ETHeritage
Highlights aus den Sammlungen und Archiven der ETH-Bibliothek

11.04.2014

Zum 125. Geburtstag von Charles Chaplin am 16. April

Filed under: *Bestände,Bildarchiv — Roland Lüthi @ 7:00

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Charles Chaplin, 16.4.1961 in Corsier (Com_C10-78-001)

Das Bild aus dem Bestand der Fotoagentur Comet zeigt Charles Chaplin bei seinem 72. Geburtstag am 16. April 1961 im Park des Manoir de Ban in Corsier bei Vevey. Der gebürtige Brite und längere Zeit in den USA lebende Filmstar und Produzent hatte das stattliche Anwesen 1953 erworben und lebte dort mit seiner Familie bis zu seinem Tod im Jahr 1977. In seinen Memoiren, die er in den frühen 60er Jahren verfasste, betonte er mehrmals, dass er sich in der Schweiz sehr wohl fühlte:

Friends have asked me if I miss the United States – New York? In candour I do not. America has changed, so has New York.The gigantic scale of industrial institutions, of press, television and commercial advertising has completely divorced me from the American way of life. I want the other side of the coin, a simpler personal sense of living… (My autobiography, S. 523).

With such happiness, I sometimes sit out on our terrace at sunset and look over a vast green lawn to the lake in the distance, and beyond the lake to the reassuring mountains, and in this mood think of nothing and enjoy their magnificent serenity (My autobiography, S. 528).

2015 soll im Manoir de Ban ein Chaplin-Museum eröffnet werden. Dieses wird neben der Ausstellung von Briefen, Bildern, Filmmaterial und Objekten auch ein Kulturzentrum mit Wechselausstellungen und ein Kino beherbergen.

Literatur:

Charles Chaplin: My autobiography (London: The Bodley Head, 1964)

Link:

http://www.manoirdeban.com/

 

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04.04.2014

Panorama des Ober-Engadins von 1833

Filed under: Geographie und Karten,Karten — Tags: , , — Susanne Zollinger @ 10:00

Panorama des Inn-Thales, Ober-Engadin

 Abb. Ausschnitt aus: Panorama des Inn-Thales, Ober-Engadin / nach der Natur gezeichnet auf der Höhe Muottas des Mittelberges bey Samaden von E. E. Schaffner, 1833

Auf das wunderbare Panorama von E. E. Schaffner Bezug nehmend, verfassen Arnold Escher von der Linth und Bernhard Studer in der Einleitung ihres Berichts zur  ‘Geologische Beschreibung von Mittel-Bündten‘ um 1830 folgenden Abschnitt:

Es fühlt sich der Reisende, der, aus den heissen Seitenthälern der Lombardie, die Höhe der Engadinerpässe erreicht, wunderbar ergriffen, wenn hier, wo er nur die schmale Scheidecke zwischen zwei Abhängen zu überschreiten gedachte, sogleich nun die Hochebene des Oberengadins vor ihm sich ausbreitet, mit ihrer Reihe von See’n, ihren Wiesen mit alpinischer Flora bewachsen, ihren städtischen, von Reichthum und Luxus zeugenden Dörfern; und er das schöne Thal umschlossen sieht von Gebirgen, an denen der sparsame Wald nur wenig sich über den Thalboden zu erheben vermag, und nicht weit unter den Scheelehnen der höheren Felsgräte zurückbleibt.

In der Tat ist der Betrachter überwältigt vom Anblick der lieblichen Landschaft und des stattlichen Dorfs Samedan inmitten des grossartigen Bergpanoramas – und erschrickt sogleich, wenn er sich vorstellt, wie sich die Landschaft, von Muottas Muragl aus gesehen, heute präsentiert. Durch Anklicken des Bildes lässt sich das vollständige Panorama mit seiner 360 Grad Rundumsicht auf e-rara, der Plattform für digitalisierte Schweizer Drucke des 15. bis 19. Jahrhunderts der Schweizer Bibliotheken, betrachten.

