Es geht voran in Moskau!

Kürzlich stellten wir drei Moskau-Reportagen mit insgesamt 492 digitalisierten und grösstenteils nicht genauer beschriebenen Bildern vor (siehe Blogposts vom 24. Juli 2017 und vom 31. Juli 2017). Bis jetzt konnten bereits 195 Bilder genauer beschrieben werden! Denn offenbar macht die Identifikation dieser Moskaubilder einigen Crowdsourcern grossen Spass, so zumindest die Rückmeldung von Thomas Pfister.

Bei der Reportage in Schwarzweiss aus dem Jahr 1961 (Com_L10-0297) wurden 147 der 381 Bilder identifiziert. Bei der Reportage in Schwarzweiss aus dem Jahr 1966 (Com_L15-0757), die für die Schweizer Illustrierte Zeitung erstellt wurde, ist bereits die Hälfte, nämlich 65 von 130 Bildern, erledigt. Bei der Reportage in Farbe, die insgesamt 19 Bilder (Com_LC0046) enthält, alle sind digitalisiert, konnten 18 identifiziert werden.

Das noch nicht identifizierte Farbbild ist die folgende Strassenszene. Die Schriftzüge an den Häusern wurden transliteriert. Auf den Schildern steht: Milch, Früchte (links), Oktober (Mitte vertikal).

Moskau

(Com_LC0046-0000-0018, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000896945)

Durch Bildervergleich: Zweifel an der Datierung

Die Reportage stammt gemäss Angaben des Comet-Archivs aus dem Jahr 1979. Bei der Datierung sind jedoch erste Zweifel aufgetreten, wie die beiden folgenden Bilder der doppelstöckigen Moskwa-Brücke Luzhnyetskiy Metromost zeigen. Das Schwarzweiss-Bild stammt aus der Reportage von August 1966, das farbige sollte 1979 sein. Vergleicht man beispielsweise die Ballspiele im Vordergrund sieht man schnell, dass es sich dabei um dieselben Personen handelt (z. B. die Dame im schwarzen Bikini in der Bildmitte). In der titelgebenden Brücke im Hintergrund ist übrigens die Metrostation „Vorobyovy Gory“ integriert, sie wurde 1959 eröffnet. Walter Aeberli und René Edward Knupfer-Müller haben die Bilder näher beschrieben.

Ballspiele vor der Luzhnyetskaya Metro-Brücke: zweistöckige Moskvabrücke mit integrierter Metrostation "Vorobyovy Gory", Eröffnung 1959. Auftrag: SIZ, Schweizer Illustrierte Zeitung

(Com_L15-0757-1300-0003, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000881270)

Wir haben das Farbbild neu datiert, und zwar gemäss dem Schwarzweiss-Bild. Dies aufgrund des Inhalts, aber auch weil die Datierung auf Schwarzweiss-Negativ-Verpackungen meist valabler ist.

Ballspiele vor der Luzhnyetskaya Metro-Brücke: zweistöckige Moskvabrücke mit integrierter Metrostation "Vorobyovy Gory", Eröffnung 1959

(Com_LC0046-0000-0017, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000896942)

Ein weiterer Hinweis, dass die Datierung überprüft werden muss, liefert ein weiteres Beispiel der Lomonossow-Universität, der Staatlichen Universität also. Im Vordergrund steht derselbe Fotograf. Auch bei genauerer Betrachtung der fotografierten Gruppe im Hintergrund sind auf beiden Bildern dieselben Menschen erkennbar. Waren die Kometen am Ende nur zwei- anstatt dreimal in Moskau? Um diese Frage eindeutig zu beantworten, fehlen uns leider die Geschäftsunterlagen der ehemaligen Fotoagentur Comet Photo AG. Wie haben die Fotoreporter gearbeitet? Hatten Sie immer (mind.) zwei Kameras dabei, eine für Farb- und eine für Schwarzweissfilme?

Moskau, Lomonossow-Universität, Staatliche Universität

(Com_L15-0757-2100-0005, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000881315)

Diese beiden Bilder haben ebenfalls Walter Aeberli und René Edward Knupfer-Müller näher beschrieben. Sehr genaue Angaben machte Herr Knupfer-Müller zur Universität: Auf den Sperlingsbergen im westlichen Verwaltungsbezirk Moskaus. Rund 40’000 Studiernde (2017), erbaut 1947-1953 durch Chefarchitekt Lew Rudnew (1885-1956) im Stil des Sozialistischen Klassizismus („Stalinbarock“ oder „Stalingotik“), Gebäudehöhe 240 m, rund 39’200 Räume unterschiedlichster Grösse.

