Logo Ethbib Spezialsammlungen Digital

27.01.2012

100 Jahre Jungfraubahn

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Eisenbahnwesen — Valérie Andres @ 7:00

Tourismus und Legenden am Berg

Die Jungfrauregion, besonders aber das Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau gehören, wie auch das Matterhorn, zu den faszinierendsten Touristenattraktionen der Schweiz. Postkarten und Bilder dieser imposanten Berge und der darunter liegenden Dörfer, locken seit über hundert Jahren verschiedenste Besucher an und tragen zum Bild von der idyllischen und urtümlichen Schweiz bei.

Spätestens durch das Aufkommen des Alpinismus im ausgehenden 18. Jahrhundert mit diversen Erstbesteigungen im hochalpinen Gebiet entstanden zahlreiche dramatische Legenden und später Filme der ebenso schönen wie schroffen und unzugänglichen Bergwelt. Es ist daher gut möglich, dass die Erstbesteigung der Jungfrau (1811) etwa 50 Jahre später den Anstoss gab, diesen Berg durch den Bau einer Bahn auf den Gipfel endgültig zu bezwingen. Als Sinnbild für diese gelungene Eroberung kann man heute die allgemein bekannten Massen an Turnschuhtouristen betrachten, welche aus aller Welt kommen und auf dem Jungfraujoch ganz bequem die Aussicht geniessen, die sich sonst nur erfahrenen Bergsteigern bieten würde.

Diese beiden Bilder vom 10.08.1957 mit dem Titel: „Eigernordwand, Bergdrama“ sind Zeugnis einer Bergrettung. Dank der bereits gebauten Jungfraubahn gelangte das Opfer sicherlich rascher als üblich zurück ins Tal, allerdings wurde die Rettung auch direkt fotografiert und von Unbeteiligten ‘aus der Nähe’ mitverfolgt.

Bildtitel 1: Eigernordwand, Bergdrama     

Bildlegende 1: Bergung von Claudio Corti, der mit Stephano Longhi die Eigernordwand bestieg. Bei der Station Eigergletscher der Jungfraubahn wird der Abstieg über die Westflanke beobachtet. Rechts: Funkhelfer.

                        

Bildtitel 2: Eigernordwand, Bergdrama 

Bildlegende 2: Bergung von Claudio Corti, der mit Stephano Longhi die Eigernordwand bestieg. Kurz vor der Station Eigergletscher der Jungfraubahn.

 Der Bahnbau

1893 reicht Adolf Guyer-Zeller, durch eine Bergwanderung inspiriert, ein Konzessionsgesuch für den Bau einer Bahn zwischen der Kleinen Scheidegg und dem Jungfraugipfel ein. Die Bahn sollte nur bis zur ersten Station oberirdisch verlaufen und danach den grössten Teil des Weges durch Tunnel führen. Jede Station sollte einen speziellen Blickwinkel auf die Bergwelt geben und für sich ein eigenes touristisches Ziel darstellen. Die Strecke der elektrischen Zahnradbahn war von der Kleinen Scheidegg durch Eiger und Mönch bis hinauf auf den Gipfel der Jungfrau geplant.

 

 

Bildtitel 3: Bau der Jungfraubahn, Tunneleingang am Eiger, 1911

 

 Bildtitel 4: Jungfraubahn, Verbindungsstollen zwischen Aussteigperron im Tunnel und Station Eigerwand

Botschaft der Postkarte: Heute nach hier, Berge u. ? grossartig. Herzliche Grüsse Onkel u. Tante Keller. Frau Mugglin, Werner Mugglin.

Poststempel 6.9.1905.

1896 nach der Erteilung der Konzession durch das Parlament wurde mit dem Bau des ersten, zwei Kilometer langen und auf offener Strecke verlaufenden Abschnittes, begonnen. Trotz des Anschlusses an die Wengernalpbahn wurde eine Spurweite von 1000mm anstelle von 800mm für die Jungfraubahn gewählt.

Im Gegensatz zum ersten Streckenabschnitt waren die Arbeiten am Tunnelbau geprägt von Sprengunglücken und finanziellen Problemen. Doch trotz verschärfter Vorschriften ging auch dieser rasch voran so dass 1899 der Durchstich zur Station Rotstock (2530) stattfand. 1903 folgte die inmitten der Nordwand liegende Eigerwand, 1905 die Haltestelle Eismeer und am 21. Februar 1912 der Durchstich zum Jungfraujoch. Aufgrund der knapp gewordenen Finanzmittel sowie dem Tod von Adolf Guyer-Zeller wurden die ursprünglichen Pläne abgeändert. Statt unter dem Mönchsjoch eine Haltestelle einzuplanen und die Bahn bis hinauf zum Gipfel der Jungfrau zu bauen, wurde als Endstation das Jungfraujoch beschlossen.