Mit ihrem Detailreichtum sind Panoramen eindrückliche Zeugen der Veränderung unseres Siedlungsraumes und unserer Kulturlandschaft. Das Kartenzentrum Zürich lädt am 6. Mai 2014 zu einer Abendführung zum Thema Panoramen ein. Lassen Sie sich überraschen und tauchen Sie ein in die Welt dieses faszinierenden Mediums.

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02.04.2014

Ein Schuss, ein Schrei – April statt May

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Nein, der Schriftsteller Karl May studierte nicht am Eidgenössischen Polytechnikum, der heutigen ETH Zürich, jedenfalls nicht nachweislich. Der Blog-Eintrag „Ein Schuss ein Schrei – Stud. Ing. Karl May“ war ein Scherz zum 1. April.

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Studentendossier von August Aeppli, Seite 2 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK1/1/1)

Das angebliche Aktenstück ist eine Bildmontage unter Verwendung des Studentendossiers von August Aeppli (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK1/1/1) und der Unterschrift aus einer Kopie aus dem Jahr 1965 des Briefes aus Zürich vom 20. März 1876 von Charles/Karl Mayer-Eymar (1826-1907), Professor für Paläontologie an der Universität Zürich und Privatdozent am Eidgenössischen Polytechnikum, an Bernhard Studer (1794-1887), Mineralogieproifessor an der Universität Bern (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 277: 1075). Das Original des Briefes liegt übrigens in der Burgerbibliothek Bern.

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Charles/Karl Mayer-Eymar an Bernhard Studer, Zürich, 20. März 1876, letzte Seite (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 277:1075).

Das Erinnerungsbild des 3. Kurses der Ingenieurschule am Eidgenössischen Polytechnikum aus dem Jahr 1862 ist dagegen echt. Allerdings zeigt der Ausschnitt nicht Karl May, sondern eine nicht identifizierte Person.

Zürich, ETH Zürich, Ingenieurschule, 3. Kurs

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Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs, 1862 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv,  Portr_10676-FL)

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01.04.2014

Ein Schuss, ein Schrei – Stud. Ing. Karl May

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Karl May am Eidgenössischen Polytechnikum 1860/61 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK/1/1/0)

Vor zwei Jahren wurde der 100. Todestag des Abenteuerromanautors Karl May (1842-1912) in den Medien ausgiebig begangen. Ein deutscher Finanzpolitiker, begeisterter Leser von Mays Wildwestgeschichten, wollte gar die Kavallerie ins Nachbarland der Alpenindianer reiten lassen, um dort frei nach der Erzählung „Der Schatz im Silbersee“ vor dem Fiskus versteckte Vermögen germanischer Bleichgesichter auszuheben.

„Der Schatz im Silbersee“, als Buch erstmals 1894 vor 110 Jahren erschienen, spielt wie weitere Wildwestwerke vor dem Hintergrund der verkehrstechnischen Erschliessung des nordamerikanischen Kontinents mit Bahnlinien. Schienenbau und Überfälle von Eingeborenen auf das „Feuerross“ oder von weissen Banditen auf Dampfeisenbahnzüge sind wiederkehrende Handlungsmotive. Im ersten Band der „Winnetou“ Trilogie wird ein aus Deutschland eingewanderter Hauslehrer, der spätere Old Shatterhand, aufgrund seiner Vorkenntnisse nach gründlicher Prüfung von der Atlantic and Pacific Railroad Company als Vermessungsingenieur angestellt.

Woher hatte Karl May sein technisches Wissen? Ein Hinweis findet sich in den Akten der Studierenden der ETH Zürich. Ein Einschreibebogen belegt, dass Karl May im Wintersemester 1860/61 am Eidgenössischen Polytechnikum den mathematischen Vorkurs besuchte. Einige Semester später ist er abgelichtet auf der Erinnerungsfotografie des 3. Kurses der Ingenieurschule von 1862 im Kreise seiner Kommilitonen und Professoren, vor der Kulisse des kurz zuvor erbauten Wipkinger Eisenbahnviadukts und der dahinter liegenden Stadt Zürich mit dem See und den Voralpen in der Ferne.