Moskau, Lomonossow-Universität, Staatliche Universität

(Com_LC0046-0000-0008, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000896934)

Klassiker und Kuriositäten aus Moskau

Das Warenhaus GUM am Roten Platz wurde in zahlreichen Bildern dargestellt, wie etwa die folgende Szene an einer Theke. Es war das einstmals grösste Warenhaus Europas, 1890-1893 erbaut, nach 1990 zu einem Konsumtempel westlichen Stils umgebaut, wie René Edward Knupfer-Müller berichtet.

Einstmals grösstes Warenhaus Europas, 1890-1893 erbaut, nach 1990 zu einem Konsumtempel westlichen Stils umgebaut. Auftrag: SIZ, Schweizer Illustrierte Zeitung

(Com_L15-0757-1000-0003, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000881257)

Ein weiteres wichtiges Thema sind Volkskundgebungen/Manifestationen. Hier ein Umzug auf der Okhotnyy Riad. Thomas Pfister präzisiert dieses Bild folgendermassen: „An der Hauswand, Mitglieder der Parteielite (2. v.l. Jekaterina Alexejewna Furzewa, 8. v.l. Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Rechts daneben, Leonid Iljitsch Breschnew). Im Umzug wird wohl ein Bild von Juri Gagarin mitgetragen.“

An der Hauswand, Mitglieder der Parteielite (2. v.l. Jekaterina Alexejewna Furzewa, 8. v.l. Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Rechts daneben, Leonid Iljitsch Breschnew). Im Umzug wird wohl ein Bild von Juri Gagarin mitgetragen

(Com_L10-0297-0033-0003, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000881151)

„Slava sovyteskoi rodinye!“ (СЛАВА СОВЕТСКОЙ РОДИНЕ!) heisst „Es lebe das sowjetische Vaterland!“. Dieser Hinweis stammt von René Edward Knupfer-Müller.

Moskau, Volkskundgebung "Es lebe das sowjetische Vaterland"

(Com_L10-0297-0030-0009, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000881127)

Selbstverständlich dürfen Ehrendenkmäler und Szenen rund um den Roten Platz nicht fehlen. Auch bei folgendem Bild des „Ehrenmals für die sowjetischen Kosmonauten“ half uns René Edward Knupfer-Müller weiter.

Moskau, Ehrenmal für die sowjetischen Kosmonauten "_____ _______

(Com_L15-0757-0800-0002, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000881252)

Kennt man die Beschreibung von Thomas Pfister zu folgendem Bild, könnte man es schon fast unter Kuriositäten einordnen: „Moskau, Tür neben dem Erlöserturm (Спасская башня) am Roten Platz. Heute dient diese Tür als Personaleingang zum Kreml.“

Moskau, Tür neben dem Erlöserturm am Roten Platz

(Com_L10-0297-0005-0004, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000880847)

Ein weiterer Moskau-Klassiker: die für westliche Augen luxuriös wirkenden Metrostationen, die „unterirdischen Paläste für das Volk“. Das folgende Bild identifizierte unser Anonymus mit „Metro-Station Oktjabrskaja der Ringlinie.“

Moskau, Metro-Station Oktjabrskaja der Ringlinie

(Com_L15-0757-2500-0002, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000880825)

Vielleicht könnte ein Bauingenieur weiterhelfen?

Zum Abschluss noch ein Bild aus einer Serie von 13 Bildern (alle Bilder unter: Com_L10-0297-0013) bei denen Thomas Pfister vermutet, dass es sich um eine Fabrik für Plattenbauteile handeln könnte: „Meiner Meinung nach zeigt diese Serie eine Fabrik für Plattenbauteile. Im Bild Com_L10-0297-0013-0009 ist ein fertiges Element mit Fenster zu sehen. In den 60 Jahren wurden Plattenbauten auch in der Sowjetunion in Massen aufgestellt (Stichwort: Chruschtschowka https://de.wikipedia.org/wiki/Chruschtschowka ). Belegen kann ich diese Hypothese allerdings nicht. Kann vielleicht ein Bauingenieur weiterhelfen?“

Moskau, Fabrik für Plattenbauteile [?]

(Com_L10-0297-0013-0001, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000880917)

Vollständige Bildinformationen

Gerber, Hans: Moskau, Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft [?], Replikat der Sputnik 3, 08/1966. Reportage mit 808 Bildern (Auswahl digitalisiert) (Com_L15-0757-0500-0006, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000881240)

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