanctis kenne, so wird ihn – falls nicht gewichtigere Gründe u. Hindernisse da sind – das geringe Honorar von 2,000 frcs. nicht abhalten, einem so ehrenvollen Rufe zu folgen. Vorderhand aber muß ich Sie, verehrter Herr, angelegentlichst bitten diese Angelegenheit unter Ihre Protection nehmen zu wollen u. Ihre verehrl. Collegen in Bern um geduldige Nachsicht anzugehen. Ein paar Wochen Zeit ist kein Verlust, wenn es sich um die Acquisition eines Mannes, wie de Sanctis ist, handelt. Binnen acht Tagen hoffe ich Ihnen eine bestim[m]te Antwort geben zu können, u. sollte ich mich des Telegraphen bedienen, um mit Turin zu correspondiren. Ich werde unseren Feinden nicht so leicht gewon[n]enes Spiel geben.“

Ausschnitt aus Seite 2 des Briefs von Gianlorenzo Morelli an Arnold Escher von der Linth, 30. Nov. 1855, ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 4:1262, doi:10.7891/e-manuscripta-10242

Arnold Escher von der Linths erfolgreiches Bemühen um De Sanctis‘ Berufung ans Eidgenössische Polytechnikum, das damals bei seiner Gründung 1854/55 noch keine Hochschule war, ist ein gutes Beispiel für gelungenes Networking. Es galt, bedeutende Gelehrte und Professoren an der neuen Ingenieurschule zu verpflichten. Man liess Beziehungen und Kontakte im In- und Ausland spielen, um an geeignete Kandidaten heranzutreten. Das berühmteste Beispiel ist wohl der Brief des in Zürich weilenden Richard Wagner an Gottfried Semper vom August 1854, den Wagner auf Bitten von Regierungsrat Sulzer schrieb. Gottfried Semper, der im Februar 1855 zum Professor in Zürich berufen wurde, bot man übrigens das doppelte Gehalt von de Sanctis an, nämlich 4000 fr, dazu „nicht unbedeutende Collegien-Gelder“.

De Sanctis lehrte vier Jahre am Polytechnikum. Interdisziplinarität war ihm ein grosses Anliegen. Er wollte mit seinen Gedanken die Studenten zu ganzheitlichen Menschen heranbilden. Es gäbe noch etwas anderes neben dem Ingenieur, nämlich den „Bürger“, den „Gelehrten“, den „Künstler“. Bildung war für ihn ein allumfassendes Allgemeingut und grundlegendes Menschenrecht.

1860 kehrte de Sanctis nach Italien zurück und wurde 1861 erster Bildungsminister im neu ausgerufenen Königreich Italien unter Vittorio Emanuele II. (1861-1878) und Ministerpräsident Camillo Graf Benso di Cavour (1810-1861). Das Amt des Ministers des öffentlichen Unterrichts sollte de Sanctis unter den Nachfolgern von Cavour 1878 und 1879-1880 noch zweimal innehaben. Als Politiker und Literaturwissenschaftler wirkte er aktiv im jungen Italien mit, er führte unter anderem eine Grundschulbildung für alle ein und war prägend für die Entwicklung einer italienischen Nationalliteratur.

Quellen und Verweise:

07.06.2013

Als in Zürich und Lausanne noch Wildnis herrschte… zwei Bilder aus „die Urwelt der Schweiz“ von Oswald Heer

Filed under: Alte und Seltene Drucke,Bestände,Paläontologie — Martin Bosshard @ 14:46

Abb. 1: “Zürich zur Gletscherzeit”

„Der erste Bär tauchte gegen Frühjahr auf. Er lief durch die Bahnhofunterführung…“ schrieb 1982 der Schweizer Schriftsteller Franz Hohler in seinem Buch „Die Rückeroberung“.

Wilde Tiere in der Stadt? Der Widerstand gegen die sich ungehindert ausdehnenden Grossstädte war eine der Haupttriebfedern des Naturschutzes, der sich anfangs 20. Jahrhunderts zum Erhalt der Natur formierte. Heute erobern Fuchs und Dachs die Städte zurück, Wölfe ziehen ihre Kreise um Chur oder Bellinzona und der Bär trottet zwar noch nicht durch die Zürcher Bahnhofstrasse, aber im Engadin taucht er doch hin und wieder auf.