Zürich, ETH Zürich, Ingenieurschule, 3. Kurs

Ausschnitt aus: Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs 1862

Portr_10676-FL

Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs, 1862 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv,  Portr_10676-FL)

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28.03.2014

Eine Postkarte aus Japan zur Kirschbaumblüte (Hanami)

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Tokyo, Ueno park, Cherry Blossom

 (Fel_043408-RE) Tokyo, Ueno park, Cherry Blossom

Japaner lieben die Kirschenblüte. Das sieht man auch an der grossen Zahl Cherry Blossom-Postkarten, die in der Postkartensammlung Adolf Feller im Bildarchiv vorhanden sind. Die abgebildete Karte wurde am 19.4.1923 von G. Otomune an Adolf Feller gesandt.

Die Japanische Blütenkirsche beginnt je nach Region in den ersten wärmeren Apriltagen zu blühen. Die Blüte dauert nur wenige Tage und die Menschen begeben sich für Spaziergänge, Picknicks, Parties und Festivals unter die Blütenpracht. Laut Hans Spörry, über den hier bereits berichtet wurde, gibt es ein zum Anlass passendes Sprichwort: „Selbst die Katze und der Schöpflöffel sind ausgegangen“, „neko mo shakushi mo (猫もしゃくしも)“  – siehe Hans Spörry: Die Verwendung des Bambus in Japan und Katalog der Spörry’schen Bambus-Sammlung (Zürich, 1903, S. 64).

Links:

Die Wanderung der Kirschenblüte von Süden nach Norden wird jedes Jahr mit Spannung erwartet und dokumentiert: http://www.jnto.go.jp/sakura/eng/index.php

Postkartensammlung Adolf Feller: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2010/01/22/die-postkartensammlung-von-adolf-feller/

Beitrag zu Hans Spörry vom 7.3.2014: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2014/03/07/ein-schweizer-im-kimono/

 

 

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21.03.2014

Von der ETH zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs: Die Zürcher Studienjahre des späteren serbischen Ministerpräsidenten Nikola Pašić

Als der 23-jährige Nikola Pašić im Jahr 1868 aus Belgrad in Zürich eintraf, wäre er am liebsten gleich wieder abgereist. Mit einem Stipendium der serbischen Regierung sollte er sich am Polytechnikum zum Bauingenieur ausbilden lassen, doch Pašić hatte Mühe mit dem Schweizerdeutschen und hätte seine rudimentären Deutschkenntnisse lieber im benachbarten Süddeutschland aufgebessert, was das zuständige Ministerium jedoch ablehnte. So blieb er in Zürich und begann sein Studium an der späteren ETH.

In Zürich gab es damals bereits eine grosse Kolonie russischer Studierender (Männer und Frauen), zu der sich nun auch serbische Studierende gesellten. Pašić war ein aktiver Teil dieses radikalen, revolutionären, im weitesten Sinn sozialistischen Milieus. Eine besonders enge Freundschaft verband ihn mit Svetozar Marković (1846-1875), der ebenfalls an der ETH studierte (wenn auch nur als Fachhörer) und sich als erster Serbe publizistisch mit dem Thema Sozialismus auseinandersetze. Pašić organisierte in Zürich regelmässige Treffen der serbischen Studierenden und hielt in dieser Runde selbst Referate zu so verschiedenartigen Themen wie Bewusstsein, Ehrlichkeit oder die Schädlichkeit des Fluchens. Zudem arbeitete Pašić  in einer Druckerei, die sozialistische Propaganda-Broschüren herstellte, die dann nach Serbien geschmuggelt wurden.

Nikola Pasic ca. 1914

Der langjährige serbische Ministerpräsident Nikola Pašić
(Wikicommons, Petrović: Serbia, Her People, History, and Aspirations, London 1915)

Nach sechs Semestern Bauingenieur-Studium verliess Pašić die ETH ohne einen regulären Studienabschluss. Nach einem kurzen Praktikum beim Bau der Eisenbahnlinie Wien-Budapest, wandte er sich endgültig der Politik zu. Nach 30 turbulenten Jahren gelang es ihm 1903, nach dem Putsch im Zusammenhang mit dem Mord am serbischen König, sich permanent an der Spitze des serbischen Staates zu etablieren. Er war Parteipräsident der Radikalen Volkspartei (Bauernpartei) und amtierte bis zu seinem Tod 1926 immer wieder als Ministerpräsident oder Aussenminister (oder gleich beides).