Am 1. August 1912 fuhr der erste Zug mit Gästen die 9.34 Kilometer lange Strecke hinauf auf das Jungfraujoch (3454). Etwas mehr als 7 Kilometer davon liegen im Tunnel und es werden dabei fast 1400 Höhenmeter überwunden.

 

 

Bildtitel 5: Jungfraubahn, Station Eismeer, 3161 m

Poststempel 16.10.1926

 

 

 

Bildtitel 6: Jungfraubahn 3457 m, Die Schweizerfahne auf dem Jungfraujoch

Poststempel 11.10.1933

 

 Bildtitel 7: Kleine Scheidegg, Jungfraubahn, Eiger 3975, Mönch 4105

Botschaft der Postkarte: Von einer Offiziers-Tanzerei im Hôtél Bellevue Scheidegg herzl. Grüsse! Ernst. Poststempel 11.8.1912

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

20.01.2012

Skikarten aus den Anfängen des Skisports

Filed under: Kartensammlung — Tags: , — Susanne Hofacker @ 8:00

 

Winter-Relief-Karte der Braunwaldberge, 1923 

 Ausschnitt aus der Winter-Relief-Karte der Braunwaldberge, 1923 

 Hofer’s Winter-Relief-Karte der Schwyzer Skiberge, 1927 

 Skitourenkarte Oberengadin und Bernina, ca. 1923 

Skitouren-Karte von Davos und Umgebung, ca. 1920

 

Der heute sehr beliebte alpine Wintersport etablierte sich in der Schweiz erst vor gut 100 Jahren. Davor erfreuten sich die Ferien- und Kurgäste fast ausschliesslich in den Sommermonaten des gesunden Höhenklimas und der fantastischen Landschaft in den Bergen.

Zu den ersten Wintersportorten zählten St. Moritz und Davos. Gäste aus Skandinavien, wo Skier in der Winterzeit zu den üblichen Fortbewegungsmitteln gehörten, brachten die ersten Bretter bereits in den 1870er Jahren nach Davos. Nach und nach breitete sich der Wintertourismus in weiteren alpinen Regionen aus, so auch in der Zentralschweiz, wie einem „Führer durch die Wintersportplätze und Winterkurorte der Schweiz“ von 1921/22* zu entnehmen ist:  „Wer luxuriösen Komfort und fashionable Gesellschaft aufsucht, der kommt auch im Gebiete der Zentralschweiz, und besonders in Engelberg, vollkommen auf seine Rechnung.“

In den Anfängen des Wintertourismus vergnügten sich die Gäste noch mehrheitlich auf dem Eis oder beim Schlitteln. Gefördert durch den Bau von Bergbahnen und Skiliften erlebte der alpine Skisport in den 1920er und 1930er Jahren einen kräftigen Aufschwung und entwickelte sich zum Breitensport.

Mit zunehmender Beliebtheit des Tourenskilaufs stieg auch der Bedarf an Ski(touren)karten. Es handelte sich in der Regel um topographische Karten mit rot markierten Routen für die Skitouren. Als Kontrast zu den in gelblicher Farbe gehaltenen Wanderkarten für die Sommersaison erschienen die Skitourenkarten teils in winterlichem Blau.

Die Karten mit den Signaturen  K 888005 (Braunwald), K 691107 (Schwyz), K 680523: 3 (Oberengadin) und K 680523: 1 (Davos) können in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

Quellen: *Winter in der Schweiz: Führer durch die Wintersportplätze und Winterkurorte der Schweiz. Hrsg. unter dem Patronat der Schweizerischen Verkehrszentrale, 1921/22. Signatur ETH-Bibliothek: 56489

13.01.2012

Die Tücken des Fahrradfahrens

Filed under: Archive und Nachlässe,Bildarchiv — Tags: , , — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

„Wärst‘ net aufi gstiegn – Warst net obi gfolln.“

Professor Johannes Barbieri fällt vom Velo. (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_11378-S1 und Portr_11378-S2)

 

„Wärst‘ net aufi gstiegn – Warst net obi gfolln.“ Johannes Barbieri, Professor für Photographie am Eidgenössischen Polytechnikum von 1879 bis 1895, demonstriert in Wort und Bild das Prinzip von Ursache und Wirkung. Die Beschriftung ist in der Mundart von Barbieris österreichischer Heimat verfasst. Die zwei Fotografien sind auf die beiden Seiten desselben Kartons montiert, das Missgeschick bildet somit die sprichwörtliche Kehrseite der Medaille.