Vielleicht nähern wir uns ja wieder Verhältnissen prähistorischer Zeiten, als in Zürich, nach Vorstellung der beiden Illustratoren Buri und Jeker, murmeltierartige Wesen umhertollten und Mammuts ihr Unwesen trieben. Ob das eiskalte Gletscherwasser wohl tatsächlich als Hirschtränke diente und ob die Felsmassive im Hintergrund bereits die uns heute so vertraute Form der Glarner Alpen aufwiesen?  Vielleicht entspringen diese Vorstellungen doch eher der romantisierenden Phantasie zweier Illustratoren aus dem 19. Jahrhundert?

In ganz anderem „Kleid“ präsentiert sich Lausanne zur „Miocenen-Zeit“. Am lauen Genfersee inmitten einer üppigen Pflanzenwelt voller Farne und subtropischer Gewächse. Statt Hirsche und Murmeltiere sehen wir Saurierwesen, welche mit ihren langen Rüsseln ein wenig an Ameisenbären erinnern.

Oswald Heer (1809-1883) zeigte bereits früh Interesse für die Tier- und Pflanzenwelt und studierte dennoch zunächst Theologie. Später wurde er Privatdozent für Botanik und Entomologie an der Universität Zürich sowie Direktor des Botanischen Gartens. Seit 1855 war er Professor für spezielle Botanik am neuen Polytechnikum. 1865 erschien das mehrfach neu aufgelegte Werk „Die Urwelt der Schweiz“, in dem Heer die geologische Vergangenheit der Schweiz allgemein verständlich darlegt. Heer hatte Kontakt zum britischen Naturforscher Charles Darwin und spätestens seit dessen Überlegungen zur Evolution wissen wir, dass Leben Veränderung bedeutet. Heer war sich aber mit Darwin uneinig, wie diese Veränderungen von statten gingen, verwarf er doch dessen Abstammungstheorie. Der studierte Theologe glaubte an eine Umprägung der Arten durch eine Art „Schöpfer“. Etwas von jenem schöpferischen Geist durchdringt auch ein wenig diese beiden Stiche.

 

Abb. 2: “Lausanne zur Miocenen-Zeit”

http://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-11638

http://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_Heer

03.06.2013

Auflösung des Bilderrätsels vom 24.05.2013

Filed under: Bildarchiv,Physik — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Hallraumlaboratorium (Dia_221-015)

Knapp eine Woche nach Erscheinen des Beitrags über ein enigmatisches physikalisches Experiment hat Sabine von Fischer vom Institut gta das fragliche Bild zufällig auf dem Bildschirm im Lesesaal Sammlungen und Archive entdeckt. Sie konnte uns sehr genau über die Hintergründe Auskunft geben und hat noch am selben Abend einen Kommentar verfasst:

Es handelt sich hier um das 1929 eingerichtete Hallraumlaboratorium von Franz Max Osswald im Raum 35a im Untergeschoss des Hauptgebäudes der E.T.H. 1932-1933 für die Doktorarbeit von Hans Frei (“Elektroakustische Untersuchungen in Hallräumen”, 1935), aber wohl auch für andere Experimente wurden Teppiche aufgehängt, um die Resonanzen des Raums zu dämpfen. Gemäss den Angaben von Dieter Weidmann (Institut gta) befindet sich der Raum in der Südwestecke des südlichen Innenhofs in Gulls Untergeschossgrundriss.

Direkt neben dem Hallraumlaboratorium befand sich ein Messraum, in welchem die Resultate aufgezeichnet wurden:

Messraum (Dia_221-013)

Die Dissertation von Hans Frei, für welche die Fotos gemacht wurden, ist digital einsehbar: http://e-collection.library.ethz.ch/view/eth:20638. Darin werden neben anderen Sponsoren auch die „Teppichfirma Forster & Co. in Zürich für die kostenlose Lieferung hochfloriger Orientteppiche für die Dämpfungsversuche im Hallraum“ verdankt.

Wir haben die Bilder mittlerweile korrekt beschlagwortet und bedanken uns bei Sabine von Fischer ganz herzlich für die Lösung des Rätsels.

Link:

Forschungsprojekt von Sabine von Fischer: http://www.stalder.arch.ethz.ch/dissertationen/hellhoerige-haeuser-br-raum-klang-architektur-19201970

 

31.05.2013

Beim Regen

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Meteorologie, Klimatologie — Roland Lüthi @ 7:00

 

Beim Regen

 

Liebe Sonne, scheine wieder,

Schein’ die düstern Wolken nieder!

Komm mit deinem goldnen Strahl

Wieder über Berg und Tal!