Mit Beginn der Ära Pašić verschlechterten sich die Beziehungen zum Nachbarn Österreich-Ungarn zusehends, während sich die Kontakte zu Russland verfestigten. Innenpolitisch wurde Pašić immer stärker in einen Machtkampf gegen eine Gruppe von Offizieren verwickelt, die mit terroristischen Mitteln die Schaffung eines  „Großserbien“ zu beschleunigen versuchten. Im Frühjahr 1914 verdichteten sich die Pläne dieser (mehr oder weniger geheimen) Organisationen, einen Mordanschlag auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand zu verüben. Pašić selbst wusste wohl mehr über diese Attentatspläne, als ihm lieb war.

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Die „Princip-Brücke“ in Sarajevo in einer Aufnahme von 1936, heute wieder „Lateiner-Brücke“.
In der Nähe der Brücke gab Gavrilo Princip die tödlichen Pistolenschüsse auf Thronfolger Franz Ferdinand ab.
(ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Dia 247-09656, Fotograf: Leo Wehrli)

Nach der Ermordung des Thronfolger-Ehepaares in Sarajevo am 28. Juni 1914 unterliess Pašić eine Untersuchung der Verbindungen der Attentäter zur serbischen Staats- und Militärführung. Seine ablehnende Antwort auf das österreichisch-ungarische Ultimatum war zwar diplomatisch formuliert, bedeutete jedoch einen weiteren Schritt in Richtung Krieg. Wie für viele andere serbische Nationalisten stand auch für Pašić fest, dass letztendlich nur ein Krieg die Träume von „Großserbien“ verwirklichen konnte.

Pašić gehört somit zu den Hauptakteuren der europäischen Krise im Sommer 1914 und damit auch zu den „Schlafwandlern“, die „wachsam, aber blind“ (Christopher Clark) den Ersten Weltkrieg auslösten.

Gedenktafel Pasic

Gedenktafel am Seilergraben Nr. 9 in Zürich,
wo Pašić während seiner Studienzeit am Polytechnikum gewohnt hatte.
(Hochschularchiv der ETH Zürich, 2014, Lisa Oberli)

In Zürich erinnert noch heute eine Gedenktafel an Nikola Pašić und seine Studienzeit in Zürich. Gestiftet hatte die Tafel 1939 der schweizerisch-jugoslawische Verein, unterstützt von ETH-Professoren, allen voran Leopold Ružička (1887-1976), der noch im selben Jahr den Nobelpreis für Chemie entgegennehmen konnte.

 

 

Im Hochschularchiv der ETH Zürich findet sich die Matrikel von Nikola Pašić.

Im Stadtarchiv Zürich finden sich Informationen zur Gedenktafel am Seilergraben.

Sofija Skorić: „The Populism of Nikola Pašić: The Zürich Period.” East European Quarterly, 14, 4, 1980, S. 469-485.

Žarko Milošević: Mladi Pašić. Beograd 1994

Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. München 2013

 

 

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14.03.2014

Bilderrätsel

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Unbekannt

Das Bild stammt aus dem Bestand des Swissair Archivs und wurde vermutlich in den fünfziger Jahren gemacht, könnte aber auch älter sein. Es handelt sich um ein Glasplattennegativ von 13 x 18 cm. Das abgebildete mobile Objekt hat wahrscheinlich etwas mit der Luftfahrt zu tun. Was könnte es sein? Wie immer freuen wir uns auf Hinweise aus der Leserschaft.

Übrigens immer noch ungelöst ist das Bilderrätsel vom 28.06.2013: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2013/06/28/bilderratsel-3/

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07.03.2014

Ein Schweizer im Kimono

Filed under: Bildarchiv — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Spörry, Hans (1858-1925)

 Hans Spörry im Kimono, Shibu-Onsen, 28.09.1896 (Portr_16315)

Der Zürcher Kaufmann, Sammler und Schriftsteller Hans Spörry (1858-1925) weilte von 1890 bis 1896 im Auftrag der Seidenfirma Ziegler & Merian in Japan. Auf Wunsch seines Bekannten Carl Schröter, Professor für Botanik am Eidgenössischen Polytechnikum, sammelte Spörry Gegenstände des Japanischen Alltags und konzentrierte sich dabei vor allem auf Objekte aus Bambus. Aus dieser eingehenden Beschäftigung mit dem vielseitigen Naturmaterial ging schliesslich die Publikation Die Verwendung des Bambus in Japan und Katalog der Spörry’schen Bambus-Sammlung (Zürich, 1903) hervor. Darin eingebunden finden sich zwei Originalfotografien, die oben abgebildete und eine weitere mit seinem Porträt.