Die Aufnahmen sind nicht datiert, doch dürften sie frühestens irgendwann nach 1880 entstanden sein. Barbieri präsentiert sich nämlich mit einem erst ab dann sich verbreitenden Radtyp, der im Unterschied zum bisher beliebten, jedoch akrobatisches Geschick erfordernden Hochrad unter dem Namen Sicherheitsniederrad lief. Barbieris fotografischer Scherz kann durchaus als Kommentar zu dieser Bezeichnung betrachtet werden.

Die Idee zur kurzen Bildgeschichte mochte ihm beim Beobachten entsprechender Ereignisse in freier Natur* eingefallen sein oder dann in seinem Atelier, falls die ersten Versuche, standhaft an Ort zu balancieren, fehlgeschlagen waren.

Jedenfalls war die gängige fotografische Technik, von der experimentellen Serienfotografie und dem noch  jungen bewegten Film abgesehen, im ausgehenden 19. Jahrhundert nicht geeignet, unruhige Objekte in gewünschter Bildschärfe festzuhalten. So inszenierte Barbieri sich und das neumodische Sportgerät im Atelier inmitten einer Bühnenkulisse. Vom hohen Stahlross blickt er mit aufgerissenen Augen starr in die leicht nach unten versetzte Kamera herab, um den Lidschlag während der langen Belichtungszeit zu vermeiden. Bei der unsanften Landung auf dem Kulissenwaldboden – oder sollte es dramatischerweise gar in den Fluten eines Bachbettes sein, wie das brückenähnliche Mäuerchen rechts im Bild andeutet? – verhinderte wohl der Pulsschlag oder beginnender Muskelschmerz eine längere reglose Haltung des linken Arms. Immerhin wird hier im unscharfen Detail der jähe Sturz oder der schnelle Griff nach der davonschwimmenden Mütze umso glaubhafter.

Die Bilder gelangten 1981 mit Materialien, die zu einem Teil Hinterlassenschaften von Barbieri enthalten, aus dem ehemaligen Photographischen Institut der ETH an die ETH-Bibliothek.

Anmerkungen

*Ein Beobachtungsbeispiel in freier Natur, das in die Literatur einging, vom französischen Schriftsteller und Regisseur  Marcel Pagnol (1895-1974) aus dessen sechstem Lebensjahr:

„Dort gab es eine uralte schattige Platanenallee, wildwuchernde Sträucher, Wiesen, die einluden darauf herumzutollen […] Dort fanden sich zu jener Zeit auch Leute ein, die radfahren lernten. Mit starrem Blick und angespanntem Kinn verloren sie zum Schrecken ihrer Lehrer manchmal die Herrschaft über ihr Rad, überquerten die Allee, verschwanden in den Büschen und erschienen wieder, ihr Vehikel um den Hals. Dieses Schauspiel war nicht uninteressant, und ich lachte Tränen darüber.“

In: Eine Kindheit in der Provence, München 1969, S. 25.

 Technisches und Historisches zu Fahrrad sowie Fotografie und Film siehe Wikipedia Artikel „Fahrrad“, „Fahrradtypen“, „Hochrad“, „Sicherheitsniederrad“, „Fotografie“, „Film“ etc.

Links

Kurzbiografie von Barbieri

Findmittel zu Unterlagen in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek: Photographisches Institut der ETH/Teilnachlass Johannes Barbieri 

06.01.2012

John Smeaton: A Narrative of the building and a description of the construction of the Edystone Lighthouse (London, 1791)

Filed under: Alte Drucke,Architektur — Roland Lüthi @ 7:00

   

 Titelblatt mit Titelvignette: The Morning after a Storm

  Tafel No. 8: South Elevation of the Stone Lighthouse completetd on the Edystone in 1759

 

 Tafel No. 9: Section of the Edystone Lighthouse upon the E & W Line, as relative to No. 8

Der wohl berühmteste Leuchtturm Grossbritanniens steht auf dem Eddystone Rock, einem kleinen, für Schiffe sehr gefährlichen Felsen ungefähr 20 Kilometer südwestlich von Plymouth. Im Lauf der Zeit wurden hier nacheinander vier Leuchttürme gebaut: Winstanley’s Tower (1698-1703), Rudyerd’s Tower (1709-1755), Smeaton’s Tower (1759-1882) und Douglass’s Tower (1882-heute). Von Smeaton’s Tower steht heute nur noch der Stumpf – der obere Teil wurde abgebaut und auf dem Festland in Plymouth Hoe als Denkmal zu Ehren des Erbauers wieder errichtet.