 

Trockne ab auf allen Wegen

Überall den alten Regen!

Liebe Sonne, lass dich sehn,

Dass wir können spielen gehn!

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

 
Das Bild aus dem Bestand der Fotoagentur Comet wurde im September 1952 in Zürich aufgenommen.

24.05.2013

Bilderrätsel

Filed under: Bildarchiv,Physik — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

„ETH Zürich, Physikgebäude, Div. Innenaufnahmen. s/w Diapositiv 8,5×10 cm” (Dia_221-015)

Es gibt Bilder im Bestand, die dem Laien Rätsel aufgeben und ihn trotz aller Faszination ratlos zurücklassen. Vermutlich stammt die Aufnahme aus den 1950er Jahren. Beim Objekt auf den Boden scheint es sich laut unserem Fachreferenten für Physik um eine physikalische Versuchsanordnung für Ausbildungszwecke zu handeln (ein mechanisches Experiment zu Schwingungen?). Wozu dann aber die Teppiche an den Wänden? Dienen sie als Schallschutz? Was wird hier experimentiert oder demonstriert?

Vielleicht lässt sich hier im Blog etwas Crowdsourcing betreiben? Physikkundige LeserInnen dürfen also gerne die Kommentarfunktion nutzen.

 

17.05.2013

Landschaft im Wandel – Fotografien der Stiftung Documenta Natura (1987-2010)

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Michael Gasser @ 7:00

Veränderung der Landschaft durch die Linse der Documenta Natura: Blick über die Autobahn auf Schöngrün vor/während/nach dem Bau des Zentrums Paul Klee (2001-2007), Bern. Panoramaaufnahme 2-teilig (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia_303-00112 und Dia_303-00118; Dia_303-00127 und Dia_303-00131; Dia_303-00151 und Dia_303-00155).

Der Name der 1987 in Bern gegründeten Stiftung war Programm: Unter der Bezeichnung Documenta Natura widmete sich die Stiftung der Aufgabe, Veränderungen in der Schweizer Landschaft mit fotografischen Mitteln zu dokumentieren. Dem Gedanken des Natur- und Heimatschutzes verpflichtet, kamen als Motive primär Eingriffe des Menschen in noch unverbaute Landschaft und einschneidende bauliche Veränderungen zulasten historischer Ortsbilder in Frage. Es entstanden Vorher-Nachher-Bilder von neuen Strassen und Autobahnen, von Eisenbahntrassen für die Bahn 2000, von Lawinenüberbauungen im Alpenraum oder von alten Häusern und den Neubauprojekten, denen diese weichen mussten. Wie die Aufnahmen des Zentrums Paul Klee im Parkgelände an der Autobahn zeigen, wurden aber auch Bauprojekte im Bild festgehalten, deren Architekten auf die enge Wechselwirkung zwischen Bauwerk und Umgebung explizit grossen Wert legten. Fotografisch dokumentiert wurden zudem grössere Bergstürze oder Sturmschäden an Wäldern. Folgeaufnahmen, die im Abstand von ein bis mehreren Jahren an Orten solcher Naturereignisse gemachten wurden, zeigen, wie sich die entstandenen Schäden und ergriffenen Massnahmen wie z.B. Aufforstungen über einen längeren Zeitraum auswirkten.

Als professionell geführte Dokumentation legte Documenta Natura beim Aufbau ihres Fotoarchivs grössten Wert auf Beständigkeit, Nachprüfbarkeit und ausführliche Beschreibung. Zu jeder Aufnahme wurden Objekt, Kamerastandort und -einstellungen, Blickrichtung und Datum exakt festgehalten. Als Bildträger wurde konsequent analoges Filmmaterial eingesetzt. In vielen Fällen wurde eine Bildserie zusätzlich auf äusserst beständigem Schwarz-Weiss-Film festgehalten. Die gesamten Informationen zu den rund 1‘300 dokumentierten Motiven mit insgesamt über 45‘000 Bildern wurden in einer Datenbank festgehalten.

Ende Juli 2010 musste Documenta Natura aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung ihren Betrieb einstellen. Im Rahmen ihrer Auflösung übergab die Stiftung ihre gesamte Bilddokumentation samt zugehörigen Metadaten dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek. Dort stehen die Bilder für Forschung und interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung. Etwa als Informationsquellen zu bestimmten Landschaftsveränderungen oder als Korpus für kulturhistorische Fragestellungen zur Auswahl der fotografisch dokumentierten Motive. Eine grössere Anzahl von Bildern aus dem Documenta Natura Bestand wird derzeit digitalisiert und sukzessive über die BildarchivOnline-Datenbank online zugänglich gemacht.