Das Bild von Spörry im Kimono wurde im beliebten Thermalkurort Shibu-Onsen aufgenommen. Offenbar schätzte der Schweizer die Japanischen Bäder, die mit 40 bis 42 Grad Celsius eher warm sind. Auch schien er trotz seiner Arbeit als Seideninspektor und Sammler genug Musse zu haben, ausgedehnte Ausflüge zu unternehmen: „Im Osten ist man so vernünftig nicht im Büro zu sitzen, wenn keine Arbeit vorhanden ist. Beinah jeder hat die Freiheit, diese Unterbrüche nach seinem Belieben auszunützen […] (Mein Lebenslauf, II, S. 155).“

Literatur:

Hans Spörry:Die Verwendung des Bambus in Japan und Katalog der Spörry’schen Bambus-Sammlung (Zürich, 1903)

Hans Spörry:Mein Lebenslauf (Zürich,1924-1925)

 

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28.02.2014

„Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“ – das Frobenische Druckersignet

Filed under: *Bestände,Alte und Seltene Drucke,Geistes- und Sozialwissenschaften — Martin Bosshard @ 10:00

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Abb.: Druckermarke von Johann Froben (Frobenius)

Sie fungierten als eine Art Urhebernachweis und sollten die Druckschriften gegen den unrechtmässigen Nachdruck durch Dritte schützen: Die Druckermarken oder auch Druckersignete genannt. Diese wurden von den ersten Verlegern von Druckerzeugnissen den Büchern beigefügt, um deren Herkunft eindeutig zu kennzeichnen. Da es aber im 15. und 16. Jahrhundert kein verbindliches Urheberrecht gab, entwickelten sich die Marken immer mehr zu einem wichtigen Bestandteil der Buchdekoration. Und dazu stellten sie auch eine Art Schlüssel zum Buch dar, indem sie dem Kenner eine Form von Qualitätsraster ermöglichten. Denn die Signete standen weniger für ihre künstlerische Qualität (auch wenn das hier gezeigte Beispiel von Hans Holbein d.J. stammt), als vielmehr für die Qualität der Verlagsprodukte. Ob man sich also für ein Buch eines gewissen Verlegers entschied, hing auch vom Sinngehalt seiner Druckermarke ab. Zudem zeigte sie auch die Position eines Verlegers im Umkreis seiner Konkurrenten sowie seine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Gelehrtenkreis auf.