Der britische Ingenieur John Smeaton (1724-1792) basierte seine Konstruktion auf der Form eines Eichenstammes. Gebaut wurde der Turm aus Stein, wobei für das Fundament und die Verkleidung ein lokaler Granitstein verwendet wurde. Als Mörtel setzte Smeaton einen neuartigen schnell bindenden Zement ein, der den nassen Bedingungen standhielt und noch heute Verwendung findet. Neu war auch eine revolutionäre Technik von Verzahnungen und Steindübeln, mittels denen die Granitblöcke verbunden wurden. Nach drei Jahren Bauzeit und der Inbetriebnahme im Jahr 1759 trotzte der Leuchtturm der rauen See über ein Jahrhundert, bis sich in den 1870er-Jahren Risse im Fels zeigten. Sobald eine hohe Welle den 18 Meter hohen Turm traf, geriet dieser ins Wanken und musste deshalb schliesslich abgebrochen werden. Der untere Teil erwies sich dabei als dermassen solide, dass man ihn stehen liess.   

Links:

The construction of the Edystone Lighthouse (Rar 1788 GF) im Bibliothekskatalog NEBIS

Hochaufgelöste Bilder zu Smeaton’s Tower sind in E-Pics zu finden.

 

23.12.2011

Weihnachten steht vor der Tür

Filed under: Bildarchiv — Heike Hartmann @ 7:00

Für unseren heutigen Beitrag haben wir die Bildarchiv Datenbank (http://ba.e-pics.ethz.ch) nach ein paar Fotografien durchsucht, die etwas mit Weihnachten oder zumindest mit der kalten Jahreszeit zu tun haben. Vier unterschiedliche Bilder haben wir herausgesucht, die nun kurz vorgestellt werden sollen. Diese stammen aus drei verschiedenen Beständen und zeigen somit auch die Vielfalt der Bildersammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek.

Das erste Bild ist aus dem Bestand Leo Wehrli. Wehrli lebte von 1870 bis 1954 und war Geologe und Geograph. Von 1893bis 1896 war er Assistent am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich.Auf dem Glasdiapositiv sind verschiedene Schneekristallformen zu sehen. Diese „Schneesterne“ hat Wehrli im Winter 1912 in der Schweiz aufgenommen.

  

Schneekrystalle [Schneekristalle], 1918 (Dia_247-02154)

Das zweite Bild aus der Ansichtensammlung ist eine Fotografie und zeigt die Gondel des Zeppelins LZ 129 mit einem Weihnachtsbaum davor. Dieses Bild stammt aus einem Album mit 155 Bildern. Der Zeppelin LZ129 Hindenburg verunglückte am 6. Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst, USA.

 

Führergondel Weihnachten 1935, 1936 (Ans_05512-026-AL)

Aus unserem Bestand Postkartensammlung Adolf Feller haben wir zwei Bilder herausgesucht. Feller war ein Schweizer Unternehmer, der zusammen mit seiner Tochter (sie sammelte nach seinem Tod weiter) über 54‘000 Postkarten zusammen trug. Zum einen zeigen wir eine Postkarte mit geschmücktem Weihnachtsbaum von 1959 und zum anderen Skifahrer im Pulverschnee aus dem Jahr 1956.

 

God Jul = Frohe Weihnachten, 21.12.1959 (Fel_045709-RE)

 

Parsenn-Klosters, Abfahrt im Pulverschnee, 28.12.1956 (Fel_013452-RE)

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

16.12.2011

Vannoccio Biringuccio: Pirotechnia (Venedig, 1540)

Filed under: Alte Drucke,Bergbau,Chemie und Pharmazie — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Holzschnitt aus der Pirotechnia von 1558: Glockenlager

Der italienische Ingenieur, Architekt, Büchsenmacher und Chemiker Vanoccio Biringuccio (1480-1537) war ein Meister des Hüttenwesens und der Schmiedekunst. Er unternahm es, sein Wissen an weite Kreise weiterzugeben und schuf mit Pirotechnia nicht nur das erste Handbuch der Metallurgie, sondern markierte damit in gewisser Weise auch den Anfang der technologischen Literatur überhaupt.