10.05.2013

Fragwürdiges Schlagzeug: Der Hammer des Geologen Eduard Suess

Filed under: Bestände,Geologie,Hochschularchiv ETHZ — Tags: , — Yvonne Voegeli @ 7:00

Hammer von Eduard Suess (ETH-Bibliothek Zürich, Hochschularchiv. Foto: Lisa Oberli)

Warum, wann, wie kam der Hammer des österreichischen Geologen Eduard Suess (1831-1914) in die Schweiz, nach Zürich, an die ETH-Bibliothek? Ein aufmerksamer Mitarbeiter vermerkte 1987 in einem internen Zettelkatalog die Existenz des Werkzeugs. Die Beschriftung „E Suess“ auf dem Schaft unterhalb des Hammerkopfes hatte ihn auf die Spur des ursprünglichen Besitzers geführt. Doch eine Zuordnung zu einem der in die ETH-Bibliothek gelangten Nachlässe von Geologen oder zu Archivalien aus dem Geologischen Institut fehlt.  

Eduard Suess (1831-1914), Professor an der Universität Wien, sammelte selber Steinklopfgeräte aus dem Besitz seiner Kollegen, darunter auch von Arnold Escher von der Linth (1807-1872)  und von Albert Heim (1849-1937) , beide nacheinander Inhaber der Doppelprofessur für Geologie an der Universität und an der ETH Zürich. Wie Suess zu den Sammlungsstücken kam, scheint heute nicht mehr in jedem Einzelfall nachweisbar zu sein. 

Detail des Hammers von Eduard Suess: „Marteau offert par Suess“ (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv. Foto: Lisa Oberli) 

Laut einer mündlichen Überlieferung sollen Albert Heim und Eduard Suess ihre Hämmer getauscht haben. Die französische Beschriftung mit Tinte am Ende des Stiels von Suess‘ Hammer an der ETH-Bibliothek, „Marteau offert par Suess“, will zu dieser Überlieferung allerdings nicht so recht passen. Weshalb hätten zwei deutschsprachige Geologen ihr Tauschobjekt französisch beschriften sollen? Wer also beschriftete den Hammer und zu welchem Zeitpunkt? 

Ein Geologenhammer war zudem kein beliebiger Alltagsgegenstand, sondern ein Spezialinstrument, abgestimmt auf den Forschungsbereich und die persönlichen Bedürfnisse des oder der Forschenden. Ein Tausch wäre somit für beide Seiten ein Verlust des für die eigene Arbeit tauglichsten Instruments gewesen. Wenn ein Tausch stattfand, dann wohl kaum leichtfertig, sondern eher aus besonderem Anlass. 

Solche Anlässe bot seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Kontroverse über den Bau der Alpen. Heim arbeitete eine von seinem Vorgänger Escher erwogene Deutung der verkehrte Altersabfolge von Gesteinsschichten im Glarner Gebirge systematisch zur Doppelfaltentheorie aus. Doch 1884 interpretierte der französische Geologe Marcel Bertrand (1847–1907) die präzisen Aufzeichnungen Heims um zu einer einheitlichen Schubmasse. Während Heim unbeirrt an der bisherigen Erklärung der Glarner Gebirgsformation festhielt, war Suess spätestens 1892 nach einem Augenschein in den Glarner Bergen von der neuen Idee angetan.

Die Vorstellung ist reizvoll, daraufhin habe der hinkende Heim mit dem flammend roten Bart seiner Jugendzeit – eine perfekte Verkörperung des antiken Feuer- und Schmiedegottes Hephaistos oder Vulcanus – wutentbrannt seinen Hammer dem treulosen Suess vor die Füsse geschleudert. Er hätte in einem solchen Moment den Hammer des Kollegen wohl kaum als Gegengabe akzeptiert.

 

Albert Heim, 1889 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_06339)

Tatsächlich reagierte Heim gelegentlich rabiat auf Zweifel an seiner Doppelfaltentheorie. Einem langjährigen Kritiker verweigerte er zum Beispiel kurzerhand die Teilnahme an der von ihm geleiteten Exkursion während des Internationalen Geologenkongresses 1894 in Zürich. Mutmasslich aus Rücksicht auf seinen Zürcher Gastgeber stimmte Suess nur zögernd zu, an diesem Kongress einen Vortrag zu halten, und lehnte dessen Publikation rundweg ab. Solche Vorkommnisse widersprechen  den „Erinnerungen“ von Suess, in denen er schreibt, Heim habe 1894 die neue Erklärung der Glarner Gebirgsformation akzeptiert. 