Seit dem Jahr 1515 benutzte Johann Froben diese Druckermarke mit einem Schlangenheroldstab des Merkurs bzw. Hermes‘ mit der thronenden Taube, den zwei sich empor schlängelnden Schlangen und den den Stab umfassenden Händen nach dem aus dem Matthäusevangelium stammenden Bibelspruch „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“. Was aber konnte ihn dazu bewogen haben, Holbein mit gerade diesem sowohl antiken als auch biblischen Motiv zur Gestaltung seines Signets zu beauftragen? Froben war für seine sorgfältig editierten Ausgaben sowohl der antiken Klassiker, als auch des Neuen Testaments bekannt. Ab 1513 konzentrierte er sich ganz auf das wissenschaftliche Terrain und entwickelte sich zum bedeutendsten Drucker Basels und wurde zum Mittelpunkt des deutschen Humanismus. Er editierte auch die Texte von Erasmus von Rotterdam, mit dem er sich anfreundete. Diese inhaltliche Ausrichtung, verbunden mit der Qualität seiner Arbeit im sogenannten „schwarzen Gewerbe“, wurde international geschätzt. Trotzdem ist von seinem Sohn überliefert, dass der Vater nach seinem Tod der Familie „mehr Ruhm als Geld“ hinterlassen hat. Vielleicht erklärt diese Tatsache doch ein Hang eher zum Mystisch-Religiösen und somit den Bibelspruch als Auslöser seiner Wahl des Motivs für die Druckermarke.  „Seid klug wie die Schlangen“, also listig und schlau, vielleicht auch vorsichtig im Sinn von „auf der Hut sein“ und gleichzeitig „ohne Falsch wie die Tauben“, will heissen: arglos und vertrauensvoll.  Vertrauen in die Qualität von Frobens Arbeit?! Vorsicht in der Wahl des Verlegers und Druckers?! Ausserdem war 1519 bei Froben die lateinisch-griechische Ausgabe des Neuen Testaments in der Edition von Erasmus von Rotterdam herausgekommen. Andererseits spielte die Antike in Frobens Druckerleben doch eine wesentliche Rolle und der Heroldstab mit den hinaufzüngelnden Schlangen symbolisiert bei den Alten Griechen den Handel. Gewiss ist, dass das  Signet wohlüberlegt und raffiniert ausgewählt worden war, wenn man davon ausgeht, dass die Druckermarken quasi erste Schlüssel zum Buch darstellen!

Die hier gezeigte Abbildung stammt aus Rar 3119 und ist digital einsehbar. Weitere Werke des 16. Jahrhunderts aus der Frobenischen Druckerei finden sich im Wissensportal via Plattform e-rara.ch.

Literaturhinweise:

Reske, Christoph: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts. Harrassowitz Verlag, 2007

Wendland, Henning: Signete – Deutsche Drucker- und Verlegerzeichen 1457-1600. Schlütersche Verlagsgesellschaft, 1984

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21.02.2014

Ermordung eines Privatdozenten – Zum 25. Todestag von Hermann Burger (1942-1989)

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Während Hermann Burgers Studienzeit: Lesesaal der ETH-Bibliothek, 1965 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Com_L14-0442-0225)

Wolfram Schöllkopf, Privatdozent für Glaziologie und deutsche Literatur an der Eidgenössischen Technischen Universität, flieht aus der Sitzung der Freifächerfakultät, der Abteilung 13 für Geistes- und Militärwissenschaften. Soeben ist mit einer Intrige sein Lehrauftrag aus dem Unterrichtsprogramm gestrichen worden. Als er an der Brüstung zum Gebäudeinnenhof kurz überlegt, ob er sich hinunterstürzen soll, erleidet er einen Herzanfall. Er quält sich die Treppen hinab, aus dem Haus, über die Strasse ins benachbarte Universitätsspital und bricht in der Notaufnahme zusammen.

Unauffällig kleingedruckt steht auf der Titelblattrückseite von Hermann Burgers Roman „Die künstliche Mutter“ aus dem Jahr 1982:

„Alle Personen und Örtlichkeiten dieses Romans sind frei erfunden, selbst dort, wo Namen aus der realen Topographie übernommen wurden.“

Auf den Tatort des Eingangskapitels „Ermordung eines Privatdozenten“ trifft dies kaum zu. Abgesehen von der nur leicht verfremdeten Organisation des akademischen Betriebs handelt es sich um die wirkliche ETH Zürich. Deren Hauptgebäude ist erkennbar in zahllosen vom gepeinigten Schöllkopf exakt beschriebenen und kommentierten Architektur- und Ausstattungseigenheiten, darunter auch ein Bruchstück der ETH-Bibliothek:

„[…] oben im glarigen Licht die braunrote Kuppel über dem Lesesaal mit den giftgrünen Tischlämpchen […]“

Das Braunrot der gleichzeitigen Aussen- und Innensicht der Kuppel zielt auf die Ziegelbedeckung der Eisenbetonkonstruktion, die Schöllkopf als monumentale Brust einer hartherzigen Mutter empfindet. Kein Wunder birgt dieses Gebilde entgegen der lateinischen Bezeichnung für Hochschulen „Alma Mater“, nährende Mutter, im Innern die zum Aussenpanzer komplementärfarbenen Giftdrüsen.