Der Praktiker Biringuccio pflegte einen beinahe „modernen“ Zugang zur Alchemie, denn er wies tunlichst allen Aberglauben und jegliche pseudo-Magie von sich. Als Handwerker war er zudem in der Lage, die Prozesse der frühen angewandten Chemie bis in alle Einzelheiten vollumfänglich zu beschreiben.

Als praktisches Handbuch erfreute sich die Pirotechnia grosser Beliebtheit. In einer Zeitspanne von 138 Jahren wurde sie neun Mal neu aufgelegt. Dennoch stand sie vielleicht wegen des unprätentiösen Schreibstils und der unscheinbaren Aufmachung etwas im Schatten von Georgius de Agricolas späteren prachtvollen De re Metallica (1556).

Links:

Die Erstausgabe von 1540 ist für die Ausleihe gesperrt.

Die dritte Ausgabe von 1558 kann in NEBIS bestellt und im Lesesaal Spezialsammlungen konsultiert werden.

Auch die fünfte Ausgabe von 1678 ist in der Sammlung vorhanden.

Schliesslich besitzt die Bibliothek drei Faksimiles: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002167472 (ab Erstausgabe, Italienisch)

http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002136453 (Deutsch)

http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002175392 (Englisch)

09.12.2011

Leuchtendes Beispiel – 111 Jahre elektrisches Licht in der ETH-Bibliothek

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Geschichte,Ingenieurwissenschaften — Tags: , — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

Werbekarte für die Nernst-Expresslampe aus Professor Walter Wysslings Sammlung von Werbeprospekten und Preislisten zur Elektrotechnik (ETH-Bibliothek, Archive, 48291 (Hs):59, Fasc. 22/I e.) 

Der zündende Funke war eine massive Kostenüberschreitung gewesen. Seit 1898 wurde die unter Raumnot leidende Bibliothek des Polytechnikums umgebaut und in der Südwestecke des Hauptgebäudes, am heutigen Standort der Graphischen Sammlung, erweitert. Alte Baumängel in den Räumen strapazierten dabei das Budget derart, dass Schulratspräsident Hermann Bleuler am 17. November 1899 das Eidgenössische Departement des Innern um einen happigen Nachtragskredit anging. Bei der Gelegenheit beantragte er gleich noch einen Extrazuschlag zur Einrichtung einer bisher nicht vorgesehenen elektrischen Beleuchtung.

Die eidgenössischen Räte, die über das Begehren zu befinden hatten, verschoben jedoch vorsichtshalber die Entscheidung auf den Abschluss der Bautätigkeit, wenn die gesamte Kostenüberschreitung bekannt sein würde. Bleuler schrieb daraufhin am 9. Dezember 1899 nochmals nach Bern, ob nicht doch im Hinblick auf den später zu gewährenden Nachtragskredit die elektrische Beleuchtung noch während der laufenden Bauarbeiten installiert werden dürfe:

„Eine neue Einrichtung für Beleuchtung in den Räumen der Bibliothek muss unter allen Umständen ausgeführt werden und wird für Gas nicht weniger kosten als für Elektrizität. […] Wollte man nun […] zu warten, […] würde später die Ausführung einer endgültigen Einrichtung mehr Mühe, Kosten und Ungelegenheiten aller Art verursachen, als wenn jetzt gleich noch mit der Vollendung der neuen Einrichtung der Bibliotheksräume dieselbe vorgenommen werden kann.“

Diese Argumentation leuchtete den vorgesetzten Behörden ein. So kam es, dass die erweiterte Bibliothek bei der Eröffnung am 26. April 1900 mehr als eineinhalb Jahre früher als das gesamte Hauptgebäude in elektrischem Licht erstrahlte mit Strom aus dem soeben in der Nachbarschaft fertiggestellten Maschinenlabor. Die Zürcher Bibliotheksfachleute waren von der „Musterbibliothek“ nicht zuletzt auch wegen der neuartigen Erhellung der Räume begeistert. Hermann Escher, späterer Direktor der Zentralbibliothek, beschloss seine Lobeshymne über den geglückten Erweiterungsbau mit den Worten:

„Die jüngste der drei hiesigen Bibliotheken ist den anderen mit leuchtendem Beispiel vorangegangen.”