Ein Hammertausch 1892 oder 1894 zwischen Heim und Suess wäre hingegen denkbar als Bekräftigung der bisherigen gegenseitigen Wertschätzung trotz wissenschaftlich verschiedener Ansichten. Um die Bedeutung des Augenblicks zu unterstreichen, wechselten sie vielleicht in die damalige offizielle Wissenschafts- und Diplomatensprache (Suess war nicht nur Geologe, sondern auch Politiker) zur Beschriftung des Suess-Hammers. Wäre dann aber, falls die Beschriftung als Widmung an den Empfänger zu verstehen ist, nicht auch der jetzt in Wien liegende Heim-Hammer bis auf den unterschiedlichen Namen gleichlautend beschriftet oder mit einer sonstigen Widmung versehen worden?

 

Hans Schardt, ohne Jahr (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_00252) 

Statt eines Tauschs mit Heim wäre jedoch auch möglich, dass Suess am Geologenkongress 1894 oder zu einem späteren Zeitpunkt seinen Hammer Hans Schardt (1858-1931) als Anerkennung für dessen Forschungsergebnisse anbot. Schardt, ein Schüler Heims, Dozent in Lausanne, danach Professor in Neuchâtel und zuletzt Heims Nachfolger in Zürich, untermauerte mit seinen Erkenntnissen, veröffentlicht 1893 und 1898, die Wahrscheinlichkeit von Bertrands These. Er erarbeitete die Grundlagen der Deckentheorie.

 

Maurice Lugeon, um 1905 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr 9852) 

Schliesslich gelang es Maurice Lugeon (1870-1953) , Professor an der Universität Lausanne, auf der Basis der bisherigen eigenen und fremden Untersuchungen eine allgemeine Deckentheorie für die Alpen zu entwerfen. Vor der Publikation vermochte Lugeon 1901 während eines Besuches in Zürich, den immer noch widerspenstigen Heim für seine Argumentation einzunehmen und ihn gar zu einem wohlwollenden offenen Brief im Anhang an die Veröffentlichung der eigenen Überlegungen 1902 zu bewegen. Ein geschicktes Vorgehen. Denn als Lugeon am Internationalen Geologenkongress in Wien 1903 seine Synthese präsentierte, nicht ohne gleichzeitig dem bekehrten Heim grösste Ehrerbietung zu erweisen, erhielt er vom Altmeister Unterstützung gegen die scharfen Reaktionen von empörten Kollegen.

 

Albert Heim, Die Glarner Falten. Obere Hälfte Doppelfalte nach Escher und Heim 1870-1903, untere Hälfte Deckfalte nach Bertrand 1883, Suess 1892, Heim 1903 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Nachlass Albert Heim, Hs 401:1243. Abbildung: ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Hs_0401-1243)

Suess hätte nun durchaus erst 1903 seinen Hammer Heim übergeben können zum Zeichen, dass der Zürcher Freund nach der öffentlichen Abkehr von seiner bisherigen Überzeugung künftig mit dem geeigneten Werkzeug, nämlich mit den neuen theoretischen Annahmen, weiterforschen möge. Im Falle eines Hammertauschs hätte Suess dann den Heim-Hammer als Trophäe einer endlich erledigten Irrlehre seiner Sammlung einverleiben können. 

Wegen der französischen Beschriftung scheint es allerdings unmittelbar einleuchtender, wenn Suess 1903 seinen Hammer Lugeon überreicht hätte für dessen brillanten Entwurf, der zahlreiche geologische Rätsel löste. Diese Möglichkeit könnte interpretiert werden als symbolische Übergabe der Alpenforschung vom damaligen Doyen der Disziplin an einen der vielversprechendsten Vertreter der jungen Geologengeneration, als Beginn einer neuen Aera.  

Vielleicht war der Hergang der Geschichte jedoch ganz anders:

Ein Tausch der persönlichen Instrumente zwischen Heim und Suess ist zur Erklärung der heutigen Standorte beider Hämmer nicht notwendig. Heim hätte zum Beispiel, wie manch anderer Geologe auch, dem geschätzten älteren Kollegen zu dessen 60. Geburtstag seinen Hammer geschenkt haben können ohne zeitgleiche Gegengabe des Jubilars. 