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Lesesaal der ETH-Bibliothek, Versuchsaufnahme mit zu prüfender Panorama-Kamera aus Japan, 1955 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, PL_55-SCH-0028)

Dank Burgers Roman ist ein schriftliches Zeugnis für die Farbe der historischen Leseleuchten vorhanden, denn es hat sich weder ein Exemplar der Tischlichter erhalten, noch existiert eine Farbfotografie aus der Zeit ihrer Verwendung vor der Lesesaalrenovation in den 1970er Jahren. Immerhin können Schwarzweissaufnahmen aus der entsprechenden Perspektive einen zum Romangeschehen passenden Eindruck vermitteln, wie etwa die japanische Panoramasicht von 1955: Das „glarige Licht“, die blendende Helle, bricht durch die hohen Fenster. Darunter laufen lange Reihen stramm gerade ausgerichteter Halbkugeln in die Bildmitte, die Lampenschirme oder Stahlhelme von Marschkolonnen einer Truppenparade, so genau ist das im Streulicht nicht auszumachen. Unter den Halbkugeln fehlen bei näherer Betrachtung die Köpfe, sie – die Lampenhelme – sind aufgepflanzt auf fusslosen Ständern, ein Soldatenfriedhof. Sollte es sich bei diesem Lesesaal um eine militärische Weihestätte handeln?

Burger/Schöllkopf jedenfalls zieht Parallelen von der ETH zur Gotthardfestung der Schweizer Armee, in die der weitere Romanverlauf verlegt wird:

„Es gab ja in der Tat hochinteressante Parallelen zwischen dem Fort Réduit im Gotthard und dem über und über rustizierten Semper-Gullschen Hochschulsackbahnhof, der auf einer Schanze des ehemaligen Festungsareals der Stadt Zürich thronte; hier biss man auf Granit, dort würde man auf Granit beissen; hienieden ein undurchschaubares Labyrinth von Auditorien, Sammlungen, Zeichensälen, Stichtonnengewölben, Materialkatakomben, Lieferanteneingängen, Senatszimmern, Lichthofkanzeln, Blendarkaden, Säulen-Balustraden – dort, wenn man dem Gerücht über die Existenz einer Heilstollenklinik Glauben schenken durfte, ein nicht minder verwirrendes Carceri-System; der heilige Godehard war sozusagen die Natur gewordene ETU unter besonderer Berücksichtigung der Abteilung für Geologie, Hydrologie und Glaziologie, umgekehrt die Landeslehrstätte ein zum Polytechnikum aufgefächertes Gebirgsmassiv; in Göschenen wie hier herrschte permanente Geistesdämmerung, betrat man an einem gleissenden Frühsommertag die Apsis des Vestibüls, verfinsterte sich der Junimorgen zu einem Dezembernachmittag, und man hielt unwillkürlich Ausschau nach einer heissen Schockolade, wie sie im Bahnhofbuffet Göschenen, so die kulinarische Legende, verabreicht wurde, aus Crémant-Riegeln gestossen.“

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Hermann Burger als angehender ETH-Student 1962 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK1/1/39775)

Der Schriftsteller Hermann Burger war ab Winter 1975 bis zu seinem Freitod am 28. Februar 1989 Privatdozent für deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich. Hier studierte er auch von 1962 bis 1965 Architektur, danach Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Zürich.

Hinweise:

Hermann Burger, Die Künstliche Mutter, 1982. Daraus die Zitate auf Seite 16 und Seiten 14/15.

Im Hochschularchiv der ETH Zürich an der ETH-Bibliothek wird das Dossier zu Hermann Burgers Architekturstudium aufbewahrt.

Das Max-Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek verfügt über eine Kopie von Burgers dreitägiger Hausarbeit im Rahmen seiner Lizentiatsprüfung an der Universität Zürich: Architekturschilderung in der modernen deutschen Literatur am Beispiel von Max Frisch, Typoskript, Aarau 1972.

Bei der ETH-Bibliothek ausleihbar ist eine Kopie des ersten Teils von Burgers ETH Habilitationsschrift: Studien zur zeitgenössischen Schweizer Literatur, Typoskript, Zürich 1974.

Hermann Burgers Nachlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

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