Am Polytechnikum war die Freude dagegen etwas gedämpft. Bibliotheksdirektor Ferdinand Rudio beklagte in seinem Bibliotheksbericht für das Jahr 1900 „unvorhergesehene Ausgaben, zum Teil auch solche, die eigentlich auf das Baubudget hätten gesetzt werden sollen“. Das Loch in der Kasse war vielleicht ein Grund, dass kein Fotograf zur Ablichtung der neuen Räumlichkeiten engagiert wurde. Jedenfalls finden sich in den Beständen der heutigen ETH-Bibliothek keine Bilder von damals.

Ähnliches wiederholte sich nach der Elektrifizierung des gesamten Hauptgebäudes. Die Schulleitung war erleichtert, als Planung und Ausführung nach der Gewährung eines ausserordentlichen Kredits durch die eidgenössischen Räte endlich abgeschlossen waren. Im Jahresbericht 1901 hielt sie fest:

„Die neue Beleuchtung ist nun seit Mitte Dezember im Gange und hat sich bis jetzt gut bewährt und sich gegenüber der bisherigen in den schlecht ventilierten Räumen die Luft verderbenden, blendenden Gasbeleuchtung auch in hygienischer Beziehung als wohltätig erwiesen.“

Auch diesmal blieb anscheinend nichts übrig, um das neu ausgeleuchtete Hauptgebäude zu fotografieren. Dabei wäre in Gestalt von Johannes Barbieri, Titularprofessor für Photographie, sogar ein hauseigener Fachmann zur Verfügung gestanden.  In den Akten fehlen zudem nähere Details zu den gewählten Beleuchtungstypen.

Als Ersatz für zeitgenössische Bilder dient daher die Werbekarte eines Beleuchtungsmittels aus der umfangreichen Dokumentation von Walter Wyssling, Professor für angewandte Elektrotechnik, der damals die Elektrifizierung der Bibliothek und des gesamten Hauptgebäudes geplant hatte. Nernstlampen wurden ab 1897 produziert, waren langlebiger und somit kostengünstiger als Glühlampen mit Kohlefaden, erbrachten aber erst nach Erwärmung des Glühkörpers die volle Leistung. Die abgebildete Expresslampe wurde um das Jahr 1904 entwickelt. Sie kombinierte die Nernstlampe mit der herkömmlichen Kohlefadenlampe zur Erwärmung des Glühkörpers und sorgte damit gleich beim Einschalten noch während der Aufwärmphase für Helligkeit.

Anmerkungen

Kopien der Schreiben von Schulratspräsident Bleuler an das eidgenössische Departement des Innern 17. November und 9. Dezember 1899 in den Missiven (ETH-Bibliothek, Archive, SR1: 1899, Nr. 481 und Nr. 516)  

Theodor Vetter, Eine Musterbibliothek, in: Züricher Post, No. 105, Sonntag 6. Mai 1900, Frontseite

Hermann Escher, Die neuen Bibliotheksräume im Polytechnikum, Beilage zu Neue Zürcher Zeitung, Nr. 128, Mittwoch 9. Mai 1900

Ferdinand Rudio, Bibliotheksbericht für das Jahr 1900 (ETH-Bibliothek, Archive, SR3:1901 No. 38)

Entwurf “Bericht des Eidgenössischen Polytechnikums über das Jahr 1901″, S. 21/22 in: ETH-Bibliothek Archive, SR2 Schulratsprotokolle 1902, Sitzung Nr. 2 vom 27.02.1902, Traktandum 42, S. 33/34

Literatur

BLÄTTERN & BROWSEN – 150 Jahre ETH-Bibliothek, Hrsg. ETH-Bibliothek Zürich, 2005 

02.12.2011

Le grand avantage des méthodes graphiques – der erste thematische Weltatlas

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung,Naturwissenschaften — Tags: , — Susanne Zollinger @ 15:44


Isothermenkarte, Berghaus’ Physikalischer Atlas, J. Perthes, Gotha, 1849
(Durch mehrfaches Anklicken werden die Karten vergrössert angezeigt)

Physikalische Karte vom Indischen Meere, Berghaus’ Physikalischer Atlas, J. Perthes, Gotha, 1849

Berghaus’ physikalischer Atlas erschien als erster thematischer Weltatlas 1852 in zweiter Auflage im auf wissenschaftliche Geografie und Kartografie spezialisierten Verlag von Justus Perthes in Gotha. Im Vorwort zitiert der Kartograf  Henrich Berghaus den von ihm verehrten Zeitgenossen und Freund, den Naturforscher und Mitbegründer der empirischen Geografie Alexander von Humboldt:

„C’est le grand avantage des méthodes graphiques appliquées aux différents objets de la philosophie naturelle, de porter dans l’esprit cette conviction intime qui accompagne toujours les notions, que nous recevons immédiatement par les sens. “ (Alexandre de Humboldt, 1825)

„In den Worten des grossen Naturforschers, welche als Wahlspruch an die Spitze dieser Umrisse gestellt worden sind, ist der Standpunkt angedeütet, auf dem der Nutzen und das Bedürfniss beurtheilt wurden, als vor beinhah‘ einem Vierteljahrhundert der Grundgedanke für die Bearbeitung und Herausgabe einer Sammlung graphischer Darstellungen zur Erlaüterung der physikalischen Erdkunde in Anregung kam […]“

Berghaus innovatives Werk trägt den Untertitel „Eine, unter der fördernden Anregung Alexander’s von Humboldt verfasste Sammlung von 93 Karten, auf denen die hauptsächlichsten Erscheinungen der anorganischen und organischen Natur nach ihrer geographischen Verbreitung und Vertheilung bildlich dargestellt sind.“  Es umfasst die Abteilungen Meteorologie und Klimatographie, Hydrologie und Hydrographie, Geologie, Tellurischer Magnetismus, Pflanzengeographie, Thiergeographie, Anthropographie und Ethnographie und soll Alexander von Humboldts Kosmos illustrieren.

Für den Atlas fasste Berghaus zeitgenössische Kartendarstellungen zusammen und ergänzte das Werk mit eigenen kunstvoll ausgeführten Darstellungen.  Die Zusammenstellung enthält aber auch Tabellen, Diagramme und ausführliche Angaben zu Art und Herkunft der verwendeten physikalischen Daten.

Der wunderschöne Atlas mit Linien- und Flächenkolorit umfasst zwei Bände und trägt die Signatur KA 500098. Der “Kosmos” von Alexander von Humboldt hat die Signatur RA 2620. Beide Werke können als Originale im Lesesaal der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

25.11.2011

Willem Piso: De Indiae utriusque re naturali et medica (Amsterdam, 1658)

Filed under: Alte Drucke,Botanik,Naturwissenschaften,Zoologie — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Titelblatt

Willem Piso (1611-1678) diente von 1636 bis 1644 als Arzt in der holländischen Kolonie in Brasilien. Als Pionier der Tropenmedizin und Pharmakologie studierte er die Pflanzenmedizin der Ureinwohner und unterstützte deren Gesundheitspraktiken. Dazu begab er sich im Urwald auf die Suche nach Heilpflanzen und erwarb sich dadurch den Ruf, als erster Europäer ein Verständnis für die einheimischen Behandlungsmethoden mit Ipecacuanha, Sassafras, Sarsaparilla, Guaiacum und anderen Pflanzen gewonnen zu haben. Seine Erkenntnisse legte er in der Historia naturalis Brasiliae dar, die er 1648 mit seinem ehemaligen Assistenten, dem Botaniker und Astronom Georg Marggraf (1610–1644) herausgab. Das Verhältnis der beiden Autoren gab Anlass zu vielen Studien. Insbesondere ist fraglich, weshalb Piso das Werk zehn Jahre nach der Erstausgabe unter eigenem Namen und dem Titel De Indiae utriusque re naturali et medica herausgab.

Das Titelblatt zeigt links einen amerikanischen Ureinwohner und rechts einen Malaien oder Javaner. Neben anderen exotischen Tieren und Pflanzen sind im Hintergrund ein Rhinozeross und ein Dodo abgebildet. Diese emblematischen Darstellungen wurden vermutlich bei Elzevier und anderen Verlagshäusern „an Lager“ gehalten. Die Vermutung liegt nahe, zumal das Rhinozeross dem berühmten oft rezyklierten Dürer‘ schen Rhinozeross gleicht. Auch der Dodo entspricht dem oft kopierten Klischee der Zeit.