Ein Geschenk des Werkzeugs von Suess sowohl an Heim wie an Schardt oder an Lugeon ist möglich. Wegen der französischen Beschriftung scheint die Gabe an Schardt oder Lugeon plausibler als an Heim.

Heim mit Hammer, aber nicht dem von Suess, 1908  (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Hs_0494b-0115-054-AL)   

Da die Beschriftung des in Zürich liegenden Suess-Hammers nicht mit Sicherheit der Handschrift eines der genannten Geologen zugeordnet werden kann, ist überdies nicht auszuschliessen, dass erst jemand aus der Nachkommenschaft oder aus dem Geologischen Institut der ETH Zürich das Objekt beschriftete. 

Übrigens weist der Suess-Hammer am stumpfen Ende des Hammerkopfes bei der stielseitigen Kante einen rundumlaufenden feinen Riss auf. Hätte Suess somit sein lädiertes Instrument bei einem seiner Besuche in der Schweiz zurückgelassen oder es an einem der Kongresse in anderen Ländern leichthin dem erstbesten Interessenten überlassen und es damit entsorgt? War zu einer Trennung vom persönlichen Werkzeug also gar kein besonderer Anlass notwendig, da Suess ohnehin ein neues benötigte? Oder war erst dem nachfolgenden Besitzer beim Gebrauch des ungewohnten fremden Geräts ein Missgeschick passiert? 

Anmerkungen

Alexander Tollmann (1928-2007), späterer Betreuer der Suess Hammersammlung, erzählte vom Hammertausch zwischen Heim und Suess. Hinweis von Prof. Daniel Bernoulli, Basel per e-mail an die Autorin, 1. April 2013.

Literatur

- Brockmann-Jerosch, Marie/Arnold Heim: Albert Heim. Leben und Forschung, Basel 1952

- Congrès Géologique International, Compte Rendu, IX. Session, Vienne 1903, Vienne 1904

- Franks, Sibylle/Rudolf Trümpy: The Sixth International Geological Congress Zurich 1894. In: Episodes, Vol.28, no.3, pp. 187-192

- Heim, Albert: Lettre ouverte à M. le Professeur M. Lugeon [concernant la théorie des nappes de recouvrement], Zurich, 31 Mai 1902. In:  Bull. de la Soc. Géol. de France, 4e série, t. 1, pp. 823-825

- Heim, Albert: Geologische Nachlese Nr. 17, Über die nordöstlichen Lappen des Tessinermassives. In: V. Natf. G. Z., 51. Jg. 1906, pp. 397-402

- Heim, Albert: Geologische Nachlese Nr. 18, Die vermeintliche ‚Gewölbeumlegung des Nordflügels der Glarner Doppelfalte‘, südl. vom Klausenpass, eine Selbstkorrektur. In: V. Natf. G. Z. 51. Jg., 1906, pp. 403-431

- Klemun, Marianne: The Geologist’s Hammer – ‚Fossil‘ Tool, Equipment, Instrument and/or Badge? In: Centaurus, volume 53, issue 2, May 2011, pages 86-101

- Lein, Richard: Die Hammersammlung des Eduard Suess: Fakten und offene Fragen. In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt, Band 89, Wien 2011, pp. 37-38

- Suess, Eduard: Erinnerungen, Leipzig 1916

- Trümpy, Rudolf: The Glarus Nappes: A Controversy of a Century Ago. In: Controversies in Modern Geology, ed. D.W. Müller/J.A. Mc Kenzie/H. Weissert, London et al. 1991, pp. 385-404

03.05.2013

Weltkartenwerke

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Karten — Markus Appenzeller @ 7:00

IWC 1 : 1 000 000 Blatt SB 17

ONC 1 : 1 000 000 Blatt M 25

Die Blätter eines Weltkartenwerkes decken die ganze Erde oder wenigstens alle Kontinente ab. Das Erscheinungsbild und der Massstab sind einheitlich. Es sind kleinmassstäbige Karten, d.h. nicht sehr detailliert. Trotzdem sind sie manchmal die geeignetsten Karten, die von dünnbesiedelten Gebieten existieren oder erhältlich sind. Einem Kunden, der sich für eine topographische Karte vom Quellgebiet des Amazonas in der  Grenzregion Ecuador – Peru interessiert, würde ich 1 Blatt des Internationalen Weltkartenwerkes (IWK) 1:1 000 000 empfehlen. Er wäre wahrscheinlich zuerst enttäuscht, nichts Genaueres zu bekommen, würde ich ihm jedoch die ca. 20 Blätter eines genaueren Kartenwerkes (z.B. 1:250 000) zeigen, wäre er überfordert, weil er vor lauter Papier keine Übersicht über das Gebiet hätte, das ihn interessiert.

Das IWK 1:1 000 000, das seit den 80er Jahren nicht mehr systematisch weitergeführt wird, hat teilweise einen Ersatz durch die internationalen Luftfahrtkarten bekommen (z.B. Operational Navigation Chart (ONC) 1:1 000 000 oder Tactical Pilot Chart (TPC) 1:500 000). Neben den Informationen für die Luftfahrt enthalten die Karten wie bei normalen Übersichtskarten  topographische Informationen wie Ortschaften (allerdings nicht in der gleichen Dichte wie beim IWK), wichtige Strassen, Bahnlinien, Gewässer, Wälder etc. und ganz wichtig eine gut lesbare  Darstellung des Höhenreliefs mit Höhenangaben zu den höchsten Erhebungen (damit die Flugzeuge nicht in die Berge fliegen).

Ein langjähriger Kunde der Kartensammlung, der die genaue Reliefdarstellungen der ONC  1: 1 000 000 zu schätzen weiss, ist Ueli Läuppi. Ueli Läuppi, Ingenieurgeologe, Geograf und Kartograf aus der Zentralschweiz, hat mit Hilfe dieses Kartenwerkes eine ganz neue sehr anschauliche kartenähnliche Darstellung der Erde geschaffen. Sein Werk ist noch bis Mitte September als Sonderausstellung im Gletschergarten Luzern zu sehen: Ueli’s Maps, die Welt von Hand gezeichnet. Link zum Gletschergarten: http://www.gletschergarten.ch/Ueli-s-Maps.179.0.html. Nebst den Karten ist in der Ausstellung auch ein Video zu sehen. Es zeigt Ueli Läuppi bei seiner Arbeit bei sich zu Hause sowie als Kunde im Lesesaal Sammlungen und Archive der ETH-Bibliothek. Das Museum Gletschergarten hat für Ueli Läuppi in den Ausstellungsräumen  auch einen richtigen Arbeitsplatz eingerichtet. Wenn man Glück hat, kann man ihm bei seiner Arbeit über die Schultern schauen. Die Museumskasse gibt Auskunft über seine Anwesenheit (041 410 43 40).

Die erwähnten Weltkartenwerke sind im Lesesaal Sammlungen und Archive einsehbar:

Operational Navigation Chart (ONC) 1:1 000 000 http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&CON_LNG=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000464478

Internationale Weltkarte 1:1 000 000 http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&CON_LNG=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000464476

 

 

26.04.2013

Heisse Quellen im Fokus des Geologen Leo Wehrli

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geologie — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

Der reisefreudige Zürcher Geologe Leo Wehrli (1870-1954) hat sich für alle Fragen der Erdgeschichte, darunter auch die Thermalquellen interessiert. Daher finden sich im Bestand des Bildarchivs mehrere Glasdias von Thermalbädern im In- und Ausland. Meist wurden die Dias von seiner Ehefrau Margrit Wehrli-Frey koloriert.

Dia_247-15501: Leukerbad Rossgröll 45°C, aufsteigende Gasblasen (9. 8.1949)

Dia_247-08207: Gafsa, antikes Thermalbad-Bassin (1935)

 Dia_247-08584: Budapest, Gellert-Bad, Innen-Bassin und Quelle (1935)

 Zum Gellért Bad in Budapest schreibt Margrit Wehrli-Frey:

Das Gellértbad in Budapest war eines der grössten Hotels mit luxuriösen Badeeinrichtungen. Wir hatten Erlaubnis bekommen, die warme Quelle darin anzusehen, und betraten pünktlich wie verabredet die riesige Eingangshalle, wo uns der Herr Direktor sehr liebenswürdig empfing. […] Unser Führer in Badehosen öffnete mit einem grossen Schlüssel die schwere Eisentüre zur Unterwelt. Heisse feuchte Luft schlug uns entgegen. Die Türe schloss sich hinter uns, und dann ging’s auf einer Wendeltreppe einen Schacht hinunter in die Tiefe, bis ein Stollen seitlich abzweigte. Elektrisches Licht gab ziemlich hell, doch wurde es immer heisser, man hatte Mühe zu atmen. […] Allmählich senkte sich der Gang und hatte Wasser am Boden, das rasch tiefer wurde und 47 Grad heiss war. Wir hatten nur noch einen Wunsch: hinauf in normale Luft und Temperatur (S. 53).