Links:

Pisos De Indiae utriusque re naturali et medica (Amsterdam, 1658) im Bibliothekskatalog: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002319107

Eine kolorierte Erstausgabe der Historia naturalis Brasiliae von 1648 ist online bei MBG Rare Books: http://www.illustratedgarden.org/mobot/rarebooks/title.asp?relation=QH117P571648

18.11.2011

„Sie hatte es natürlich planmässig auf meine Verführung abgesehen…“ – C.G. Jung an Sigmund Freud über Sabina Spielrein

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Psychologie — Tags: — Michael Gasser @ 7:00

Erste Seite des Briefes C.G. Jungs an Sigmund Freud vom 4. Juni 1909 (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 1056:30985, Copyright Stiftung der Werke von C.G. Jung – mit freundlicher Genehmigung)

Wenn Keira Knightley als Sabina Spielrein, Michael Fassbender als C.G. Jung und Viggo Mortensen als Sigmund Freud im Film „A Dangerous Method“ die wohl berühmteste Liebesaffäre in der Geschichte der Psychoanalyse und deren Auswirkung auf die Freundschaft zwischen Jung und Freud auf die Leinwand bringen, geht es Regisseur David Cronenberg nur bedingt um historische Detailgenauigkeit. Entsprechend frei interpretiert Cronenberg in seiner fiktionalisierten Version der Geschichte denn auch das vorhandenene Quellenmaterial.

Quellenmässig blieb die Innensicht von Sabina Spielrein (1885-1942), deren bewegtes Leben als erste Analysandin Jungs, praktizierende Psychoanalytikerin, Angehörige der Wiener Psychoanlytischen Vereinigung und Begründerin der Psychoanalyse in Russland tragisch in einem Judenpogrom deutscher Truppen in Rostow endete, längere Zeit im Dunkeln. Erst in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren wurden ihre Tagebücher sowie Teile ihrer Korrespondenz mit Sigmund Freud und C.G. Jung in Genf entdeckt und schrittweise ediert.

Der Einfluss Spielreins auf die Freundschaft zwischen Jung und Freud spiegelt sich dagegen in der Korrespondenz zwischen den beiden Psychoanalytikern, die heute zu den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek zählt. Die Briefe zeigen, wie schwer es Jung fällt, Freud gegenüber seine Arzt-Patientin-Liebesaffäre und damit sein grobes Fehlverhalten innerhalb der psychotherapeutischen Behandlungsmethode einzugestehen. Am 7. März 1909 schreibt er an Freud noch verklausuliert: „Ich bin immer in den Grenzen des Gentleman ihr [Sabina Spielrein] gegenüber geblieben, aber vor meinem etwas zu empfindsamen Gewissen fühle ich mich doch nicht sauber, und das schmerzt am meisten, denn meine Absichten waren immer rein gewesen.“ Erst als Sabina Spielrein sich ebenfalls an Freud wendet, wird Jung deutlicher, wirbt aber gleichzeitig um Freuds Verständnis für seine Grenzüberschreibung, indem er ihm gegenüber in einem Brief vom 4. Juni 1909 die Verführungskünste Spielreins betont:

Da ich aus Erfahrung wusste, dass sie [Sabina Spielrein] sofort rückfällig wurde, wenn ich ihr meinen Beistand versage, zog sich die Beziehung über Jahre hin, und ich hielt mich schliesslich quasi für moralisch verpflichtet, ihr meine Freundschaft weitgehend zu vertrauen, solange bis ich sah, dass dadurch ein unbeabsichtigtes Rad ins Rollen geriet, weshalb ich schliesslich abbrach. Sie hatte es natürlich planmässig auf meine Verführung abgesehen, was ich für inopportun hielt. Nun sorgt sie für Rache.

Zwei Wochen später, am 21. Juni 1909, gesteht Jung Freud schliesslich seinen „Wahn [...], quasi das Opfer der sexuellen Nachstellungen meiner Patientin“ geworden zu sein und fügt hinzu: „Ich bitte Sie nun vielmal um Entschuldigung, dass meine Dummheit Sie mit in diese Sache hineingezogen hat.“ Freud nimmt diese Entschuldigung nicht nur bereitwillig an, sondern setzt sich bei Sabina Spielrein sogar für Jung ein, so dass dieser am 10. Juli 1909 nach Wien schreiben kann: „Ich möchte Ihnen zu allererst herzlich danken für Ihre freundliche Hilfe in der Spielrein-Angelegenheit, die sich ja jetzt so günstig erledigt hat.“

Quelleneditionen:
Spielrein, Sabina. Tagebuch und Briefe: die Frau zwischen Jung und Freud. Herausgegeben von Traute Hensch. Giessen, 2003.
Freud, Sigmund und C.G. Jung. Briefwechsel. Herausgegeben von William McGuire und Wolfgang Sauerländer. Zürich, 1976.

Lektüre:
Kerr, John. Eine höchst gefährliche Methode: Freud, Jung und Sabina Spielrein. München, 1994.

« Older Posts

Powered by WordPress