Dia_247-14873: Budapest, St. Gellèrt-Quell-Schacht

Zitierte Literatur:

Margrit Wehrli-Frey: Reisen kreuz und quer: Fröhliche Erinnerungen eines Professorenpaares (Zürich, 1953).

 

 

 

19.04.2013

Lassen wir uns ein wenig über “Ampelografie” aus…

Filed under: Agrar- und Forstwissenschaften,Alte und Seltene Drucke,Bestände — Martin Bosshard @ 12:00

Beim Begriff „Ampelografie“ denken wohl die Wenigsten an Trauben und Rebbau! Doch genau in diesem Kontext  ist er einzuordnen. Ampelografie (von griechisch ampelos= Weinstock) zu deutsch Rebsortenkunde oder Rebenkunde, ist die Lehre von der Bestimmung und Beschreibung der Rebsorten und ihrer wissenschaftlichen Klassifizierung. Sie ist ein Teilgebiet der Önologie.

Abbildung von Weintrauben

            Abb. 1: “Ives” (Traubensorte)

Die Wissenschaft der Ampelografie begann sich ernsthaft erst im 19. Jahrhundert zu entwickeln, als Rebenkrankheiten und Schädlinge wie die Reblaus oder der Traubenwickler möglichst wirkungsvoll bekämpft werden mussten. Unterschiede, welche im Zusammenhang mit Widerstandsfähigkeiten beobachtet wurden, forderten eine exaktere Untersuchung und Beschreibung der Rebsorten. Es erstaunt somit nicht, dass nach Ende des 19. Jahrhunderts das erste monumentale Werk zum Rebbau und der Traube als Pflanze erschien, aus dem die 2 Abbildungen stammen: „Traité général de viticulture. Ampélographie. Von Pierre Viala. Das Werk ist bis heute die umfassendste und schönste Darstellung der botanischen Gattung der Weinreben. Zum ersten Mal stellten die bekanntesten Önologen des späten 19. Jahrhunderts einen fundierten Überblick zusammen, beinhaltend eine allgemeine Darstellung der Botanik der Traube und ihrer Anzucht, die Beschreibung und Abbildung sämtlicher damals bekannter Traubensorten, ein Wörterbuch der Rebsortenkunde und eine umfassende Bibliografie.

Der Autor Pierre Viala (geboren 1859 in Lavérune (Hérault), gestorben 1936) stammte aus einer Winzerfamilie, welche über ausgedehnte Weingebiete im Languedoc-Roussillon (Südwestfrankreich) verfügte. Nach Abschluss der landwirtschaftlichen Studien startete er eine wissenschaftliche Karriere mit dem Focus auf Krankheiten der Rebpflanze. Insbesondere die Bekämpfung der Reblaus lag ihm am Herzen, da diese seit ca. 1863 die europäischen Rebsorten innerhalb weniger Jahrzehnte fast vollständig vernichtet hatte. Viala war dank seiner fundierten Kenntnisse massgeblich an der Neuorientierung im europäischen Rebbau beteiligt, als man versuchte, die guten Geschmackseigenschaften der europäischen Rebsorten, mit der Resistenz der neu aus Amerika eingeführten Sorten zu vereinen.

          Abbildung von Weintrauben            

Abb. 2: “Inzolia” (Traubensorte)   

Die prächtigen Illustrationen wurden von A. Kreyder und J. Troncy gemalt und von F. Champenois in Farblithografie gedruckt. Alexis Kreyder (1839-1912) war ein bekannter auf Blumen- und Früchtesujets spezialisierter Künstler aus dem Elsass, dessen Bilder heute vorwiegend in den Museen von Colmar und Strasbourg  zu finden sind. Bemerkenswert und eindrucksvoll ist die Anzahl der abgebildeten Lithografien. Es handelt sich um mehr als 500 ganzseitige Abbildungen verschiedener Traubensorten! Sie stellen einen wahrhaftigen Augenschmaus und somit eine optisch ansprechende Ergänzung zum Weingenuss dar.

http://www.zvab.com/buch-suchen/titel/traite-general-de-viticulture/autor/viala

http://fr.wikipedia.org/wiki/Pierre_Viala

 

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